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Mit dem HD-Start spielt der WDR technisch in der ersten Liga

Mit dem HD-Start spielt der WDR technisch in der ersten Liga

Beim Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln werden seit Februar 2010 sämtliche Sportprogramme in der ARD, darunter das Flagschiff „Sportschau Bundesliga“, in HD gesendet. Zum Start der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver hatten die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF offiziell ihre HDTV-Ausstrahlung eingeläutet. Erleichtert wurde der reibungslose HD-Umstieg durch das Enterprise sQ System von Quantel. Es war vom WDR unter anderem wegen seiner erprobten HD-Fähigkeit ausgewählt worden. Beim WDR wird es seit 2005 für die News-, Sport- und Magazinproduktion eingesetzt. Die grundlegenden Arbeitsabläufe haben sich gegenüber der SD-Produktion kaum geändert.

Mit der nativen HD-Produktion einer komplexen Sendung wie der „Sportschau“ nimmt der WDR zweifellos eine Vorreiter-Rolle ein. Allein im Sportbereich werden mit dem Quantel-System, das beim WDR aus sieben sQ Servereinheiten besteht, pro Woche rund 400 Beitragssendeminuten produziert. Für die ARD entstehen damit die „Sportschau“, Live-Events sowie Sportbeiträge für das ARD Morgenmagazin und die „Tagesschau“. Hinzu kommen weitere WDR-Sportsendungen wie die „Bundesliga am Sonntag“ oder „WDR Sport aktuell“. „Die Möglichkeiten, die das sQ-System bietet, haben die „Sportschau Bundesliga“ sehr begünstigt.

Die NIFs (Nachrichten im Film) lassen sich da-mit in letzter Sekunde produzieren.“, erklärt Wolfgang Piron, Projektkoodinator beim WDR. Die digitale Produktionsplattform ermöglicht es, laufende Spiele während der Sendung aufzuzeichnen, zu schneiden und sofort auszustrahlen. Neben der hohen Geschwindigkeit ist ein weiterer Vorteil dieser servergestützten Produktionslösung, dass eine Vielfalt an Material gleichzeitig verfügbar ist. „Die Leistungsfähigkeit dieses Systems wurde bei der Realisierung der 'Bundesliga am Sonntag' miteinbezogen“, erläutert Stefan Hecker, Fachkoordinator für vernetzte Produktionssysteme und Produktion beim WDR.

Integrierte Produktionsplattform

Die vielfältigen Anforderungen bei der Sportberichterstattung haben eine entscheidende Rolle bei der Auswahl der integrierten Produktionsplattform gespielt. „Die Option auf eine HD-Umstellung war für uns ausschlaggebend“, betont Piron. Im Vorfeld der Entscheidung hatte eine WDR-Arbeitsgruppe die bereits in HD genutzte Quantel-Installation bei dem US-Sportsender ESPN als Referenz geprüft. „Dies war eine der Grundlagen für die Entscheidung“, verrät Piron. „Im Sportbereich kam es darauf an, eine robuste Lösung zu finden, mit der wir sicher die Fußball-WM 2006 produzieren können“, unterstreicht der Systemkoordinator Uwe Niepelt.

Das System musste viele parallele Schnittaktivitäten sowie eine schnelle Verarbeitung des Materials für den News- und Sportbereich ermöglichen. Eine der Standardanforderungen war eine kurze „Time to Air“. „Die Möglichkeit, Material mit sehr kurzem Zeitverzug zu schneiden und zu senden, während es noch einläuft, war 2005 ein Alleinstellungsmerkmal des Quantel-Systems“, berichtet der Projektkoordinator. Zu den weiteren technischen Anforderungen an diese Installation gehörten die schnelle Verfügbarkeit des einlaufenden Materials sowohl in HighRes als auch in LowRes sowie die Möglichkeit des redaktionellen Vorschnitts und der redaktionellen Abnahme in LowRes.

Großer Benefit für die Redaktion

„Wir haben das Großereignis WM äußerst zufriedenstellend damit produziert“, versichert der Systemkoordinator. „Zur WM wurde ein LowRes-Client eingeführt, der das Sichten von Beiträgen ermöglicht. Das war ein großer Benefit für die Redaktion.“ Darüber hinaus wurde über eine Namensgebung der Clip-Arten und -Typen sowie einen definierten Workflow auch eine Beitragskontrolle erreicht. „Wir haben die Kürzel gemeinsam entwickelt“, sagt Hecker „und uns bei den Unterscheidungskriterien an Erfahrungen bei PHOENIX orientiert.“ Bei der Produktion und Sendung des aktuellen Materials des Nachrichten- und Dokumentationskanals arbeitet der WDR bereits seit 1997 mit Quantel-Produkten.

Ebenso wurde Quantel als Produktionsplattform für die vernetzte Produktion des ARD Morgenmagazins ausgewählt und wird dort in Verbindung mit dem Redaktionssystem OpenMedia und den Automations-, Contentmanagement- und Workflow-Komponenten der Firma Omnibus eingesetzt. Die Quantel-Anwendungen beim Sport und beim Morgenmagazin sind separate Systeme, die über eine Schnittstelle miteinander verbunden sind, so dass Material ausgewählt und übertragen werden kann. „Wir haben in der Redaktion eine Sichtmöglichkeit eingeführt“, erläutert Niepelt. „Das Sichten ist auf dem jeweiligen System möglich.“

Zu diesem Zweck wurde beim Morgenmagazin ein Client installiert, welcher der Redaktion Zugriff auf das Sport-Produktionssystem gewährt. Beim Morgenmagazin erfolgt die LowRes-Sichtung mit 1,5 MBit/s in MPEG-1, beim News- und Sportsystem mit 1,5 MBit/s in MPEG-4. Darüber hinaus bestand die Anforderung für den Materialaustausch zwischen beiden Systemen. Hier vermittelte die Firma Quantel mit QUICTools von der Firma Radioware im Jahr 2009 die passende Lösung.

Gut für den Mischbetrieb geeignet

Den Startschuss, ab Februar 2010 alle Sport-Programme in HD auszustrahlen, hat die ARD mit der Festlegung auf den allgemeinen HD-Sendestart gegeben. Daraus resultierte die Anforderung, SD und HD im Mischbetrieb parallel produzieren und schneiden zu können. „Zum Zeitpunkt der Umstellung 2009 war Enterprise sQ eines der wenigen komplett bandlos arbeitenden Systeme, das einen Mischbetrieb ermöglicht hat“, sagt Hecker. Gesendet wurde zunächst weiterhin in SD. Die Signale wurden erst sukzessive auf HD umgestellt. „Wir besaßen schon vor dem Sendestart in HD viel Produktionserfahrung“, versichert der Fachkoordinator für die verschiedenen Produktionsabteilungen beim WDR.

„Vor der offiziellen HD-Umstellung hatten wir nur eine teilweise Signalzuführung in HD. Dennoch wurden die Beiträge in HD produziert und in SD gesendet.“ Zu den größten Herausforderungen gehörten dabei die gemischten Timelines. „Durch den Mischbetrieb musste der Cutter genau darauf achten, wo das Material herkommt und ob es in SD oder HD ausgegeben werden soll.“

Bei der Produktion in HD fällt die doppelte Datenmenge an. „Bei den Rechenzeiten ist es sogar weit mehr als das Doppelte, weil dabei auch die Pixel-Anzahl des Bildes entscheidend ist. Hinzu kommt, dass AVC-I 100 ein sehr rechenintensiver Codec ist“, erläutert Hecker. „Da Quantel die Vorteile des Systems nur mit einem I-Frame only Format sinnvoll realisieren kann, mussten wir, abweichend von unserem HD Mainstreamformat XD-CAM-HD, auf AVC-I umsteigen“, ergänzt der Projektkoordinator.

„Da die 50MBit/s Variante in Tests als nicht ausreichend bewertet wurde, hat sich der WDR für die 100 MBit/s entscheiden müssen. Dies führt gegenüber SD zu einer Erhöhung der Datenrate und der erforderlichen Bandbreite um den Faktor 2.“ Um die größere Datenmenge verarbeiten zu können, wurde das System um eine Zusatzkarte für sQ Edit plus erweitert, die zusätzliche Renderarbeiten übernimmt.
Ein Produktionssystem sei jedoch nie komplett fertig gestellt. „Es ist soweit ins gesamte Unternehmen integriert“, weiß der Projektkoordinator, „dass es komplett mitwächst.“

Beim WDR besteht das im Sportbereich eingesetzte Enterprise sQ-System aus vier sQ-Servern für Ingest und Produktion und drei Playout-Servern, die den Studios zugeordnet sind. „Mit der Aufrüstung auf HD brauchte der WDR ein Studio, das HD ohne Konvertierung senden kann“, erklärt Niepelt. Mit der Erneuerung der Regie Studio B wurde die Grundvoraussetzung für die Arbeitsweise in HD- und Mehrkanalton geschaffen. Die den Studios B, C und E zugeordneten drei Playout-Server verfügen über eine Speicherkapazität von je 130 Stunden SD oder 70 Stunden HD. Auf diese Server kann im Studio auch direkt aufgezeichnet werden. Der sogenannte Production-Server, auf dem bearbeitete, noch nicht sendefertige Beiträge gespeichert werden, besitzt eine SD-Kapazität von 540 Stunden oder eine HD-Kapazität von 280 Stunden bzw. eine beliebige Kombination von beidem.

Haupteinsatz in der Sportproduktion

Das sQ-System ist beim WDR für die Bundesliga angeschafft worden, wird aber auch für die Produktion von Nachrichten und Magazinen eingesetzt. An das Produktionssystem sind 78 sQ-View und sQ-ViewX sowie ein sQ-Cut, angeschlossen. Hinzu kommen zehn sQ-Edit plus und zwei eQ-Systeme für die professionellen Cutter. Zwei dieser Schnittplätze werden nur für die „Tagesschau“ und „Brennpunkte“ verwendet.
Von Freitag bis Sonntag wird das Quantel-System überwiegend für die Sportproduktion eingesetzt, mit der die stärkste Auslastung verbunden ist. Von Montags bis Donnerstags wird die Produktionsplattform vor allem für Magazine genutzt. Insgesamt können auf der Produktionsplattform 810 Stunden Rohmaterial in SD oder 420 Stunden in HD produziert werden. Das SD-Material wird in MPEG IMX (D10) und das HD-Material in AVC-I 100 gespeichert.

Für die Sportproduktion am Samstag steht der Redaktion beim WDR ein spezieller Dispatcher-Raum zur Verfügung, in dem die einlaufenden Spiele geloggt werden, um im aufgezeichnetem Quellmaterial die Highlights zu markieren. Dabei werden die Clips am sQ View geöffnet, die entsprechenden Stellen farbig markiert und mit Schlagworten wie „Tor“, „Aus“ oder „Abseits“ und einem kurzen Kommentar versehen. „Die Metadaten werden in das Quantel-System eingegeben, so dass sie nicht nur aktuell für den Highlight-Schnitt verwendet werden können, sondern auch in das Archivsystem übernommen werden können.“, sagt Hecker. Der Im Quantel-System integrierte Cache-Mechanismus genügte den WDR Anforderungen nicht. „Da wir aufgrund unserer Arbeitsweise bis zu neun unterschiedliche Leitungen über das System live sichten und loggen, mussten noch weitere Detailverbesserungen im System vorgenommen werden“, erläutert Niepelt.

Durch die News- und Sportproduktion ist das Quantel-System beim WDR sehr unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt. Im Sportbereich wird beispielsweise einkomplettes Spiel aufgezeichnet, daraus ein bis zu 15 Minuten langer Beitrag geschnitten, auf dem Playout-Server gespiegelt und vom Playout-Server 15 Minuten lang ausgespielt. Im Aktuellen läuft hingegen eine kurze Überspielung ein, aus der ein 1'30“-Beitrag generiert und ausgespielt wird. „Das sind ganz unterschiedliche Produktionsanforderungen, die wir alle abdecken“, betont der Systemkoodinator.

OpenMedia-Redaktionssystem

Bei der Aufzeichnung und Ausspielung verfügt das Quantel-System über keine weitergehende Automation, sondern verwendet die Quantel-eigenen Tools sQ Record und sQ Play. Im Zuge der derzeitigen Integration der Quantel-Lösung mit dem Redaktionssystem OpenMedia wird eine komfortablere Aufzeichnungs- und Wiedergabesteuerung angestrebt. „Das gibt uns die Möglichkeit, die Rundowns ins Playout laden zu können und rückwärts eine Verbindung der Rundowns zu dem OpenMedia-Sendeplan zu bekommen, so dass alle für eine Sendung erforderlichen Uhren mit gesteuert werden können“, kalkuliert Piron.“ Damit wird der Zustand der Sendung für die Kollegen an den OpenMedia-Arbeitsplätzen transparenter, hieraus lässt sich auch erkennen welcher Beitrag beispielsweise bereits vorliegt.“

Im News und Sportbereich ist beim WDR die Quantel-Software 4.2 im Einsatz, die dank der Multilayer Timeline den Schnitt von effektlastigen Produktionen im Sportbereich sehr erleichtert. „Bisher war es bei der Produktion von Effekten erforderlich, zwischen der Timeline und dem Modul Q Effects hin- und her zu wechseln, so dass sich die Änderung von fertigen Effekten als sehr aufwändig erwies“, sagt Hecker. Mit der Multilayer Timeline ist es jetzt möglich, Effekte in Layern zu produzieren und somit zu trimmen oder das Material auszutauschen. „Das User Interface der Editing-Systeme hat sich enorm weiterentwickelt“, konstatiert der Projektkoordinator.

Nutzung durch Online-Redaktion

Auf das Material im serverbasierten Produktionssystem hat auch die Online-Redaktion „Sportschau.de“ direkten Zugriff. Die Producer stellen Material auf dem Quantel-System zusammen. Für die Bearbeitung stehen ihnen sQviews und im Multimedia-Raum ein sQEdit zur Verfügung. Da der WDR keine Internet-Rechte an den Bundesliga-Spielbildern besitzt, müssen die Fußballsequenzen für den Online-Auftritt aus den Beiträgen herausgeschnitten werden. Die bearbeiteten Online-Beiträge werden auf dem Server abgelegt. „Über die Eingabe eines Metadatums in das System wird automatisch der Export durch QUICTools angestoßen“, führt Hecker aus. „Die Videos werden automatisch in drei WEB-Formate transkodiert, per FTP auf unserem Webserver abgelegt und verlinkt in die Seite eingebaut.“

Dank der Umrüstung auf HD spielt der WDR im Fernsehbereich technisch jetzt in der ersten Liga „Für den Zuschauer ist das qualitativ ein großer Sprung“, resümiert Piron. „Trotz der Kompression der Signale über die Übertragungsstrecke ist das bei der guten Ausgangsqualität und der sehr hohen Qualität der Kompressionsverfahren, die dafür benutzt werden, mit weniger Artefakten versehen als eine SD-Produktion.“ Auch die Artefakte in HD seien feiner und werden nicht mehr so wahrgenommen wie in SD.
„Für den Zuschauer ist es ein deutlicher Qualitätsgewinn, wenn er natives HD empfängt, das an der Quelle aufgenommen worden ist.“ Ab Mai 2012 wird der WDR auch sein Drittes Programm in HD ausstrahlen.
Birgit Heidsiek
(MB 07/08_11)

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