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Schnell und möglichst flexibel

Schnell und möglichst flexibel

Am 15. Dezember 2012 veranstaltet Arte einen Stereo3D-Thementag. Ausgestrahlt werden auf Arte HD unter dem Motto „Menschheitsträume“ aktuelle deutsche Produktionen wie „Begegnung im All 3D“. Der 50-minütige Stereo3D-Dokumentarfilm wurde im Auftrag von Arte, ZDF und ZDF Enterprises von Prospect-TV unter der Regie von Jürgen Hansen produziert. Als Kameramann zeichnete Matthias Bolliger verantwortlich. Er arbeitete mit Panasonic 3D-Kompaktkameras und einem Side-by-Side-Rig.

„Begegnung im All 3D“ zeigt die Arbeit des holländischen ESA-Astronauten André Kuipers während seiner gegenwärtigen Mission an Bord der Internationalen Raumstation ISS. Auf der Erde bereitet sich gleichzeitig der junge deutsche Astronaut Alexander Gerst, der aus über 8.000 Kandidaten ausgewählt wurde, auf seine Mission zur ISS im Mai 2014 vor. Über mehrere Monate begleitet das Filmteam seine Trainings bei der ESA, NASA und Roskosmos in Deutschland, Frankreich, den USA und Russland. Gemischt mit Stereo3D-Material aus der Raumstation ergibt sich so ein lebendiges Bild der Vorbereitung einer Mission und dem Leben im Orbit.

Die Dokumentation nimmt den Zuschauer mit zu den mythischen Orten der Raumfahrt. In das Johnson Space Center der NASA nach Houston oder ins „Sternenstädtchen“ bei Moskau, dem legendären Zentrum der sowjetischen und russischen Raumfahrtprogramme. Die Reise der Dokumentarfilmer beginnt allerdings im europäischen Astronautenzentrum (EAC) der ESA (European Space Agency) in Köln-Porz. Weitere Stationen waren Toulouse in Frankreich, von wo aus die ESA ihr selbststeuerndes Versorgungsraumschiff ATV kontrolliert, das Deutsche Raumfahrt-Kontrollzentrum Oberpfaffenhofen bei München und der Beethovensaal in Bonn, in dem die Eröffnungs-sequenz des Films gedreht wurde.

Die Idee zur Realisierung dieses Films war von Anfang an mit der Vorstellung verbunden, dass diese Dokumentation nur in Stereo3D ihre volle Faszination entfalten kann. S3D ermöglicht es, dem Zuschauer die Illusion zu verschaffen, dass er im Geschehen ist, die Ereignisse fast wie in Realität miterlebt. Denn ein Ausflug ins All ist bislang nur wenigen Astronauten, Kosmonauten und einigen Milliardären vergönnt, die es sich leisten können, für 20 Millionen Dollar 10 Tage an Bord der ISS zu verbringen. „Begegnung im All 3D“ ist die weltweit erste Fernseh-Dokumentation mit S3D-Bildern aus der ISS.

Produziert wurde der Film von Prospect TV Production, ein 1996 von Jürgen Hansen und Simone Stripp gegründetes Unternehmen. Als Kameramann für das 3D-Projekt konnten sie Matthias Bolliger gewinnen. Er setzt sich bereits seit 2008 intensiv mit der Stereoskopie und räumlicher Bildgestaltung auseinander und zeichnete bislang unter anderem für stereoskopische Werbe- und Imagefilmproduktionen der Deutschen Telekom und Panasonic (siehe MEDIEN BULLETIN 11/2011) verantwortlich.

Der Dokumentarfilm „Begegnung im All 3D“ besteht aus dem von Bolliger gedrehten Material sowie aus Videobildern aus der ISS, die von der NASA und der ESA selbst stammen. „Innerhalb der Raumstation drehen beide Raumfahrtorganisationen selbst in Stereo3D selber. Das war letztlich auch ein Grund, dass wir entschieden haben, alles andere für den Film auch in 3D zu produzieren“, erklärt Bolliger. Die ESA (European Space Agency) produzierte ihre S3D-Bilder an Bord der ISS mit einer selbst entwickelten 3D-Kamera. Die NASA setzt dabei eine Panasonic AG-3DA1, ein Vorgängermodell der HDC-Z10000, ein. Ein Großteil des Materials auf der ISS-Station wurde vom Astronauten Kuipers gedreht.

Kamera-Auswahl

„Bei der Wahl der von uns eingesetzten 3D-Kameras war der finanzielle und zeitliche Rahmen der Produktion ausschlaggebend. Wir hatten vom ZDF zwar ein gutes 2D-Budget zur Verfügung aber für S3D im großen Umfang hätte das nicht gereicht“, sagt Bolliger. Bei den Dreharbeiten an den oben genannten Orten waren Vorbesichtungen nicht möglich. So galt es für den Kameramann sein Setup möglicht so zu gestalten, dass es schnell und möglichst flexibel einsetzbar war. „Wir konnten die Szenen auch nicht einfach wiederholen lassen und hatten meist – wie bei Dokumentarfilmproduktionen üblich – nur einen Schuß frei“, berichtet Kameramann Bolliger. „Wir mussten deshalb möglichst flexibel und schnell unterwegs sein“. Abgesehen vom Kostenfaktor sei ein Stereo3D-Spiegelrig allein schon deshalb leider nicht in Frage gekommen. Stattdessen setzte Bolliger auf eine Kombination aus 3D-Doppellinsen-Camcordern von Panasonic und einem Side-by-Side-Rig mit zwei synchronisierbaren Kameras. Ein Großteil der Aufnahmen wurde mit Panasonics HDC-Z10000 mit AVCHD-3D-Codec mit 28 Mbit und einer Stereobasis von 42 mm gemacht. Zum Einsatz kam auch die größere 3D-Broadcast-Kamera AG-3DP1 von Panasonic, eine Schulter-Camcorder-Variante mit AVCIntra 100 Mbit (links und rechts) und einer Stereobasis von 60mm. Bei den Kameras auf dem Side-by-Side-Rig handelte es sich um Panasonics 10-Bit-Camcorder HPX-250. „Anforderung hier war, dass sie Genlock- und Timecode-synchronisierbar sind. Das Rig wurde meist für die Totalen eingesetzt“, erklärt Bolliger. Für die 3D-Kompaktcamcorder von Panasonic habe man sich ganz bewusst entschieden – trotz der Nachteile, die die feste interaxiale Stereobasis der Systeme für 3D-Produktionen mit sich brächten.

„Wenn wir wenig Platz hatten und sehr flexibel sein mussten haben wir die Z10000 genutzt, die 3DP1 nur, wenn wir uns mehr Zeit nehmen konnten“, sagt der Kameramann.

Bei Unterwasser-Dreharbeiten im Neutral Buoyancy Laboratory (NBL) in einem riesigen Trainingspool mit 24 Millionen Liter Wasser bei der NASA in Houston filmte der von der NASA akkreditierte UW-Kameramann Peter Kragh mit der Z10000 im Unterwasser-Gehäuse von DammAquaspace aus dem ostdeutschen Wülknitz. In dem Becken ist ein 1:1-Modell der ISS verankert. Hier trainieren die Astronauten in der „Unterwasser-Schwerelosigkeit“ den Ausstieg aus der Raumstation. Interessant war laut Bolliger auch der Dreh in der sogenannten „Cupola“, einem im Johnson Space Center errichteten Nachbau des ISS-Aussichtsturms, von dem aus man die Steuerung eines Roboterarms trainieren kann. Von der Cupola aus blickt man dort auf Leinwände, die von Beamern mit Live-Bildern bespielt werden, die die Aktionen des Roboterarms zeigen. Bolliger: „Die US-Beamer laufen natürlich alle im US-Standard mit 60 Hz. Das hat dazu geführt, dass unsere mit der Z10000 dort eingerichtete erste Einstellung mit 50 Hz wahnsinnig geflackert hat. In der 50 Hz-Welt der Z10000 kann man den Shutter aber nicht einfach auf 1/30 oder 1/60 stellen sondern nur auf 1/25 oder 1/50. Das Problem haben wir gelöst, indem wir die Kamera statt im standardmäßigem 25p- im 24p-Modus gestartet haben. Danach konnten wir den Shutter auch auf 1/60 einstellen.“ Das Side-by-Side-Rig wurde von Bolliger hauptsächlich für Totalen von den Drehorten eingesetzt um möglichst erhöhte Tiefenwirkung zu erzielen. Die HD-SDI-Signale der beiden HPX-250-Kameras wurden dabei in einem Zusatzkästchen, dem StereoBrain von Inition, zusammengeführt. „Das nimmt die HD-SDI-Signale von links und rechts auf und muxt die in ein einzelnes HD-SDI Signal zusammen. Das war die einfachste Lösung, die uns erlaubte, den Abgleich der Kameras und die Einstellung des Tiefeneindrucks auf einem 2D-Monitor zu beurteilen.

Für einen Hubschrauberflug über Houston baute Bolliger das Side-by-Side-Rig für eine größere Interaxiale um, indem er den Abstand der beiden HPX250 von einander auf 35 cm vergrößerte. Damit wollte er einen besseren Tiefeneindruck von Houstons Betonschluchten erzielen. Das Rig bot ihm nun auch ausreichend Platz, um zwischen den beiden Kameras zusätzlich die Z10000 als Backup-Kamera zu installieren. „Wegen ihrer geringen Stereobasis war sie zwar für die beim Hubschrauberflug angesagten Aufnahmeentfernungen nicht sonderlich geeignet. Aber sie verfügt über eine Synchronisation der beiden Bildstabilisatoren“, erklärt Bolliger.

Im Film selbst sind dann aber die Aufnahmen der beiden HPX250 geschnitten worden. „Die Bildstabilisatoren der beiden HPX250 habe ich abgeschaltet, weil die ja nicht miteinander synchronisiert waren. Wir wollten die beiden Bilder gegebenenfalls dann in der Post synchron stabilisieren. So wurde es dann auch gemacht. Bei der Produktion der Eingangssequenz zu dem Dokumentarfilm im Bonner Beethoven-Saal kam Panasonics AG-3DP1 zum Einsatz.

„Insgesamt hatten wir 15 Drehtage für das Gesamtprojekt. Dabei haben wir rund zwölf Stunden Material gedreht. Dazu kam dann noch das ganze Material von ESA und NASA. Deren Bildauswahl war jedoch begrenzter“, sagt Bolliger. Gut 80 Prozent des eigenen Materials wurden mit der Z10000 gedreht. Eine besondere Herausforderung beim Dreh bestand nach Angaben des Kameramanns in der Bewertung der gestalterischen Aspekte auf Basis der festen Stereobasen. Bolliger: „Sie geben ja im Grunde schon den möglichen Arbeitsraum vor. Wenn man zum Beispiel mit der gesetzten Stereobasis wie die der Z10000 mit 42 mm eine Landschaftstotale mit 200 Meter Abstand dreht, dann sieht man zwar, dass die Objekte vom Tiefeneindruck weiter weg sind aber sie selber haben keine Plastizität, weil einfach die Basis zu klein ist. Anders herum kann aber auch die Basis eher zu groß sein, wenn man zum Beispiel ein Close-up von einem Protagonisten macht und gleichzeitig dahinter viel Tiefe festhalten will. Da sind 42mm schon wieder zuviel.“ Man müsse also erst lernen, richtig mit der gegebenen Stereobasis und dem damit zusammenhängenden Spiel von Abstand der Kamera zum Objekt und der korrespondierenden Brennweite umzugehen, um ein angenehmes, komfortables 3D-Bild zu generieren.

Bolliger hatte keinen Stereographen zur Seite und seine Stereo3D-Strategie selbst entwickelt. „Das ist durchaus machbar, wenn man mit den 3D-Kompaktcamcordern dreht und sich zuvor selbst eingehender mit dem Stereo3D-Thema befasst hat. Und die Aufnahmen mit dem Side-by-Side-Rig waren auch nicht allzu kompliziert“, berichtet er.

Eingesetztes Kamera-Zubehör

Zum eingesetzten Zubehör gehörte ein Chrosziel-Kompendium mit ND-und Verlaufs-Filtern und ein bei AVT in Hamburg angemieteter Unterbau von Zacuto. „Der ist in der Höhe variabel einstellbar und bot uns den Vorteil, dass wir unser Kompendium in der Höhe dem Camcorder angleichen konnten“, sagt Bolliger.

Er arbeitete an der Kamera mit einem TVLogic 5,6“-Monitor (VSM 56 BT). „Er diente uns als Kontrollmonitor für das zusammen gemuxte Bild und hat uns geholfen, die Schärfe zu beurteilen. Das ist nicht immer einfach mit dem eingebauten Monitor der Z10000. Auch eine Waveform-Darstellung zur Einschätzung der Helligkeit habe ich eingeblendet“, berichtet Bolliger. Um mit der Z10000 noch effektiver und schneller arbeiten zu können, habe er auch eine Bebob Remote-Steuerung angebaut. Das habe ihm insbesondere bei der Einstellung der Belichtung und Schärfe geholfen.

Die Postproduktion des Projekts fand in Hamburg bei Chroma Media statt. Die S3D-Stereo-Korrekturen wurden hier am SGO Mistika erledigt und die Farbkorrektur an Digital Visions Nucoda Film Master. Einige Aufnahmen von der ISS wurden mit Autodesk Flame noch dimensionalisiert, sprich von 2D auf 3D konvertiert.

Mit den Bildern der Panasonic Z10000 ist Bolliger zufrieden. „Bei der Bewertung muss man immer auch den Preis der Kamera und den Anwendungsbereich sehen. Das von uns erzielte Bildergebnis ist mit Blick auf das Leistungsvermögen der Z10000 und auf den engen Zeitrahmen, den wir zur Erfüllung des Produktionsauftrages hatten, durchaus gut“, erklärt er.
Eckhard Eckstein
(MB 12/12_01/13)

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