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Starker Preisverfall und geringe Renditen

Starker Preisverfall und geringe Renditen

Eine Studie im Auftrag des Verbandes VTFF belegt, dass die Umsätze filmtechnische Dienstleister seit Jahren kontinuierlich steigen, aber die Margen gleichzeitig sinken. Überkapazitäten und Preisverfall sowie hoher Investitionsdruck und eine stetig kürzer werdende Nutzungsdauer für die Geräte haben die Branche in Bedrängnis gebracht, die in ihrer Unternehmensstruktur nach wie vor sehr kleinteilig und vielfältig aufgestellt ist.

Mit dieser Studie liegen nun fundierte Zahlen über die wirtschaftliche Situation der Dienstleistungsunternehmen vor. Im Auftrag des Verbandes Technischer Betriebe für Film & Fernsehen und mit Unterstützung der FFA wurde die Studie an der Hamburg Media School durchgeführt (Autoren Oliver Castendyk und Elisabet Richter).
Die vermietenden technischen Dienstleister wie Studiobetriebe, Rentalanbieter, Außenübertragung sowie Ausstattungs- und Kostümverleih und die produzierenden technischen Dienstleister wie Postproduktionsunternehmen, VFX, SFX und Synchron haben im Geschäftsjahr 2012 zusammen über eine Mrd. Euro Umsatz erwirtschaftet. Mehr als 13.500 Mitarbeiter sind in über 1.400 Unternehmen beschäftigt. Die Branche ist also sehr zersplittert, zeigt aber eine für viele Sektoren typische Struktur: Einige große Unternehmen erbringen ca. 50Prozent des Umsatzes und mehr, während sich fast 2/3 der Anbieter weniger als zehn Prozent des Umsatzes teilen. Dabei weisen die umsatzstarken Unternehmen niedrigere Renditen auf als die kleinen Dienstleister. Unter Preisverfall leiden jedoch fast alle, am stärksten die produzierenden technischen Dienstleister, von denen fast 3/4 einen Preisrückgang von mehr als 25 Prozent erlebten. Für viele Studios, VFX-Studios und auch Rentalfirmen ist es oft günstiger, mit geringen Deckungsbeiträgen zu arbeiten, als den Gerätepark ungenutzt zu lassen. Dies drückt sich in den niedrigen durchschnittlichen Renditen der Branche aus. Ziel der Studie ist es, Verbänden, Politikern, Branche und Förderungen Eckdaten zur wirtschaftlichen Lage an die Hand zu geben, um auf dieser Grundlage über notwendige Handlungsinitiativen und Anreize nachzudenken. Für die Medienbranche ist eine gesunde und vielfältig aufgestellte technische und kreative Infrastruktur die Basis, um die audiovisuelle Produktion international wettbewerbsfähig zu halten. Insbesondere in vergleichbaren Märkten wie Großbritannien und Frankreich profitieren die filmtechnischen Betriebe laut Studie vom größeren Produktionsaufkommen.

Gesamtumsatz über eine Milliarde Euro

Der Gesamtumsatz der Branche lag 2012 bei insgesamt 1.025 Mio. Euro, wovon produzierende technische Dienstleister (PTD) 505 Mio. Umsatz erzielt haben. Rund die Hälfte wurde mit Postproduktionsdienstleistungen erwirtschaftet, ein Fünftel entfiel auf die VFX-Branche, 17 Prozent auf Synchronisation und zwölf Prozent auf Authoring. Bei den vermietenden technischen Dienstleistern (VTD), die 520 Mio. Euro erwirtschafteten, entfiel der Löwenanteil der Umsätze auf die Studiobetriebe mit 200 Mio. Euro (38%), gefolgt von den Rentalfirmen mit 150 Mio. (29%) und Außenübertragung 140 Mio. (27%). Von den PTD-Unternehmen erzielen 15 Prozent mehr als 500.000 Euro Umsatz im Jahr und erwirtschaften damit 85 Prozent des Gesamtumsatzes in diesem Markt. Der überwiegende Teil der PTD-Firmen liegt mit seinen Umsätzen jedoch unter 100.000 Euro im Jahr. Noch deutlicher spitzt sich die typische Pyramidensituation bei den Studios zu: Vier Unternehmen (7,9% der Studiobetriebe) gehören zu der höchsten Umsatzklasse mit mehr als 20 Mio. Euro im Jahr, die mit 46,6 Prozent fast schon die Hälfte des Branchenumsatzes unter sich ausmachen. 30 Unternehmen mit Umsätzen unter eine Mio. Euro kommen zusammen auf nur 3,1 Prozent des Gesamtumsatzes. Laut Studie sehen Experten ein Überangebot im mittleren Segment, also bei den erfassten Umsatzgrößenklassen von eine Mio. bis 20 Mio. Euro, und gehen davon aus, dass in diesem Bereich ein Ausdünnungsprozess einsetzen wird in Richtung sehr großer umsatzstarker Unternehmen und kleiner Studios (siehe auch Auslastungszahlen).
In Ländern Großbritannien und Frankreich fallen die Umsätze der PTD-Dienstleister mehr als doppelt so hoch aus. Als Gründe nennt die Studie einen höheren Kinoanteil, mehr internationale englischsprachige Produktionen und insgesamt größere Budgets in Großbritannien. Dort fahren die Postproduktions- und VFX-Firmen allerdings auch mehr Umsätze mit TV-Produktionen ein. Und auch in Frankreich ergaben sich im gleichen Zeitraum nahezu doppelt so hohe Umsätze. Im Unterschied zu Großbritannien generiert die französische Branche die höheren Volumina allerdings aus der nationalen Produktion heraus. In GB locken vor allem Steueranreize internationale Produktionen mit hohen Budgets an. Produktionen mit Herstellungskosten über 20 Mio. Pfund und einem britischen Herstelleranteil von zehn Prozent des Gesamtbudgets können einen Steuernachlass von 25 Prozent erhalten. Der deutsche Investitionsfonds DFFF hat nach oben eine Deckelung der zu berechnenden Herstellerkosten, und die Schwelle nach dem nationalen Herstelleranteil liegt bei 25 Prozent. Das heißt England hat sich besser positioniert im internationalen Subventionswettlauf um die internationalen Filmproduktionen.

Die höchsten Renditen erzielen kleine Firmen

Wie es um die Branche bestellt ist, erhellt ein Blick auf die Rentabilitäts-Zahlen der filmtechnischen Betriebe. Bei den PTD schreiben rund ein Fünftel der Unternehmen Verluste, und bei einer etwa gleichen Anzahl an Firmen steht unterm Strich eine Vorsteuerumsatzrendite unter 500.000 Euro. Interessanterweise werden die höchsten Umsatzrenditen von über 15 Prozent nicht von den großen Firmen, sondern von Unternehmen mit einem Gesamtumsatz unter 500.000 Euro erzielt. Umsatzstarke Unternehmen mit mehr als zwei Mio. Euro im Jahr schreiben deutlich öfter Verluste als Unternehmen aus der niedrigen Umsatzklasse. Eine Erklärung hiefür sieht die Studie darin, dass bei großen Unternehmen teilweise Umsatz vor Rendite gestellt wurden.
Bei den VTD-Betrieben zeichnet sich ein vergleichbares Bild: Dort mussten rund 29 Prozent der Unternehmen Verluste hinnehmen und 22 Prozent bewegten sich im Bereich mittlerer Margen von fünf bis zehn Prozent. Und bei kleinen Firmen unter 500.000 Euro verzeichnet kein Unternehmen eine negative Rendite, jedes dritte verbucht Renditen über zehn Prozent. Im Bereich von über zwei Mio. Euro erzielte kein Unternehmen eine Rendite von mehr als zehn Prozent und rund 37 Prozent schrieben gar Verluste. Die Umsatzrendite aller Dienstleister erreicht im Jahr 2012 einen Durchschnittswert von null bis ein Prozent. Die Firmen geben zudem an, dass sich die Margen in den letzten Jahren von 2008 bis 2012 deutlich verringert haben: bei 77 Prozent der befragten PTD-Firmen und bei 2/3 der VTD-Firmen.
Schaut man auf die Struktur des Marktes, in dem die Dienstleister ihre Umsätze generieren, dann wird 69 Prozent des Umsatzes der PTD-Betriebe mit klassischen Produktionen (TV-Programme, Kinofilme) erwirtschaftet, bei den VTD-Betrieben sind es 54 Prozent. Die Sparte Werbung und Industriefilme machen sowohl für den Bereich PTD als auch für den VTD-Sektor rund ein Viertel der Umsätze aus. Laut Studie ergibt sich hier ein mögliches Wachstumspotential, weil Werbeproduktionen und ihre Auftraggeber aus Budgetgründen offenbar dazu übergehen, nicht mehr so häufig in Studios in London oder New York zu produzieren, sondern wieder verstärkt sich bei deutschen Studios einmieten. Vorsichtig bleibt die Branche hinsichtlich der wirtschaftlichen Bedeutung durch Webformate. Dazu erklärt VTFF-Vorstand Stefan Hoff: „Die Studie zeigt, dass Werbung und Industriefilm mit fast einem Viertel der Umsätze eine wichtige Rolle für die Branche spielen, Webproduktionen allerdings noch nicht. Im Internet sind eben viele zugekaufte oder semiprofessionelle bis amateurhafte Inhalte zu finden. Ob diese oder andere Segmente ein interessantes Feld für die Produktionsdienstleister werden, hängt in erster Linie von deren Entwicklung ab.“
Umsätze durch internationale Auftraggeber fallen eher gering aus. Bei den Studios waren es im Erhebungszeitraum 2012 nur zwei Prozent und in der Sparte Kostümverleih gar nur ein Prozent. Rentalfirmen erzielten dagegen einen Anteil von 19 Prozent mit Auslandsumsätzen. Die Studie geht davon aus, dass Filmgeräte in Deutschland billiger sind als im Ausland.
Auch die Preise für die Dienstleistungen haben sich von 2008 bis 2012 verändert. Zweidrittel der Branche beklagt einen Preisverfall. Die Postproduktion hat es offensichtlich mit am härtesten getroffen, denn 79 Prozent der Firmen mussten einen Preisniedergang von über 25 Prozent hinnehmen, für TV-Postproduktion wurden sogar Preisrückgänge von 50 bis 60 Prozent registriert. Allerdings wird offenbar auch ein harter Preiskampf innerhalb der Branche ausgetragen, weshalb sich jetzt der Verband Allianz der unabhängigen Filmdienstleister (AUF) gegründet hat, um sich gegen die öffentlich-rechtlichen Töchterfirmen zu positionieren. Die in diesem Verband vertretenen Mitgliedsunternehmen sehen sich vor allem durch die Niedrigpreispolitik dieser Firmen bedroht.
Die Studie ist schließlich auch der Frage nachgegangen, inwieweit sich der Investitionsdruck aufgrund verkürzter Innovationszyklen und Nutzungsdauer der Geräte belastend auf die wirtschaftliche Lage der Unternehmen auswirkt. Doch die Befragung kommt hier zu einem anderen Ergebnis: Denn die PTD-Firmen, die rund 75 Prozent des Branchenumsatzes auf sich vereinen, haben lediglich einen Investitionsanteil von unter fünf Prozent. Neben Synchronfirmen, die es eher mit hohen Personalkosten zu tun haben, sind das vor allem die Postproduktionsfirmen, bei denen die Anschaffungskosten für Software und Hardware im Vergleich zum Gesamtumsatz einen geringen Anteil ausmachen.
Anders ist die Situation bei den VTD-Firmen gelagert: Immerhin ein Viertel des Branchenumsatzes hat einen Investitionsanteil von über 30 Prozent. Der Hauptkostenfaktor für diesen Sektor lag ganz klar in der Umrüstung von SD auf HD-Formate. Eine neue Investitionswelle kündigt sich bereits mit den 4k-Aufnahmeformaten an. Für Unternehmer aus dem Bereich Außenübertragung lag der größte Investitionsbedarf 2012 im Bereich Datentransfer. Neben Umrüstung in Hard- und Software fielen zudem Schulungskosten für Personal an. Stark betroffen sind vor allem die Rentalfirmen, die ihr Sortiment beinah komplett austauschen mussten. Knapp jedes zehnte Rental-Unternehmen gibt an, dass sich die Nutzungsdauer technischer Geräte um mindestens 3 Jahre „deutlich verkürzt“ habe.
Im Vergleich der Auslastung waren 2012 PTD-Unternehmen häufiger voll ausgelastet als VTD-Dienstleister, wobei sich die Auslastungsquote auf dem PTD-Sektor im Laufe des Jahres bis ins vierte Quartal um bis zu 73 Prozent gesteigert hat, während die VTD-Firmen saisonal stärker im ersten Halbjahr sind. Insgesamt zeigt sich aber, dass die PTD-Branche nicht nur einen höheren Grad der Auslastung erreicht, sondern auch in der durchschnittlichen Jahresauslastung mit 44 Prozent höher als die Vermietbranche mit nur 39 Prozent liegt. In der Tendenz ließen sich 2012 große und kleine Studios besser vermieten als mittelgroße Ateliers, die seltener ausgelastet waren. Bilanz der Studie: Bei mittelgroßen Studios übersteigt das Angebot deutlich die Nachfrage. Und auch bei den Rentalfirmen zeige sich, dass die sehr kleinen und die sehr großen Betriebe ihre Ressourcen am effizientsten einsetzen können.

Qualitätsverlust durch sinkende Budgets

Der Verband will in Gesprächen mit Sendern und Produzenten die Modernisierung der Workflows und Kalkulationen sowie die Schaffung von Qualitätsstandards voran bringen. Dabei unterstützt der VTFF die Forderung der Produzenten nach leistungsgerechter Bezahlung der verschiedenen TV-Formate und nach einer Qualitätsoffensive für das deutsche Fernsehen – auch im technisch-kreativen Bereich. „Auch die Produzenten und die Sendeanstalten sollten ein Interesse an einer vielfältigen, hochprofessionellen und innovativen Dienstleisterbranche haben, die sich aber nur mit leistungsgerechter Bezahlung weiter entwickeln lässt“, ließ der VTFF-Vorstand verlauten. „Sinkende Produktionsbudgets werden auf Dauer zu Qualitätseinbußen führen; bei manchen TV-Formaten sind die internationalen Vergleiche jetzt schon unbefriedigend. Daher der Appell an die Sender, in die Programmqualität zu investieren, auch im technisch-kreativen Bereich“, heißt es. Der VTFF will aber auch in die Förderdebatte eingreifen, um den Sektor der filmtechnischen Bertriebe voran zu bringen. Die in der Studie angestellten internationalen Vergleiche zu den Märkten in UK oder Frankreich bekräftigen die VTFF-Forderungen nach stärkerer Berücksichtigung der filmtechnischen Infrastruktur in den Förderregularien. Hierzu erklärte der Vorstand: „Die deutschen Filmförderungen sollten die Territorialisierung so weit umsetzen, wie es die EU-Richtlinien zulassen. Die Möglichkeiten, die die EU-Kinomitteilung 2013 gibt, die Förderung an die Ausgaben im eigenen Land zu knüpfen, werden in der Umsetzung des FFG in Deutschland bislang nicht ganz genutzt. Das wollen wir bei der kommenden Debatte um die FFG-Novellierung nochmals vorbringen. Auch die Förderung einzelner Produktionsbereiche wird in anderen EU-Ländern mutiger vorgenommen als bei uns. Es ist bedauerlich, dass zum Beispiel im Bereich VFX nicht nur Aufträge, sondern auch Fachkräfte und ganze Unternehmensteile ins Ausland abwandern.“
Bernd Jetschin

(MB 2/14)

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