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Integrierter Signaltransport

Integrierter Signaltransport

In einem aufregenden letzten Rennen auf dem Eurospeedway Lausitz in Brandenburg reichte dem Briten Paul Bonhomme ein zweiter Platz um die Red Bull Air Race World Championship 2010 zu gewinnen. Der neun Air-Gates umfassende Kurs war das einzige Rennen der Saison 2010, das nicht über Wasser, sondern auf Land stattfand. Zentraler Dienstleister bei der TV-Produktion des Saisonfinales der Red Bull Air Race Championship war neben HD-Ü-Wagen-Betreiber SIVision das Wuppertaler Unternehmen Riedel Communications.

›Gut 65.000 Besucher waren am 7./8. August 2010 zum Lausitzring gekommen, um das 50. Red Bull Air Race in der achtjährigen Geschichte und gleichzeitig das Finale der diesjährigen Weltmeisterschaft zu sehen. Das erste und bislang einzige Red Bull Air Race in Deutschland wurde im Jahr 2006 in Berlin Tempelhof abgehalten. Damals strömten über 600.000 Zuschauer zum ehemaligen Flugplatz.
In diesem Jahr kämpften 15 Piloten um die Red Bull Air Race Weltmeisterschaft, darunter auch der Tannheimer Matthias Dolderer, der im Finalrennen am Lausitzring den 7. Platz belegte. Erster wurde der Österreicher Paul Archer vor dem Briten Paul Bonhomme, der damit auch Gewinner der diesjährigen Rennserie wurde.

Vor dem Rennen am Lausitzring hatte die Red Bull Air Race Championship 2010 bereits Station in Abu Dhabi, Vereinigte Arabische Emirate (26./27. März), in Perth, Australien (17./18. April), in Rio de Janeiro, Brasilien (8./9. Mai), in Windsor, Kanada (5./6. Juni) und in New York, USA (19./20. Juni), gemacht.
Im Fernsehen übertragen wurde das Rennen am Lausitzring live in Servus TV. RTL zeigte Highlights am 15. August. Das TV-Format Red Bull Air Race World Championship wird international vermarktet und in über 100 Ländern im TV gezeigt. Für die Ausstrahlung in den USA ist zum Beispiel Fox Sports Network (FSN) verantwortlich. Die TV-Produktion der Red Bull Air Race World Championship wurde bereits zweimal mit dem Emmy in der Kategorie: „Outstanding Technical Team Remote“ ausgezeichnet.
Die Wiener Produktionsfirma West4Media Filmproduktions GmbH koordiniert die TV-Produktion der Rennserie. Als Dienstleister beteiligt sind zudem Live Motion Concept GmbH (LMC), die Sky Media AG, Ü-Wagen-Betreiber SIVision und Riedel Communications.

LMC unterstützt seit 2005 die Red Bull Air Race World Championship mit virtuellen Graphiken, TV-Analyse und Ultraslowmotion-Wiederholungen. Mit dem selbst entwickelten Highspeed-Kamera-System Antelope, das bis zu 1.500 Bilder in der Sekunde aufnehmen kann, entstehen eindrucksvolle Aufnahmen der rasanten Flugmanöver zwischen den Air-Gates. Sie werden in Echtzeit an den Ü-Wagen übertragen. LMCs Dartfish Analysis-Technologie wird genutzt, um Videos von zwei Flügen aufeinander zu legen und um so die Flugbahnen der Flugzeuge miteinander vergleichen zu können. Es braucht nur wenige Sekunden, um die überblendeten Flugkurven dem Regisseur im Ü-Wagen zur Sendung anzubieten.
Sky Media sorgte mit einem Bölkow BO105-Hubschrauber und einem Cineflex-Kamerasystem für die TV-Bilder aus der Luft.

SIVision

Die TV-Bilder des Red Bull Air Race werden seit seinem Beginn in Budapest (20. August 2004) von Imre Sereg, dem Inhaber und Geschäftsführer von SIVision, in High Definition produziert. Seit zwei Jahren verfügt die Ismaninger Produktionsfirma über einen eigenen HD-Ü-Wagen. Das 40 Tonnen schwere und 16,5 Meter lange Fahrzeug ist unter anderem mit 26 HD-Kameras von Sony (darunter zwei Super Slomo-Kameras), Sony-Monitoren, Sony-Viodeomischpulten und einem Videorouter von Harris ausgestattet. Der Sattelzug mit drei gelenkten Achsen lässt sich auf beiden Seiten verbreitern, ein einfacher und ein doppelter Auszug sorgen insgesamt für eine Breite von 5,60 Metern. Bis zu 20 Arbeitsplätze entstehen so in seinem Inneren, zwei davon befinden sich in der Tonregie. Zentrales Element ist dort ein Lawo mc²66-Tonmischpult. Es verfügt über 56 Fader (24-8-24) und 192 DSP-Kanäle, die Routerkarten über jeweils 8.192 Koppelpunkte. Als Schnittstellen stehen 20 MADI-Ports und 128 AES-Ein- und Ausgänge zur Verfügung. Drei Stageboxen sorgen für die direkte Anbindung der Audiodaten per Glasfaserkabel. „Das ist eine wichtige Voraussetzung für HD, weil man sich eine weitere Verbindung sparen kann“, erklärte Imre Sereg. Produziert wurden mit dem Ü-Wagen alle europäischen Red Bull Air Race Events in Europa. Bei den Produktionen außerhalb Europas setzte Sereg auf portable Produktionseinheiten. Diese sogenannten Flyaways sind mit dem nötigen Broadcast-Equipment ausgestattet und wurden zuletzt von Gearhouse Broadcast bereitgestellt.

Riedel

Eine zentrale Rolle bei der TV-Produktion der Red Bull Air Race World Championship spielt seit nunmehr sieben Jahre Riedel Communications. Der Wuppertaler Hersteller von Intercom, Glasfaser- und Audio-Systemen und einer der weltweit größten Anbieter von Vermiet-Dienstleistungen ist für die gesamte drahtlose und drahtgebundene Kommunikation des Events verantwortlich. Dies beinhaltet die vollständige Signaldistribution der HD-Video- und Audio-Signale sowie der drahtlosen und drahtgebundenen Intercom-Systeme. Darüber hinaus zeichnete Riedel für die Onboard-Flugzeug-Kameras und deren Drahtlos-Video-Verbindungen verantwortlich. Erstmals in dieser Saison waren spezielle HD-Kameras, die Riedel gemeinsam mit Kameraherstellern entwickelt hat, im Einsatz. Eine davon war im Cockpit installiert und zeigte den Piloten und die andere außerhalb am Heck präsentierte Bilder über das Flugzeug hinweg. Die Anforderungen an die technische Infrastruktur der Red Bull Air Race Produktion, zu der auch ein mobiler Flughafen samt Kontrollturm gehört, sind enorm. Die Verteilung von Video-, Audio- und Intercom-Signalen sowie Daten spielt dabei eine ganz besondere Rolle, da sie alle Bereiche des Events direkt betrifft. Seit der Saison 2009 basiert die gesamte Infrastruktur des Red Bull Air Race auf Riedels MediorNet. Hierbei handelt es sich um eine glasfaserbasierte Signaltransportlösung, die Routing und Signalbearbeitung in einem integrierten Netzwerk zusammenfasst.

Die Kommunikations- und Video-Infrastruktur der Air-Race-Produktion musste am Eurospeedway Lausitz ein sehr großes Areal ab-decken. Videosignale wurden an unterschiedlichsten Stellen für diverse Anwendungen wie etwa Rundfunkproduktion, Race Control oder Videowalls benötigt. „Daher ist MediorNets, das sowohl Punkt-zu-Punkt- als auch Multipunkt-Routing erlaubt, für Anwendungen dieser Art prädestiniert. Die Kamera-signale der Produktionsfirma SIVision und der Videowalls ließen sich so komfortabel innerhalb des Events routen“, meinte Nils Quak, Mitarbeiter der Abteilung Marketing & Communication von Riedel Communication.
Der Glasfaser-Backbone des Events in der Lausitz basierte auf 13 MediorNet-Nodes. Sie transportierten alle Intercom-, HD-Video- und Audio-Signale unkomprimiert in Echtzeit. Die Integration der Audio-Signale erfolgte über MADI und Riedels digitales Audionetzwerk RockNet. Dies erlaubte die nahtlose Integration des digitalen DiGiCo SD8 Mischpults, das für den Hauptmix des gesamten Events verantwortlich war. Eine enge Technologiepartnerschaft zwischen DiGiCo und Riedel ermöglichte die reibungslose Zusammenarbeit. Die Kommunikationsinfrastruktur basierte auf einem Riedel Artist Digital Matrix Intercom System mit acht Mainframes, die über einen redundanten Glasfaserring miteinander verbunden waren. Die acht Nodes waren im Air-Race-Kontrollturm, im TV- und Organisations-Compound sowie dem Air-Race-Flughafen verbaut. „Bei Events wie dem Red Bull Air Race, die tagsüber stattfinden, garantieren die speziellen, achtstelligen LED Display-Tasten der Artist 1.000 Sprechstellen selbst bei direkter Sonneneinstrahlung eine ausgezeichnete Lesbarkeit“, erklärte Quak.
Insgesamt kamen 130 RCP-1028 Sprechstellen zum Einsatz. Ein weiterer Vorteil der Artist 1000 Sprechstellen ist die Audio-Übertragung mit Broadcast-Qualität und dedizierte Lautstärke-Einstellungen pro Sprechtaste.

Integriertes System

„Um zuverlässige Kommunikation und sicheren Signaltransport zu garantieren, haben wir ein integriertes System entworfen, das alle Aspekte dieser Weltklasse-Produktion mit einbezieht,“ berichtete Yungmin Lee, Projektmanager bei Riedel Communications. „Wir ermöglichen die Kommunikation von über 650 Menschen, die in die Red Bull Air Race Rennen involviert sind. Sowohl Piloten, Sicherheitsdienst oder auch Schiedsrichter greifen auf das State-of-the-Art-System von Riedel zurück.”

Das Matrix Intercom System war nahtlos mit Riedels digitaler Bündelfunk Installation (TETRA) verbunden. TETRA kombiniert die Vorteile von analogem Bündelfunk mit digitalen Funkgeräten. Projektmanager Lee: „Dies ermöglicht eine optimale Frequenzausnutzung und höchste Übertragungsqualität von Sprache und Daten. Darüber hinaus bietet TETRA maximale Abhörsicherheit sowie ein flexibles Netzwerk- und Verbindungsmanagement. Zusätzlich erlaubt digitaler Bündelfunk Voll-
Duplex-Kommunikation, GPS-Ortung und die Möglichkeit, sich zu regulären Telefonen zu verbinden.“ Über 550 Motorola MTH800 Funkgeräte waren am Lausitzring bei den Red Bull Air Race Rennen im Einsatz.
Um die digitalen Funkgeräte in die drahtgebundene Kommunikationsinfrastruktur einzubinden, wurden zwei Riedel Juggler Interfaces genutzt. Sie erlauben Rufe von jedem beliebigen Teilnehmer, jeder Gruppe oder Konferenz der Artist-Installation zu bis zu 64 individuellen TETRA Funkgruppen und umgekehrt. Zusätzliche analoge Funkgeräte wurden über Riedels universelles Funkinterface RiFace in die drahtgebundene Kommunikation integriert.

Spektakuläre Bilder

Spektakuläre Rennbilder wurden direkt mit 28 Drahtlos-Links aus den Cockpits der Flugzeuge übertragen. On-Board HD-Kameras lieferten packende Bilder aus den Cockpits der Piloten. Um dies zu ermöglichen entwickelte Riedel zusammen mit führenden Kamera- und Objektivherstellern speziell auf diesen Einsatz abgestimmte Kameras und Objektive. Für besonders beeindruckende Bilder sorgte in der Renn-Saison 2010 eine spezielle Fish-Eye-Linse, die einen Blickwinkel von 110 Grad ohne die üblichen Verzerrungen bietet. Ein extra von Riedel entwickelter Transmitter gewährleistete selbst bei extremsten Flugmanövern eine sichere Übertragung der Audio- und Video-Signale. Von Riedels Telemetrie gesteuert wurden zudem vier Kameras am Boden und die Cineplex HD-Kamera am Hubschrauber.

Drahtlose Riedel Best Boy Video-Transmitter versorgten die Videowalls der Veranstalter mit den Bildern des Rennens.
Bei den technischen Installationen der Red Bull Air Race Events in sechs Ländern weltweit spielt der Zeitfaktor eine große Rolle. Er hat direkten Einfluss auf die Produktionskosten. „MediorNets Integration der verschiedenen Signaltypen wie Video, Audio und Daten in ein einziges Netzwerk reduziert Zeit und Aufwand für die Installation signifikant“, meinte Quak. Er wies darauf hin, dass durch die Verwendung von Glasfaser- statt Kupferleitungen und dem damit verbundenen geringeren Kabelgewicht auch die Transportkosten reduziert werden konnten.
„Darüber hinaus verringert der Einsatz von MediorNets softwarebasierter On-board-Signalbearbeitung zusätzliche Transportkosten“, sagte er. In letzter Konsequenz führe dies dazu, dass zusätzliches externes Equipment für Signalbearbeitung und Konvertierung wie etwa Up- und Down-Scaler langfristig überflüssig würden.

Maßgeschneiderte Lösungen

Riedel stellt auch eine umfassende IT Infrastruktur für die Rennen des Red Bull Air Race. Dies beinhaltet Internetzugang, IP-Telefone, Netzwerkinfrastruktur mit Servern und Firewall sowie ein Pressezentrum für Journalisten.
„Dank unser umfangreichen Erfahrung, sind wir in der Lage, für jede Anforderung von Großveranstaltungen die passende Kommunikationslösung zu liefern,“ meinte Lee. „Neben der Qualität und dem Know-how verfügen wir auch über die entsprechenden Stückzahlen für Events dieser Größenordnung. Als eine der weltweit größten Vermieter von Funk- und Intercom-Technologie haben wir die benötigten Mengen auf Lager." Riedel lieferte insgesamt sechs Container mit etwa elf Tonnen Equipment für die Rennen der Red Bull Air Race World Championship. Außerdem waren jeweils 20 Riedel-Mitarbeiter vor Ort im Einsatz.

Im kommenden Jahr werden die TV-Dienstleister jedoch auf ihr aufwändiges Engagement bei den Flugzeugrennen verzichten müssen. Der Veranstalter, die Red Bull Air Race GmbH, hatte bereits im Juli für das Jahr 2011 eine einjährige Auszeit der Red Bull Air Race World Championship angekündigt, um, so eine entsprechende Mitteilung, „den weiteren Erfolg sowie die Entwicklung des Sports garantieren zu können“. Die Organisation will nach eigenen Angaben die Pause nutzen, um bereits in Planung befindliche technologische Entwicklungen zu beschleunigen und damit eine weitere Verbesserung des bereits hohen Sicherheitsstandards zu erreichen.

Darüber hinaus ermögliche die strategische Pause, so heißt es, sowohl die Organisation, als auch die kommerziellen Bereiche zu prüfen und gegebenenfalls zu verbessern. Dies sei erforderlich, um das gesamte Potential des Sports ausnutzen zu können sowie eine weitere Entwicklung und den Ausbau von Host-City-Partnerschaften und eines langfristigen Rennkalenders sicherzustellen. Die Organisatoren des Red Bull Air Race mussten Mitte Juli das für Budapest geplante Rennen aufgrund von Verzögerungen bei der Erteilung von Genehmigungen absagen. Dabei ist die ungarischen Hauptstadt bereits seit 2004 fester Bestandteil des Rennkalenders der Red Bull Air Race Weltmeisterschaft und uneingeschränkter Zuschauermagnet mit mehr als 600.000 Motorsportfans, die vom Ufer der Donau die spektakulären Rennen verfolgten.

Das diesjährige siebte Rennen war ursprünglich für den 19. und 20. August geplant. Kurz zuvor hatte man auch das Rennen in Lissabon wegen „nicht vorhersehbaren Verzögerungen in Bezug auf das überarbeitete Städte-Abkommen“ absagen müssen.
Die TV-Produktionsdienstleister bedauern die angekündigte einjährige Rennpause. Schließlich bedeutet sie den Verlust eines wichtigen Umsatzgaranten. Eckhard Eckstein
(MB 09/10)

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