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Schlanke Technik für mehr Content

Schlanke Technik für mehr Content

Deutsches Sportfernsehen Seit Anfang des Jahres setzt das Deutsche Sportfernsehen DSF in Ismaning bei München als erster TV-Sender in Deutschland einen Slate-Mischer von Broadcast Pix ein. Er bildet das Herzstück eines neuen Selbstfahrer-Nachrichtenstudios direkt im DSF-Redaktionsbereich. Manfred Eisele, Bereichleiter Herstellung des Sportsenders ist mit den damit bislang gemachten Erfahrungen zufrieden.

Seit Anfang des Jahres produziert das Deutsche Sportfernsehen DSF drei Mal wöchentlich um 22.45 Uhr eine 15-minütige Live-News-Sendung. Speziell dafür wurde ein kleines Nachrichtenstudio direkt in den Redaktionsräumen eingerichtet. Das ist eher ungewöhnlich. Normalerweise nutzt das DSF Produktionskapazitäten und ein großes Studio von Plazamedia. Der Produktionsdienstleister ist wie das DSF auf dem ehemaligen AGROB-Firmengelände in Ismaning bei München angesiedelt. Beide Firmen gehören zur EM.Sport Media AG.

„Unser kleines News-Studio ist quasi eine Art ausgelagerte Produktionseinheit“ sagt Manfred Eisele, Bereichleiter Herstellung beim DSF. Man habe ganz bewusst die Sendung nicht bei Plazamedia produzieren lassen. Dafür gab es zwei wesentliche Gründe. „Wir wollten die News-Sendung in der Redaktion haben, weil das einfach authentischer ist. Viele Nachrichtensender machen das ähnlich. Damit wollen wir vermitteln, mitten drin im Nachrichtengeschäft zu sein“, sagt Eisele. Außerdem habe man auch testen wollen, inwieweit sich eine Studio-Produktion kosteneffektiver aufbauen lasse.

„Unser Studio im Sendezentrum der Plazamedia ist mit 400 qm Studiofläche und der angeschlossenen klassischen TV-Regie entsprechend aufwendig ausgestattet. Eine Reduzierung des Operating-Aufwandes ist dort limitiert, weil man verschiedene Funktionen in der Regie einfach abbilden, beziehungsweise getrennt fahren muß. Es gibt dort eine eigene Ton- und Bildregie ebenso wie eine eigene Bildtechnik. Hier muß von der Bedienseite viel Aufwand getrieben werden. Man braucht immer ein Mindest Set-up im Operating-Bereich, um eine Sendung überhaupt fahren zu können“, erklärt Eisele.
Für eine 15-Minuten News-Sendung sei das nicht mehr rentabel.
Das DSF suchte deshalb nach einem kleineren technischen Setup, das sich auf zwei Bediener begrenzen lässt. Drei Systeme für ein Selbstfahrerstudio standen dafür zunächst zur Auswahl. Das DSF entschied sich nach ausgiebiger Prüfung für das Slate 2100-System des US-amerikanischen Herstellers Broadcast Pix. Bei der Slate-Produktreihe handelt es sich um einfach zu bedienende Videomischer, die mit einer Vielzahl zusätzlicher Features für den Studiobetrieb ausgestattet sind.

Umfangreiche Optionen

Slate-Systeme bieten einen Mischer mit klassischer AB (Preview/Program) Architektur und drei bis sechs Keyern. Jeder Keyer unterstützt dabei einen eigenen DVE. Weiterhin können nahezu beliebig viele Grafiken und Animationen durch integrierten Stillstore geladen werden. Slates werden zudem standardmäßig mit einem Inscriber Schriftgenerator geliefert, der auch online zahlreiche kreative Möglichkeiten bietet. Mit dem integrierten Multiviewer können alle Quellen als Videosignal und VU Meter, sowie Timer, Logos aber auch Clips, Schriften, Grafiken, Logos, usw. angezeigt werden.

Mit der integrierten Schnittstelle zur Kamerasteuerung können Kamerapositionen abgespeichert und auf Knopfdruck ausgeführt werden. Auch programmierte Schwenks sind daher kein Problem.
Jede Funktion die an dem Mischer Bedienteil ausgeführt wird, kann gespeichert werden. Somit können komplette Arbeitsschritte abgerufen werden für einen automatisierten Programmablauf. Mit CG Connect wird ein XML Dateninterface geboten. Hierüber können externe Daten eingespielt werden, um z. B. in einem Rolltitel Börsen-, Wetter-, oder Preisinformationen darstellen zu können. Weiterhin sind Frame Synchronizer ebenso Teil des Systems wie Aspect Control für die einfache Mischung von 4:3- und 16:9-Quellen.
Slate-Mischer werden heute unter anderem für Live-Produktion in den Bereichen Broadcast, Corporate Business, Entertainment und Events eingesetzt.
Bei der Installation des neuen Studios kooperierte das DSF mit den Systemhäusern Videocation und CAM in Köln. CAM war Broadcast Pix-Vertriebspartner in Deutschland bevor Studio Hamburg MCI diesen Job übernahm.
„CAM hat das Broadcast Pix-System hier aufgebaut und die Operator geschult. Wir waren mit der Firma sehr zufrieden. Innerhalb von nur sechs Wochen ab Bestellung stand das Ding und wir waren auf Sendung. Das war enorm schnell und wir sind von CAM da bestens bedient worden“, betont Eisele. „Wir hatten viel Vertrauen zu der Firma, weil sie schon für andere Unternehmen ähnliche Systeme aufgebaut hatte, wenn auch noch nicht für den News-Betrieb eines TV-Senders, sondern nur für Call Media-Anwendungen. Wir sind quasi der erste Sender der überhaupt eine Nachrichtensendung damit fährt.“

Nur zwei Bediener

Eisele ist jedoch nicht nur mit der Systeminstallation zufrieden, sondern auch mit der Performance des Systems. Das DSF ist nun der in Lage, mit nur zwei Bedienern die späten Live-News-Sendungen zu fahren, mit einem Moderator und einem Redakteur. Letzterer arbeitet in Multifunktion als Ablaufredakteur beziehungsweise Regisseur der Sendung und kümmert sich dabei um Bildschnitt und Ton. Der Moderator wiederum betreut die Zuspielung des Servers und die Grafikeinblendungen.

Am Slate-Pult des Sportsenders können bis zu acht Quellen angeschlossen werden. Das DSF arbeitet im Studio mit zwei Remote HDV-Kameras BRC700 von Sony, die direkt aus dem Slate heraus steuerbar sind. „In unserem neuen News-Format agieren wir aber mit festen Einstellungen, die wir vorher programmieren. Die Kameraeinstellungen lassen sich zwar auch während der Sendung über die Presets per Knopfdruck ändern, aber das machen wir nicht. Für unsere Sendung reicht es, wenn man zwischen den beiden Kameras hin- und herschalten kann“, sagt Eisele.
Als Zuspieler nutzt das DSF den Server MPL-EP-B von Masterplay, der die unterschiedlichen Elemente der Sendung beherbergt. Dazu gehören insbesondere die digitalen Files, die zuvor von den DSF-VJs auf nonlinearen Schnittsystemen erstellt wurden. Die DSF VJs arbeiten mit hochwertigen HP-Laptops und AVID Liquid-Schnittsystemen, Sony HVR V1E DV-Kameras mit Zubehör, Stative, Mikrofone etc.

Beim DSF sind mittlerweile 30 entsprechende VJ-Units im Einsatz.
„Wir haben Avid Liquid als Schnittsystem genommen, weil die Redakteure damit am besten klar gekommen sind. Die hätten auch AVID Xpress oder Apple Final Cut Pro haben können“, erklärt Eisele. „Das Fatale ist nur, dass Avid dieses System eher stiefmütterlich behandelt – was uns nicht freut.“
Beim DSF sei man mit Liquid jedenfalls recht zufrieden. „Das System bietet im Prinzip auch einige Leistungsvorteile, unter anderem im Handling der Fileformate. Wir konnten Liquid besser in unseren Workflow mit der Plazamedia einbinden als Xpress und das bei einem deutlich günstigeren Lizenz-Preis.“

Festhalten am Ablaufplan

Die von den VJs zugespielten Beiträge werden im Server zur Ausspielung bereit gehalten. Während der Sendung wird am Ablaufplan nichts mehr geändert. „Man könnte natürlich variieren. Das wird aber nicht gemacht, um ein gewisses Mass an Sicherheit zu haben. Wir fahren die Sendung so komplex, da ist es besser, nicht viel zu ändern“, erklärt Eisele. Das sei letztlich auch eine der Limitationen von kleinen Selbstfahrerstudios. „Die Flexibilität im großen Studio ist allein schon durch die Anzahl der Operator gegeben, die nebenbei noch irgendwelche Jobs und Änderungen machen können. Das ist hier aber nicht so“, sagt er.

Im Audio-Bereich setzt das DSF auf das Midi-einstellbare Mischpult 01V96 V2 von Yamaha, das sich ebenfalls über das Slate-Panel steuern läßt.
Als wichtigen Vorteil des Slate-Systems von Broadcast Pix bewertet Eisele die Möglichkeit, das Pult über ein großes Touch-Panel sowohl grafisch als auch über ein normales Regie-Panel klassisch steuern zu können. „Jemand, der schon mal Mischer bedient hat, kann da also relativ leicht einsteigen. Slate bietet wirklich breite Bedienoptionen und man ist relativ flexibel in der Anbindung von Quellen. Slate nimmt alles. Es mangelt mir eigentlich an nichts“, lobt Eisele. Er schränkt jedoch auch ein, dass das Einsatzgebiet des Mischers grundsätzlich auf 15 bis 30 Minuten-Sendung begrenzt sei. „Wenn die Sendungsteile zunehmen, wird es eng und die Flexibilität geht verloren. Man muß dann relativ strikt die Sendung durchfahren. Schnelle, große Änderungen wie in der klassischen Regie sind hier nicht unbedingt zu empfehlen“, sagt er.
Die in Slate integrierten Applikationen wie Schriftgenerator und Grafik werden beim DSF komplett genutzt. „Wir machen wirklich alles aus diesen System. Es gibt in dem News-Studio keine Hilfsysteme von Dritten, die wir dazu nehmen“, betont der DSF-Herstellungsleiter.
Genutzt wird das kleine Studio auch, um Zuspieler für andere Sendungen zu machen. „Wir können die hier aufnehmen, auf den Server legen und dann über unsere Glasfaseranbindung rüber geben an die Sendeabwicklung bei der Plazamedia“, sagt Eisele.

Neben- und Schaltstudio

Plazamedia wiederum kann das Studio auch remote nutzen, zum Beispiel als Nebenstudio oder als Schaltstudio. Das geschieht unter anderem bei so genannten Experten-Schalten. Dafür hat das DSF bundesweit Sport-Experten via DSL und Videokonferenz-Systemen angebunden.
Integrationspartner hierbei ist die Firma AVN. Eisele: „Wir sind damit in der Lage, unter anderem die Chefredakteure von Kicker oder Bild direkt von ihrem Schreibtisch aus als Experten zuzuschalten und die Kameras dort auf dem Desktop von unserem System aus remote einzurichten. Das machen wir sowohl für unsere Sendungen, die bei Plazamedia im großen Studio laufen als auch für die hier im kleinen Studio. Da sind wir sehr flexibel. Wenn wir in der Redaktion externe Stimme brauchen, gehen wir einfach in den News-Raum, rufen den gewünschten Gesprächspartner an, zeichnen das Video-Gespräch auf, schicken es in die Sendeabwicklung oder senden es gleich live. Das entspricht unsere Zielrichtung, mit schlanker Technik mehr Content abzubilden.“

Auch die DSF-VJs, die bei Sportevents vor Ort arbeiten, können ihre Berichte oder Live-Reports via DSL direkt zum sender nach Ismaning schicken.
Das DSF hat in seinem kleinen News-Studio (20qm Studio + 20qm Regie) bislang rund Sendungen gefahren. „Die Erfahrungen dabei waren ganz gut. Wir haben unser selbst gestecktes Ziel erreicht, auf einem neuen technischen Niveau mit geringerem Aufwand und geringeren Kosten zu produzieren“, erklärt der DSF-Herstellungsleiter. Nun denke man darüber nach, ähnliche technische Setups auch bei den Call Media-Formaten des Senders zum Einsatz zu bringen. „Das bietet sich quasi an, weil dort der Aufwand im Operating in der Regie ebenfalls eher gering ist. Auch dort wollen wir effektiver arbeiten“, sagt Eisele.
Der Einsatz von Selbstfahrerstudios mache insbesondere dann Sinn, wenn der Anteil der selbst produzierten Stück an einer Sendung sehr groß sei. Eisele: „Wenn unsere Redakteure als VJs rausgehen, selber filmen und Berichte schneiden, dann ist es effektiver, wenn wir auch die Sendung selber fahren. Wir können sie dann besser auf unsere Bedürfnisse hin konfektionieren. Da kann uns ein Dienstleister relativ wenig helfen, zumal wir auch selbst technische Kompetenz im Haus haben.“
Eckhard Eckstein (MB 06/08)






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