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Vuvuzela-Sound im TV stört deutsche Fußball-Fans

Vuvuzela-Sound im TV stört deutsche Fußball-Fans

Die deutschen TV-Sender, die die Fußball-Spiele der FIFA WM 2010 aus Südafrika übertragen, sahen sich zu Beginn des Großevents mit heftigen Zuschauerprotesten konfrontiert. Sie richteten sich gegen den alles überdeckenden Vuvuzela-Sound in den Stadien. Durch den Einsatz von Filter-Technik versucht man Abhilfe zu schaffen.

Jörg Sander (Foto), Direktor der Host Broadcasting Division von HBS, ist leicht genervt – weniger vom Vuvuzela Sound in den Stadien selbst als von den Beschwerden der deutschen Sender darüber. Insbesondere ARD und ZDF, wichtige Rechtehalter der FIFA WM mit den größten technischen Aufbauten im International Broadcast Center (IBC), reklamieren den von Hostbroadcaster HBS gelieferten Ton. Der Pegel der Plastiktröten-Dauerbeschallung in den Stadien ist ihnen zu hoch. Alle anderen Töne wie Ball-Kick, Fan-Gesänge und den Pfiff der Schiedsrichter würden so übertönt und kämen auf dem heimischen Fernseher nicht an, heißt es. ARD-Teamchef Bertram Bittel vom Südwestrundfunk (SWR): „Sie glauben gar nicht, was bei uns zu Hause in den Zuschauerredaktionen los ist. Es hagelt nur so an Beschwerden. Wir müssen hier vor Ort darauf reagieren.“



Sander will nicht gelten lassen, dass der Vuvuzela-Sound alle anderen Stadion-Töne beim heimischen TV-Empfang überlagert und sieht die Arbeit seiner Audio-Profis in Misskredit gebracht. „Wir treiben hier sehr hohen Aufwand, um einen möglichst perfekten, authentischen Sound aus den Stadien zu liefern“, erklärt er und belegt das sogleich mit einer Demonstration im HBS-Audioraum im IBC. „Hier ist der Ball-Kick zu hören, warum nicht bei ARD und ZDF“, fragt er.

Trotzdem einigte er sich mit ARD/ZDF darauf, den Vuwuzela-Sound stärker als zu Beginn der WM mit Filtern zu dämpfen.

ARD und ZDF selbst haben ihre Fernsehkommentatoren in den Stadien zudem mit sogenannten Lippenmikrophonen ausgestattet, die im Vergleich zu den üblichen Headset-Mikros Außengeräusche deutlich schwächer aufnehmen.







Interessant ist, dass sich offensichtlich nur deutsche Fußball-Fans vom Vuvuzela-Getröte beim TV-Genuß gestört fühlen. In anderen Ländern wird das als Südafrikanische Spezialität einfach akzeptiert. Laut BBC kommt die stärkere Filterung des Vuwuzela-Sounds durch HBS bei vielen britischen Fußball-Fans überhaupt nicht gut an. Sie wollen lieber mehr davon.

Und auch in Deutschland wird bei fortschreitendem Turnier wohl ein Gewöhnungsprozess einsetzen. Jedenfalls polarisieren die Vuvuzelas.



So ist es nur verständliche, dass mittlerweile von einigen Sendern, darunter ARD, ZDF und Sky Deutschland, zwei Tonoptionen angeboten werden: eine mit spürbar reduziertem Vuvuzela-Sound und eine mit Originalton aus den Stadien. Die ZDF/ARD-Technik in den Stadien beziehungsweise im IBC in Johannesburg bearbeitet dazu das vom FIFA-Hostbroadcaster HBS angelieferte Tonsignal noch mal zusätzlich mit speziellen Geräuschfiltern.



HBS-Audioraum: Hier werden an einem Lawo-Pult die internationalen Tonsignale gemischt
Vuvuzela Plastiktröte nervt deutsche TV-Zuschauer
ARD/ZDF-Audioregie mit Lawo MC2 90 Mischpult
ARD-Teamchef Bertram Bittel: Es hagelte Zuschauerbeschwerden
In den Technical Operation Center (TOCs) und im IBC sind Vuvuzela-Bläsert nicht erwünscht




Voraussetzung für den Empfang dieses Vuvuzela-reduzierten Tonkanals ist ein digitaler Kabel- oder Satelliten-Receiver. In den Audioeinstellungen des Receivers können die Zuschauer dann den alternativen Tonkanal auswählen (Informationen dazu im ARD-Videotext auf Seite 110 und im Internet unter: sportschau.de).



Sky Deutschland bietet seit dem Spiel Südafrika gegen Uruguay neben dem Originalton ebenfalls eine eigene Tonoption mit reduziertem Vuvuzela-Sound an. Eingesetzt wird dabei ein von Sky-Produktionspartner PLAZAMEDIA entwickelter Spezialfilter, der während der gesamten Übertragung manuell nachjustiert werden kann, um den genauen Ton der Faninstrumente bestmöglich zu treffen und ausblenden zu können.



Carsten Schmidt, Vorstand Sports, Advertising Sales und Internet: "Bei der Übertragung der Spiele im Fernsehen wirkt die Beschallung durch die Vuvuzelas noch intensiver als in den Stadien vor Ort. Da dies unter vielen unserer Zuschauer für Irritationen und Enttäuschung über die nicht hörbaren Fangesänge gesorgt hat, nutzt Sky die technische Möglichkeit, die Geräusche der Instrumente spürbar herauszufiltern. Wir respektieren die südafrikanische Fankultur und die Vuvuzela als ein Symbol dieser Weltmeisterschaft, wollen unseren Abonnenten mit dieser Maßnahme aber die Möglichkeit bieten, den Ton zu wählen, den sie aus den europäischen Stadien gewohnt sind."



Ähnlich sieht das auch ARD-Teamchef Bittel. Dabei betrachtet er selbst den Vuvuzela Sound als Bestandteil der besonderen südafrikanischen WM-Atmosphäre. "Die Fußball WM in Südafrika ohne Vuvuzela ist wie ein Deep Purple Konzert ohne Orgel", meint Bittel. Er glaubt, wie auch HBS-Direktor Sander, dass sich über den Vuvuzela-Lärm schon bald keiner mehr aufregen wird. Internationale Besucher der FIFA WM 2010 sorgen indes fleißig dafür, dass die Plastiktröten auch außerhalb Südafrikas verstärkt Einsatz finden. Sie sind ein besonders beliebtes Souvenir. (MB 06/10)





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