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Sukzessive gewachsen

Sukzessive gewachsen

Der zur RTL-Gruppe gehörende Produktionsdienstleister BCE bietet seinen Kunden mit Media CMS und MyMedia CMS dedizierte Content Management Services an. Über die damit verbundenen Workflow-Vorteile und Kundenanforderungen sprach MEDIEN BULLETIN mit dem Leiter des Bereichs Digital Media Operations und Chef der Produktion und Postproduktion, Xavier Thillen.

BCE in Luxemburg bietet seinen Kunden umfangreiche Broadcast Services an. Sie sind in den Business-Bereichen Live Feeds, Digital Media Operations, Playout Services und Distribution angesiedelt. Der Bereich „Digital Media Operations“ bei BCE beinhaltet Services wie Digitalisierung, Ingest, Processing, Transkodierung, Archivierung, Speicherung und Distribution von Video-Inhalten. Auch die gesamte Postproduktion mit Schnitt, digitaler Bearbeitung, Vorbereitung für die Synchro, Audio Layback, Mastering, Qualitätskontrolle et cetera gehört dazu.

Alle filebasierten Services werden dabei von BCEs Content Management System MediaCMS verwaltet, das seit 2010 sukzessive aufgebaut wurde. Von dem Angebot profitieren heute Kunden wie Fremantle Media, RTL CBS, Splendid Film, Universal oder The Match Factory. „Das MediaCMS ist die Steuereinheit, die bei BCE die gesamten Abläufe vom Content Management regelt. Das betrifft insbesondere das Handling von Programmeinkäufen der zur RTL-Gruppe gehörenden Sender ebenso wie die von externen Kunden. Die Zulieferung erfolgt dabei über unser File Delivery System Movie2Me, das wir seit 2006 in Eigenentwicklung aufgebaut haben“, erklärt Xavier Thillen, Leiter der Produktion und Postproduktion bei BCE. Als besonderen Service biete man im Network-Bereich allerdings Kunden auf Wunsch auch die Content-Übermittlung auf Basis der von ihnen genutzten Filetransfer-Systeme, zum Beispiel von Aspera oder Signiant, an. In der Regel aber werden die Content-Files von allen Lizenzgebern wie den Major Studios in den USA über Movie2Me verschickt. Die dabei eingesetzten Server werden über das BCE CMS gesteuert. „Mit MediaCMS steuern wir aber nicht nur die gesamten File-Zuläufe, wir machen auch die Metadaten-Verwaltung der Files in dem System sowie die Abwicklung der Kundenaufträge. Mit den Workorders dazu werden dann die nachfolgenden Prozesse gesteuert“, meint er.

Über das CMS werden bei BCE sämtliche Abläufe gesteuert, die automatisiert laufen können. „Nur wenn man an einem File Veränderungen oder Optimierungen vornehmen möchte, bei dem Personaleinsatz nötig ist, werden die Files im System geparkt und von der Technik manuell bearbeitet. Das passiert zum Beispiel bei Farbkorrektur, Schnitt, Titelbearbeitung und Audio-Bearbeitung nach der Synchronisation. Danach wandern die Files wieder ins System und können dann von den anschließend automatisierten Abläufen im CMS vollständig abgewickelt werden. Dazu gehören Dinge wie Filetranscoding auf das gewünschte Endformat und die Auslieferung an den Kunden“, sagt Thillen. Seit gut zweieinhalb Jahren können BCE-Kunden mit Hilfe des webbasierten Tools MyMediaCMS ihre Inhalte auch selbst überwachen. Nachdem sie sich in das System eingeloggt haben, können sie ihr gesamtes Material, das sie bei BCE archiviert haben, betrachten, im System direkt Bearbeitungsaufträge an BCE verschicken und alle Prozesse, die mit ihrem Material passieren, Schritt für Schritt bis zur Auslieferung an die Endkunden mitverfolgen.

Zu den Services der Digital Media Operations von BCE gehört auch die Massendigitalisierung von Bandmaterial. Die dabei eingesetzten Sony LMS-80 Kassetten Automaten sind auch an das CMS-System von BCE angeschlossen und können darüber gesteuert werden. Ein weiterer wichtiger Service von BCE ist die Archivierung. Angeboten werden die drei Archivierungsarten Online, Near-Online und Offline. Das gesamte Archiv befindet sich auf StorageTek T10.000 Bändern. „Das CMS kann auch auf die Files, die nicht mehr auf den Online-Servern vorliegen, steuern. Selbst ausgelagerte Offline-Files fungieren immer noch im System. Dieses weiß genau, dass das Band nicht mehr im Near-Online-Archiv drin ist und meldet dann einfach, dass die entsprechenden Cassetten wieder eingeladen werden müssen. Das ist sehr kosteneffizient“, betont Thillen.

Der BCE-Manager fasst zusammen: „Unser CMS-Service ist sukzessive gewachsen. 2006 haben wir mit Movie2Me angefangen, die ganzen File-Zuflüsse zu steuern und auch die Archivierung dahinter sinnvoll und sehr kosteneffizient zu organisieren. Ab 2010 wurden dann mit MediaCMS auch die Aufträge in das System eingepflegt. Und mit MyMediaCMS bieten wir unseren Kunden nun auch diese Monitoring-Lösungen an. Künftig, vielleicht schon Ende 2016, sollen sie mit einem Client-Service einfache Dinge über MyMedia CMS auch selbst steuern können.“ Heute passiere das alles noch über die Auftragserteilung im System und die anschließende Umsetzung durch BCE.

Von jedem File, der bei BCE eintrifft, wird ein LowRes Proxy erstellt, der im CMS genutzt werden kann, zum Beispiel auch, um mit Hilfe eines integrierten Player/Editors einfache Schnitte im System selbst zu machen. „Unsere Traffic Leute müssen nicht mehr wie früher einen Bearbeitungsauftrag an die Technik geben, sondern können selbst editieren und neues File erstellen. Das macht alles viel schneller“, sagt Thillen. Die neue Technik stelle indes auch neue Anforderungen an das eigene Personal. „Heute muss ein Sachbearbeiter medientechnische Kenntnisse besitzen, um auch Postproduktionsaufgaben erfüllen zu können. Seine Position verschmilzt mit der des einfachen Technikers“, erklärt Thillen.

Zur IBC 2015 will BCE einen im CMS integrierten LowRes Proxy Streaming Service vorstellen. BCE-Kunden können damit Videos ihrer gesamten Library im Streaming von außerhalb anschauen. „Wir stellen zur IBC auch unsere Roadmap vor und wie wir den Ausbau von MyMediaCMS gestalten wollen“, berichtet Thillen. Über MyMediaCMS könne man man zwar heute schon Aufträge eingeben. Größere Medienhäuser würden aber über eigene, meist über SAP gesteuerte Auftragssysteme verfügen. „Dafür brauchen wir eine direkte Schnittstelle aus deren Auftragssystem direkt in unser CMS-System. Wir sind noch dabei, das zu realisieren“, sagt Thillen. In unserem CMS werden diese Aufträge dann umgesetzt und die Workorders und Job Tasks angelegt, die beschreiben, was mit einem Titel gemacht werden soll. Und hierbei gibt es wieder manuelle und automatisierte Tasks.“ Zwei Punkte seien bei der CMS-Planung von BCE besonders wichtig. Der erste Punkt betreffe die Gewährleistung und Optimierung der System-Sicherheit und der zweite die Einführung einer Art elektronischer Unterschrift, die Kunden beim Antriggern kostenpflichtiger Prozesse leisten müssen. Thillen: „Das Thema Sicherheit ist für uns sehr wichtig. Wenn man internetbasiert Prozesse steuern kann, dann muss das sehr sicher sein. Da legen wir großen Wert drauf. Als Verwalter des Kunden-Contents hat man eine sehr große Verantwortung.“

Der BCE-Manager betont, dass die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Kunden für Dienstleister gerade in der filebasierten Medienwelt eine zentrale Rolle spiele. Geschätzt würde zudem Schnelligkeit und hohe Qualität.

Die Multiscreen-/Multiplattform-Entwicklung, meint er, würde das Geschäft beflügeln. „Das ist eine klare Anforderung und deshalb muss man auch ein gut strukturiertes System haben, das Multiportal-Auslieferung anbieten kann. Um die damit verbundenen einzelnen Erfordernisse erfüllen zu können, ist Innovation auch Inhouse gefordert. Genau hier liegt die Stärke von BCE. Durch unsere Inhouse-IT-Entwicklung können wir immer schnell auf Veränderungen reagieren.“ Ein weiterer Vorteil sei, dass man innerhalb der RTL-Gruppe auch Synergien zu Schwesterunternehmen wie CBC oder Arvato nutzen könne.

Die Schnittstellenproblematik zu Systemen von Drittanbietern sieht Thillen als kein großes Problem an. „Wir haben durch die eigene IT-Abteilung die Interoperabilität sehr gut im Griff. Die Prozesse, die hier laufen, funktionieren auf Basis von marktüblichem Equipment, das wir über unsere IT ansteuern und optimieren. Auch Standards wie Broadcast Exchange Format (BXF) ermöglichen uns eine größere Interoperabilität“, erklärt er.

Beim Thema Metadaten sieht er indes noch Verbesserungsbedarf von Seiten der Majors. „Wir können theoretisch komplette Metadatensätze mit ausliefern. Die müssen wir aber erst einmal bekommen. Seit 2006 fordern wir die Majors auf, mit der File-Anlieferung auch die Metadatensätze mit Content bezogenen Informationen mitzuschicken. Bis heute passiert das aber nur in seltenen Fällen.“ Grund sei, dass die File-Auslieferung lediglich die traditionelle Tape-Auslieferung ersetzt habe, die Abläufe dabei aber die gleichen geblieben seien. Metadaten würden bei den US-Majors meist nach wie vor in unterschiedlichen Abteilungen verwaltet und müssten zur Auslieferung dort erst umständlich zusammengestellt werden. Bei Produktionen wie „Britain´s Got Talent“ für IPTV/Fremantle Media hingegen funktioniere der Materialaustausch mit Metadaten problemlos.

Eckhard Eckstein

MB 5/2015

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