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Remote TV Production bei der Formel 1

Remote TV Production bei der Formel 1

Bereits seit 25 Jahren überträgt RTL in Deutschland die Formel 1-Rennen. In diesem Jahr setzt man bei der TV-Produktion erstmals auf Remote Production. Ziel ist es, die Logistikkosten zu reduzieren und gleichzeitig die Produktionsqualität zu erhöhen. Unterstützt wird RTL dabei von Lawo.

Eine wichtige Änderung bei der F1-Produktion von RTL ist die, dass die Produktionsregie im Sendezentrum von CBC in Köln durchgeführt wird und nicht mehr als mobile Anlage an der Rennstrecke zu finden ist. Um die zur Verfügung stehende Übertragungsbandbreite effizient zu nutzen, wird dazu der Codec H.264 verwendet.

"Die Idee der Remote-Produktion ist nicht wirklich neu für uns. Aufgrund der enormen Logistikaufwendungen, die mit einer Formel-1-Saison einhergehen, gab es schon immer Bemühungen, möglichst wenig Equipment vor Ort zu haben. Live-Grafiken wurden schon immer während der Übertragung aus Köln hinzugefügt - auf Ansage der Regie vor Ort“, so CBC-Produktionsingenieur Fritz Behringer. "Seit Kurzem sind aber die infrastrukturellen Voraussetzungen gegeben, um mehr Teile einer Remote-Produktion umzusetzen. Die Locations können nunmehr ökonomisch per direktionalen Leitungsverbindungen redundant an CBC angebunden werden.“

Über ein MPLS-Netzwerk (Multiprotocol Label Switching), das die Formel-1-Strecke mit CBC in Köln verbindet, werden alle Livesignale für Audio und Video übertragen und stehen in der Regie in Köln zur Verfügung. Dazu kommt eine aus Köln ferngesteuerte Lawo Nova17-Routing- und DSP-Engine sowie ein Remote Lawo IFB-Mixer zusammen mit einem Riedel Intercom-System zum Einsatz.

Parallel zu den Video/Audio-Streams laufen Filetransfers für die Postproduktion ebenfalls über das MPLS-Netzwerk. Zur Produktion der begleitenden Berichterstattung und der Live-Rennen stehen eine Touchscreen-Fernbedienungseinheit für den IFB-Mixer sowie ein Lawo mc² Audiomischpult in der CBC-Produktionsregie zur Verfügung. „On location“ unterstützt ein Video-Server mit Replay-Wiedergabemöglichkeit die Produktion.

„Hauptaufgabe war es, eine angemessene Leitungsanbindung zu schaffen, um alle relevanten Live-Signale inklusive ENG-Filmmaterial nach Köln zu übermitteln. Dabei war es wichtig, die Performance und die Qualität mindestens auf demselben Niveau wie zuvor zu halten“, erklärt Fritz Behringer. „Die zweite große Herausforderung war die Bewältigung von Signalverzögerungen, verursacht durch Distanzen und Codec-Latenzen.“ Um zu prüfen, ob das Konzept für Remote Production funktioniert, veranstaltete RTL in einem ersten Schritt eine Testübertragung unter realen Bedingungen, bei der tatsächlich alle Signale einmal um den Globus geschickt und sämtliche Abläufe mit allen Beteiligten durchgespielt wurden. Es galt sicherzustellen, dass trotz der räumlichen Distanzen die Interaktion zwischen Regie und Kameras sowie zwischen den Protagonisten untereinander verzögerungsfrei funktioniert. Zwei Monate vor dem ersten Rennen wurde dann das Equipment in der Kölner _wige-Zentrale, dem produktionstechnischen „Vor Ort“-Partner von RTL und CBC, aufgebaut. Diese Generalprobe umfasste auch die Glasfaserverbindung zu den Regien bei CBC.

Ein wesentlicher Baustein war das Setup des Remote-Production Low-Latency IFB-Mixers, aufgesetzt auf einen Nova17-Router und bedient über zwei VisTool-Panels – einer vor Ort für Aufbau und Tests und ein zweiter für den Toningenieur in Köln für EQ, Dynamics, Dimming und weiteres Processing. Für den Fall, dass das MPLS-Netzwerk ausfallen sollte, bietet das VisTool Zugriff auf Touch-Fader für ein einfaches Abmischen im Notfall.

Im Normalfall wird die Nova17 über ein mc²90-Mischpult in der Tonregie in Köln ferngesteuert, wobei virtuelle GPIs über das Netzwerk an die Rennstrecke geschickt werden. Das Setup bietet eine perfekte Low-Latency-Tonmischung für Moderator, Reporter und Interviewpartner in der Boxengasse oder dem Fahrerlager plus zwei Kommentatoren. Ein VSM-System (Virtual Studio Manager) vor Ort steuert das gesamte Routing der lokalen SDI-Router, die Nova17 sowie die Lawo V__pro8, die für Video- und Audio-Processing eingesetzt wird.

Der neue Produktionsbetrieb ging mit dem ersten Rennen der Saison auf der Albert-Park-Rennstrecke in Melbourne live auf Sendung. Seitdem reiste das Equipment mit dem Rennzirkus durch den Nahen Osten, China, Russland, Europa und Nordamerika – und das Setup erwies sich durchweg als leistungsfähig und zuverlässig.

"Wir haben uns neben der reinen Signalübertragung auf die Funktionalität des Equipments und vor allem auf die Workflows konzentriert. Jeder im Team sollte bereits vor dem ersten Event eine klare Vorstellung davon haben, wie sich das veränderte Produktionssetup anfühlt. Insbesondere bei der Kommunikation zwischen Venue und Kölner Produktionszentrale“, ergänzt Fritz Behringer.

„Die Formel-1-Anwendung beweist sehr gut die Fähigkeit von Lawo-Systemen, Signale über IP und mittels einfacher Steuerung auszutauschen und dadurch dem Kunden eine integrierte Lösung zu bieten. Für die Reporter vor der Kamera ändert sich nichts in ihrer Arbeit – sie haben keinerlei Änderungen infolge des Remote Production Workflows wahrgenommen. Alle Talkback- und Kommando-Mixes standen denen einer herkömmlichen Produktion mit Ü-Wagen oder Container-Regien in nichts nach", resümiert Felix Krückels, Director of Business Development bei Lawo. (7/16)

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