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Medienübergreifendes Arbeiten

Die Deutsche Welle (DW) rüstet derzeit ihre Standorte in Bonn und Berlin mit einem hochmodernen, trimedialen Newsroomsystems aus. Als zentrales Element kommt dabei die Newsroom-Software OpenMedia von Dalet a.n.n. zum Einsatz. Thum+Mahr zeichnet als Generalunternehmer für die Installation verantwortlich.

Holger Richardt, Leiter des strategischen Projektmanagements bei der Deutschen Welle (DW), ist bisher zufrieden. Die unter seiner Regie stattfindende Einführung des trimedialen Newsroomsystems an den beiden DW-Standorten in Bonn und Berlin und den Außenstudio Brüssel, Moskau und Washington kommt gut voran. „Insgesamt ist das Projekt bislang sehr positiv verlaufen. Es gibt trotz einer Projektlaufzeit von mehreren Jahren keine nennenswerten Verzögerungen“, sagt er.

Seit Juni 2006 ist man bei der Deutsche Welle nach einer zweijährigen Planungs- und Beschaffungsphase dabei, an den beiden Standorten in Bonn und Berlin mit einem neuen Newsroom-System (NRS) auszurüsten. Als Newsroom bezeichnet die Deutschen Welle den gesamten redaktionellen Bereich der Produktion von Hörfunk, Fernsehen und Online. Die funktionalen Schwerpunkte des Newsroom-Systems liegen dabei in der Informationsbeschaffung (Text, Bild, Ton, Video über multimediale Recherchen) und der Unterstützung der medientypischen Planungs- und Produktionsprozesse. Hierbei sollen die redaktionellen Arbeitsabläufe bei DW-RADIO, DW-TV und DW-WORLD optimal unterstützt werden. „Unter dem Begriff Newsroom-System wird dementsprechend nicht ein System verstanden, sondern mehrere Anwendungen, die sich ergänzen“, erklärt Richardt.
Die Einführung des NRS bei der Deutschen Welle erfolge unter Berücksichtigung der Erfordernisse aus der zeitgleich laufenden Fernsehdigitalisierung, der Planungen zur Ablösung des im Hörfunk verwendeten digitalen Sende- und Produktionssystems und der Weiterentwicklung des Content-Management-Systeme von DW-WORLD.DE.

„Das neue NRS ermöglicht medienübergreifendes Arbeiten. Redaktionelle Mitarbeiter erhalten Zugriff auf alle Materialien aus Text-, Ton- und Bildagenturen sowie ARD-Quellen, aus den internen Archiven sowie aus der gesamten Produktion der Deutschen Welle“, betont Richardt. Angrenzende Systeme für Planung, Produktion, Sendung, Steuerung/Automation (TV), statistische Programmauswertungen und Abrechnungszwecke (Honorare, Lizenzen, Rechte, ILV) sind über Schnittstellen angebunden oder in das System integriert.
„Für uns ist von zentraler Bedeutung, dass wir ein System bekommen, das sowohl medien- als auch standortübergreifend funktioniert und alle unsere Produktionssysteme integriert, und dass wir unsere Arbeitsabläufe dadurch standardisieren können“, betont der Projektleiter der Deutschen Welle. „Medien- und standortübergreifendes Arbeiten heißt, das unsere Redaktionen der drei Medien wirklich eng zusammenarbeiten und sich inhaltlich noch stärker als bisher abstimmen“, erklärt Richardt. Beispielsweise wolle man durch eine gemeinsame Themen- und Terminplanung über das System allen Redaktionen ermöglichen, sich einen genauen Überblick über alle redaktionellen Aktivitäten im Haus zu verschaffen. Zudem will man vorhandene Unterschiede in den Produktionsweisen möglichst minimieren. Davon sollen alle Redaktionen der drei Medien in Zukunft profitieren. Außerdem erwarte man sich durch den Einsatz von OpenMedia eine technische und arbeitsorganisatorische Unterstützung bei der Umsetzung der geplanten Umstrukturierung der Redaktionsbereiche. In Kürze sollen trimedial arbeitende Redaktionen multimediale Angebote in unterschiedlichen Formaten erstellen. Die Deutsche Welle wolle damit auch der steigenden Nutzung der On-Demand- und Streaming-Angebote Rechnung tragen.

Die NRS-Technik
Das neue NRS der Deutschen Welle basiert auf dem Client-Serversystem OpenMedia der Firma Dalet a.n.n aus München. An beiden Standorten – Bonn und Berlin – wurde jeweils ein weitgehend identisches System installiert. Das zentrale System besteht aus zwei HP-Clustern mit Proliant-Servern, einem Haupt-Cluster, welches die Datenbank und alle zentralen Dienste beinhaltet, und einem Interface-Cluster, auf dem Schnittstellen und zentrale Zusatzfunktion implementiert sind. Das Betriebssystem ist Windows 2003 in der „Server Enterprise“-Variante mit dem SQL-Server als Datenbanksystem.

Über ein separates LAN werden die Nachrichten-Agenturen, die über Satellit und E-Mail empfangen werden, redundant auf die Server geführt. Die Clients (über 1.000 in den Redaktionen, Studios und Regie) rufen die Information über die Newsroom-Applikation OpenMedia bei den Servern ab. Richardt: „Alle Anwendungen und Systeme, die wir einsetzen, müssen unsere 30 Sprachen unterstützen. Das ist für jeden Softwareanbieter immer eine Herausforderung“.
In Havariefällen stehen zwei Cluster (Haupt- und Interface-Cluster) zur Verfügung, um den Betrieb weiterzuführen. Diese sind identisch zum Live-System aufgebaut. Die Systeme in Bonn und Berlin verfügen über gleiche Strukturen, gleiche Server, gleiche Ausstattung und gleiche Konfiguration. Ausnahme: „Das Berliner System ist um weitere Server ergänzt worden, die wir für die Studio-Automation OpenMedia OnAir brauchen“, erklärt Stefan Mertens, Geschäftsführer von Thum+Mahr. Das Systemhaus ist als Generalunternehmen für die Realisierung des Projektes verantwortlich. Es hatte den Auftrag nach einem aufwändigen Vergabeverfahren nach EU-Richtlinien erhalten.

Mertens: „In Sachen Zuverlässigkeit orientiert sich das DW-Projekt an öffentlich-rechtlichen Maßstäben – mit einer Hochverfügbarkeit von 99,9 Prozent“. Als Speichersystem wird an beiden Standorten ein bereits vorhandenes SAN-System (Storage Area Network) eingesetzt.
Die Kommunikation zwischen Bonn und Berlin wird von der Deutschen Welle über eine Standleitung im ARD-eigenen Netz abgewickelt. Richardt: „Die Kapazität wird gerade den steigenden Anforderungen angepasst und wird dynamisch erweiterbar sein.“

Erste Projektphase
Die erste Projektphase wurde Mitte 2007 abgeschlossen. Sie umfasst auch die flächendeckende Einführung des Newsroom-Systems OpenMedia von Dalet als Ersatz des alten Nachrichtenverteilsystem (NVS) der DW. Zurzeit erfolgen eine sukzessive Schulung der Mitarbeiter und die Umstellung der Redaktions- und Studioarbeitplätze auf OpenMedia. Bis Ende des Jahres läuft OpenMedia noch im Parallelbetrieb zum alten, textbasierten NVS Newswire2000.
„Die Migration auf Open Media erfolgt schrittweise“, erklärt Tobias Olbertz, DW-Projektleiter bei Thum+Mahr. Bislang klappt der OpenMedia-Einsatz gut. „Das System verhält sich seit der Einführung sehr stabil, und unsere Anwender sind bisher sehr zufrieden“, erklärt Richardt. Die Schwierigkeiten, die man bei der Integration einzelnen Komponenten der digitalen Fernsehproduktion und -sendung in OpenMedia eigentlich erwartet hätte, seien ausgeblieben. Richardt führt das unter anderem auf die „große Kooperationsbereitschaft“ von Thum+Mahr zurück. „Teile der hier erfolgenden Integration sind in dieser Form bislang noch von keiner Firma realisiert worden. Thum+Mahr hat sich als Systemintegrator deshalb besonders bewährt und vorbildliche Arbeit abgeliefert“, lobt er.

Angebunden wurden zunächst das Grafiksystem ORAD und das Videomanagementsystem VPMS der Firma S4M. DW-TV setzt VPMS zur Erstellung, Verwaltung, Bearbeitung und Verteilung von digitalem Videomaterial vornehmlich im aktuellen Bereich der Nachrichten ein. Es unterstützt dabei den Workflow von der automatischen Aufnahme von Videos - zum Beispiel Agenturmaterial, das per Satellit überspielt wird - bis hin zur Überwachung der Datenübertragung zum Ausspielserver. Das System ermöglicht es unter anderem, an herkömmlichen PC-Arbeitsplätzen sowohl Metadaten zu erfassen als auch Videos zu sichten. Auch können Fernsehbeiträge direkt am PC-Arbeitsplatz vertont werden. Das ist eine unverzichtbare Funktionalität, da der Sender Beiträge in verschiedenen Sprachen produziert und somit ein starker Bedarf an der mehrfachen Vertonung eines Beitrags besteht. Das System ermöglicht ferner, dass der framegenaue LoRes-Schnitt am PC-Arbeitsplatz automatisch auf das HiRes-Material angewendet wird. So ist es möglich, Hartschnitte und Tonbearbeitung direkt am PC vorzunehmen, ohne den Umweg über einen herkömmlichen NLE-Schnittplatz gehen zu müssen. Auf diese Weise werden die Prozesse deutlich effizienter und kürzer. Richardt: „Wir setzen für den Schnitt von aufwändigeren Produktionen wie Magazinen und Features natürlich auch weiterhin Avid-Schnittplätze ein.
Neben dem Projektmanagement ist Thum+Mahr auch für die Bereitstellung des gesamten physikalischen Unterbaus des Projekts zuständig, einschließlich der Entwicklung aller nötigen Schnittstellen. Auch hierbei gab es laut Olbertz bislang keine Probleme. „Wir haben Standards beschrieben, auf die wir technisch aufsetzen und die auch von anderen Herstellern unterstützt werden. Das sind typische Schnittstellen wie ActiveX, um Komponenten wie Editoren einzubinden, auch die ganze Facette des MOS-Protokolls, um über XML-Streams Daten austauschen zu können. Daneben gibt es weitere Schnittstellen wie das Tripple I-Protokoll zur Ansteuerung von Grafiksystemen.“ Die Schnittstellen werden in der derzeit laufenden zweiten Projektphase zur Anbindung verschiedener Komponenten benötigt.

Weitere Projektphasen
Die zweite Phase soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Bei DW-TV in Berlin geht es jetzt vornehmlich darum, die Studio- und Playout-Automation zu installieren. „Das ist technisch sehr anspruchsvoll. Da werden weitere Systeme der Digitalisierung und der Studiotechnik inklusive des OpenMedia-Systems zusammengefasst“, meint Richardt. „Bisher habe ich den Eindruck, dass Thum+Mahr das gut in den Griff bekommt. Aber natürlich fließt bis zur Abnahme der zweiten Projektphase noch viel Wasser den Rhein herunter.“
Am Standort Bonn ist geplant, ein neues digitales Audioproduktions- und Sendesystem zu integrieren. Zurzeit läuft eine entsprechende europaweite Ausschreibung. Zum Jahresende soll es zu einer Entscheidung kommen. Die Einführung dieses Systems und die Integration in OpenMedia und andere Systeme soll 2009 abgeschlossen werden.
Eckhard Eckstein (MB 09/07)






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