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Seilkamerasystem bricht Längenrekorde

Seilkamerasystem bricht Längenrekorde

Bei den Olympischen Sommerspielen in London 2012 waren an vielen Stellen wieder Spezialkameras im Einsatz, die besondere Eindrücke von den Sport-Events lieferten. Zu den Highlights dabei zählten die Seilkamerasysteme des österreichischen Unternehmens CAMCAT-Systems. Sie präsedtierten sich mit neuen Streckenlängenrekorden.

Seit Salt Lake City 2002 sorgt die Seilbahnkamera „CAMCAT“ bei Olympischen Spielen für spektakuläre Bilder aus der Vogelperspektive, so auch diesmal. „Die Olympischen Spiele in London sind der größte Auftrag in der Geschichte des Unternehmens“, sagte Alexander Brozek, Geschäftsführer von CAMCAT-Systems mit Sitz in Rekawinkel, über den Mega-Event, bei dem das Unternehmen insgesamt sieben Kamera-Strecken im Einsatz hatte. Schon bei der Eröffnungszeremonie im Stadion kamen zwei Anlagen zum Einsatz. Eine CAMCAT-Standard (horizontal quer durch das gesamte Stadion) und eine CAMCAT-Vertikal (bei der „Bell-Stage“).

Nach diesem Auftakt begleitet eine CAMCAT durchgehend die Sport-Wettbewerbe. Durch die massive Zusammenballung von technischen Systemen innerhalb des Stadions mussten die CAMCAT-Entwickler laut Brozek damit rechnen, „dass uns zu wenig Funkfrequenzen zur Verfügung stehen“. Um diesen Engpass und etwaige Interferenzen zu umgehen, wurde ein eigenes Glasfasermodul entwickelt und installiert. Damit wurden die Daten per Glasfaserkabel störungsfrei an die Regie übermittelt. „Vorbedingung war, durch das zusätzlich mitgezogene Kabel keine Einbußen in puncto Beschleunigung oder Höchstgeschwindigkeit in Kauf nehmen zu müssen“, erklärt der CAMCAT-Chef.

Das bei der Opening Ceremony eingesetzte Vertikal-System war mit einem Flighthead MINI und einer IKEGAMI HDL-45 ausgestattet. Diese Kombination hatte sich in der Vergangenheit schon mehrfach beim Kompaktsystem CAMCAT-colibri bewährt (Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker). Alle anderen fünf Anlagen waren mit Cineflex V14 HD Kugeln bestückt.

Neben der Entwicklung des Glasfasermoduls stellte die Realisierung der olympischen Streckenlängen die zweite, wesentliche Herausforderung dar. Eine der Seilbahnen führt auf rund 1,5 Kilometern Länge von Greenwich, Austragungsort der Pferdewettkämpfe, über die Themse und über das „Queens House“. Dafür mussten zwei Türme von rund 40 beziehungsweise 90 Metern Höhe errichtet werden. Die von den üblicherweise weit kürzeren Strecken gewohnten physikalischen Kräfteverhältnisse mussten dafür völlig neu berechnet werden. „Bei langen Strecken gilt das herkömmliche Kräftediagramm nicht mehr. Alle mechanischen Teile sind auf deutlich größere Lasten berechnet um einen sicheren Betrieb zu gewährleisten“, so Brozek. Das Team von CAMCAT-Systems stellte hier einen neuen Weltrekord in Punkto Streckenlänge auf. Dieser sollte aber nur eine Woche halten. Denn in Eton Dorney wurde kurz darauf über der kompletten Ruderregattastrecke ein 2,34 Kilometer langes CAMCAT-Seilsystem in Betrieb genommen – die absolut längste weltweit jemals errichtete Kameraseilbahn. Weitere Seilbahnen waren bei den Mountainbike-Bewerben, beim Geländereiten und bei den Kanu-Wildwasser-Bewerben installiert. Beim Wildwasserkanal war eine 2D-Anlage im Einsatz, um diese Sportart dem Zuschauer noch näher zu bringen.

Entwicklung einer „Windformel“

„Der Wind ist ein extrem spannendes Thema“, sagt der CAMCAT-Manager über ein allgegenwärtiges Problem. In London habe man historische Winddaten herangezogen, um etwa die maximal tolerierbare seitliche Schwankungsbreite der Seile („Auswehung“) zu ermitteln. So wurden in Kooperation mit der Universität für Bodenkultur speziell für überlange Strecken die Windlasten neu ermittelt. „Diese Grundlagenarbeit war eine Voraussetzung für die technische Machbarkeit dieser neuen Strecken und dauerte circa ein halbes Jahr. Im Rahmen der Aufbauarbeiten wurden wir auch von Wissenschaftlern begleitet und es wurden vor Ort Messserien durchgeführt“, sagt Brozek.

„Die Anforderungen an die Technik in London hat wieder alles bis dato Realisierte in den Schatten gestellt“, meint Brozek mit Blick auf die von CAMCAT geleistete Entwicklungstätigkeit. Direkt nach den Olympischen Winterspielen in Vancouver 2010 hat man bereits mit den Vorbereitungen für London begonnen. Das Team von CAMCAT war bei diesem Auftrag mit seinen Seilen im Zuge der Aufbauarbeiten zu Wasser, am Land und auch in der Luft unterwegs. Neben dem Kreuzen der Themse musste man ein Seil auch per Hubschrauber über einem historischen Parkgelände ausfliegen. „Auf Grund des dichten und auch historisch bedeutenden Baumbestandes wäre alles andere nicht durchführbar gewesen“, berichtet Brozek.
Eckhard Eckstein
(MB 09/12)

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