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HD-Produktionsgarantie sichern

Die Sportcast GmbH, ein Tochterunternehmen der DFL Deutschen Fußball Liga GmbH, investiert in eigene TV-Produktionstechnik. Das Unternehmen hat bei Grass Valley in Weiterstadt zwei identische 7-Kamera-HD-Ü-Wagen geordert. Sie sollen von der noch zu gründenden Sportcast-Tochterfirma Livecast TV Produktion GmbH betrieben werden. Sportcast ist zuständig für die Erstellung des TV-Basissignals aller Spiele der Bundesliga und 2. Bundesliga sowie die des DFB-Pokals und kooperiert dabei mit externen Ü-Wagen-Dienstleistern.
„Grund der Investition war nicht, dass wir unbedingt selbst Ü-Wagen betreiben wollen, sondern dass auf dem Ü-Wagen-Markt schlicht ein Defizit an kleinen HD-Ü-Wagen existiert“, erklärt Sportcast-Geschäftsführer Josef Nehl. Vor dem Hintergrund zunehmender HDTV-Übertragungen in Deutschland, sei es dringend erforderlich die Lücke „im unteren Segment der HD-Ü-Wagen“ zu schließen. Von ihrer Leistungsfähigkeit seien die bei Grass Valley georderten Ü-Wagen genau hier angesiedelt. Maximal seien sie im mittleren Segment einsetzbar.
„Die Leistungsfähigkeit der Ü-Wagen ist genau unseren Bedürfnissen angepasst. Sie sind deshalb auch nicht für Einsatzbereiche wie Motorsport-Events oder Konzerte geeignet“, sagt Nehl. Die Fahrzeuge werden von Grass Valley im Oktober ausgeliefert und sollen zur Rückrunde der kommenden Fußballbundesliga-Saison eingesetzt werden.
Die Entscheidung, Thomson Grass Valley mit dem Ü-Wagen-Bau zu betrauen, war laut Nehl nicht einfach. „Letztlich haben wir Grass Valley den Zuschlag erteilt, weil sie uns das beste Angebot vorgelegt haben“, berichtet der Sportcast-Geschäftsführer.
Beide HD-Ü-Wagen werden jeweils mit sechs LDK-8000-Elite-HD-Kameras sowie einer LDK-8300-HD-Live-Super-SloMo-Kamera von Grass Valley ausgerüstet. Hauptbildmischer ist der auf der NAB 2009 erstmals vorgestellte Grass Valley 3-M/E-Mischer Kayenne XL inklusive neuem Bedienpult. Ein weiteres 2-M/E-Kayenne-XL-Bedienpult soll die simultane Produktion eines zweiten Signals erlauben.
Grass Valley Trinix-Kreuzschienen mit bis zu 256 Ein- und Ausgängen sowie Modular-Produkte aus der Grass Valley GeckoFlex-Produktreihe (Wandler, Konverter, Verstärker etc.) bilden die technische Infrastruktur der Übertragungswagen. Eingesetzt werden zudem Audiomischpulte von Lawo, Intercom-Systeme von Riedel und Objektive von Fujinon. Der Produktionsservereinsatz war bei Redaktionsschluss noch nicht entschieden.
Grass Valley in Weiterstadt ist für die schlüsselfertige Abwicklung des Projektes vom Systemdesign bis zum abschließenden Training verantwortlich.
Die Fahrzeuge werden auf Basis von zwölf Meter langen Mercedes-Benz-Chassis gebaut. Ihre Aufbauten haben keine Schubladen. „Es gibt in Deutschland keine entsprechenden Ü-Wagen“, betont Nehl. Durch ihren Einsatz will Sportcast auch dem neuen Spielplan Rechnung tragen. Den größten Produktionsaufwand hatte das DFL-Unternehmen bislang am Sonntag mit sieben Spielen. In der kommenden Saison verlagert der sich auf den Samstag mit acht Spielen. „Dazu kommt noch die Produktion der dritten Liga. Die liegt zwar nicht in unseren Händen, muss aber auch irgendwie produziert werden, so dass wir da große Probleme sehen, wenn der Zug Richtung HD immer mehr ins Rollen kommt. Wir müssen gewährleisten können, dass wir künftig alles in HD produzieren können“, sagt der Sportcast-Geschäftsführer.

Knappheit an HD-Produktionsmitteln
Im Februar und März dieses Jahres hatte Sportcast nach seinen Angaben schon Probleme gehabt, genug Ü-Wagen zu finden, obwohl da der Zwang zur HD-Produktion noch gar nicht so groß gewesen war. Nehl befürchtet zunehmende Knappheit an HD-Produktionmitteln für Live-Sport-Events. „In der kommenden Saison wird die Fußball-Winterpause kürzer. Das heißt, schon im Januar wird gespielt“, sagt er. Sportcast stehe bei der Akquisition von HD-Produktionsmitteln dann voll in Konkurrenz zu den Wintersport-Veranstaltungen und müsse rechtzeitig Sorge dafür tragen, dass die nötige Technik verfügbar sei.
Der Sportcast-Geschäftsführer räumt ein, dass der Einsatz kleinerer Ü-Wagen oft auch wirtschaftlicher für das Unternehmen sei. „Es macht wenig Sinn, einen 18-Kamera HD-Ü-Wagen zu einer 6-Kamera-Produktion zu schicken. Dazu gibt es oft auch einige technische Restriktionen. Die Standplätze sind zum Beispiel nicht groß genug oder es gibt nicht genug Strom vor Ort“, sagt er.
Kleinere, kompaktere Ü-Wagen seien grundsätzlich besser für das Thema Bundesligaproduktion zugeschnitten. Allerdings könne man auch nicht auf die ganz großen Ü-Wagen verzichten. Wenn Saisoneröffnungsspiele, DFB-Pokalspiele oder wichtige Spiele am Samstagabend produziert werden müssten, wären auch solche gefragt. Nehl: „Für das Brot- und Butter-Geschäft braucht man die Großen aber nicht zwingend.“
Den Ü-Wagen-Dienstleistern will er indes nicht den Vorwurf machen, dass sie das untere Marktsegment vernachlässigt haben. „Unternehmen wie Wige oder Topvision sind immer im oberen Segment unterwegs gewesen und haben da verständlicherweise auch bei HDTV wieder investiert“, sagt er. Das Gleiche gelte für mittlere Unternehmen wie Triofilm oder HD Signs. Durch die gegenwärtige wirtschaftliche Situation seien die Finanzierungsmöglichkeiten für Ü-Wagen-Neubauten insgesamt scheinbar sehr beschränkt.
Mit den beiden neuen Ü-Wagen will Sportcast nur ein bis zwei Spiele am Wochenende produzieren. „Das heißt, wir werden unsere Aktivitäten so gestalten, dass unsere bisherigen Ü-Wagen-Partner nicht darunter leiden. Wir wollen denen nichts wegnehmen. Mangels kleiner HD-Ü-Wagen im unteren Ü-Wagen-Segment wird es auch keine Verdrängung geben“, erklärt Nehl. Man verfolge bei der DFL die gleiche Strategie wie schon bei der Anschaffung eigener SNGs. „Auch da haben wir kein Unternehmen vom Markt verdrängt.“
Sportcast hat 2007 zusammen mit Topvision den SNG-Dienstleister HD SAT Communication GmbH gegründet. Das Unternehmen, an dem Sportcast zu 75 Prozent und Topvision zu 25 Prozent beteiligt sind, verfügt heute über sechs Satelliten-Übertragungswagen (SNGs), die auf High-Definition-Übertragung von Events aus den Bereichen Sport, Business und Entertainment spezialisiert sind.
„Ich brauche eine Produktionsgarantie und wenn ich die auf dem Markt nicht finde, dann muss ich schauen, dass ich sie mir selbst schaffe“, betont Nehl.
„Uns wäre es allemal lieber, wenn wir auf einen funktionierenden Markt treffen würden und uns vom Thema Betreiber von Technik egal ob im Bereich SNGs oder Ü-Wagen wieder verabschieden könnten. Diese Aktivitäten sind aus der Not geboren und sollen nicht weiter ausbaut werden.“

Internationalisierung
Dennoch schließt man bei Sportcast auch ein Engagement außerhalb der DFL-Aufgaben nicht aus. Das gilt zum Beispiel für das internationale Geschäft. „Wenn Dinge auf uns zu kommen, die über Deutschland hinaus reichen und unsere Aktivitäten für die DFL nicht behindern, sind auch hier Einsatzmöglichkeiten denkbar. Das heißt, unsere Dienste stehen grundsätzlich auch Ligen in anderen Ländern zur Verfügung. Wir treiben das aber nicht aktiv voran“, erklärt Nehl. Das gelte auch für die Zusammenarbeit mit dem Hostbroadcaster der Fußball-Weltmeisterschaft HBS. Wenn dieser ein Produktionsteam von Sportcast zur FIFA WM 2010 wünsche, sei man nicht abgeneigt, es zu stellen. „Wir sehen jede schöne Aufgabe aber auch als besondere Verpflichtung. Und die hat meist nicht nur Vorteile“, sagt Nehl und ergänzt: „Wir haben einen klaren Fokus auf Deutschland. Da müssen wir erst einmal unsere Hausaufgaben machen.“ Das betreffe insbesondere die HD-Produktion.
Seit Beginn der Saison 2007/2008 liegt der Fokus der Bundesliga-Produktion auf HD. Bis Ablauf der letzten Saison wurden jedoch nur drei davon auf Premiere in HD übertragen – Freitag, Samstag Sonntag jeweils ein Spiel.
Das könnte sich schon bald ändern. Bei Sky (Premiere) überlegt man, künftig alle Spiele der 1. Liga in HD zu zeigen oder zumindest das HD-Angebot auszuweiten. Die Deutsche Telekom hat sich bereits entschlossen, die Bundesligaspiele auf ihrer IPTV-Plattform Entertain komplett in HD zu senden.
Für Sportcast bedeutet das grundsätzlich keine Veränderung der bisherigen Produktionsworkflows. „Allerdings waren wir bislang hauptsächlich der DFL gegenüber verpflichtet, in HD zu produzieren, damit sie ihr Archiv mit HD-Material befüllen kann. Jetzt gilt diese Verpflichtung auch verstärkt gegenüber den Lizenznehmern“, betont Nehl.
Eckhard Eckstein

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