Cookie Consent by TermsFeed
      radio-news
      mebucom
                
Gegen den Strich
News: Radio

Gegen den Strich

Auf Initiative der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) wurde 1995 die gemeinnützige afk – Aus- und Fortbildungs GmbH für elektronische Medien (afk GmbH) gegründet. Grundgedanke dabei war, die Rundfunkbranche mit jungem, gut geschultem Nachwuchs zu unterstützen. Unter dem afk-Dach gingen 1996 die Aus- und Fortbildungskanäle afk Max (Radio) in Nürnberg, afk TV und afk M94.5 in München on Air. Anläßlich des 17. Sendergeburtstags schaute MEDIEN BULLETIN bei afk M94.5 hinter die Kulissen und sprach mit dessen Machern.

Mit einer Megaparty feierte der Münchner Radiosender afk M94.5 im Münchner Backstage unlängst seinen 17. Geburtstag. Zusammen mit rund 1.000 Gästen ließen es die Radiomacher richtig krachen. Sie zeigten, dass sie nicht nur on Air, sondern auch live ganz nah an ihrem Publikum sind und dessen Musikgeschmack bestens bedienen können. Das war an den Auftritten der Bands, „The Dope“, „The Fever“ und dem des Top-Acts „Milky Chance“ zu sehen. Die Veranstalter hatten sich große Mühe gemacht, ihre Gäste mit kreativen, innovativen Ideen zu unterhalten. Die Geburtstagsparty war insofern beispielhaft für den besonderen Geist, der den Sender auszeichnet. Dass er anders ist als alle anderen Radios hat natürlich auch einen besonderen Grund.

„M94.5 gibt jungen Menschen die Möglichkeit, sich in einem Radiobetrieb zu bewähren. Sie können hier vielfältige Erfahrung sammeln und an Schulungen teilnehmen, um später mit einer guten Grundlage in größeren Betrieben einzusteigen“, sagt Wolfgang Sabisch, Programmleiter von M94.5. Das Angebot richte sich an Studenten oder Auszubildende, die mindestens eineinhalb Tage die Woche für die Tätigkeit im Sender Zeit haben. Hinter dem Radiosender, steht die afk GmbH (Aus- und Fortbildungskanal GmbH), mit dem afk e.V., der als Träger auch für zwei weitere Geschwister von M94.5, afk Max in Nürnberg und afk TV in München verantwortlich ist. Der afk hat eine große Bandbreite an Fördermitgliedern, wie zum Beispiel Antenne Bayern, den Bayerischen Rundfunk oder die Bayerische Landeszentrale für neue Medien (BLM), die eines der wichtigsten Mitglieder darstellt.

M94.5 ist ein Nonprofit-Sender, durch die Mitglieder des Vereins wird die Ausbildung der Studenten finanziert. Das sind die Deutsche Journalistenschule, die Akademie Deutsche POP, die Bayerische Akademie für Werbung und Marketing und 15 weitere. „Der jährliche Etat liegt deutlich unter 300.000 Euro. Davon finanziert die BLM, grob geschätzt, 55 bis 60 Prozent. Den anderen Teil übernehmen die Gesellschafter im Verein“, erklärt Sabisch. Insgesamt hat M94.5 circa 160 feste Mitarbeiter, darunter zwei bezahlte, den Programmleiter selbst und seine Assistentin. Pro Semester werden im Schnitt 30 neue Stellen vergeben.

Die Ausbildung umfasst wesentliche Bereiche der journalistischen, redaktionellen und auch technischen Arbeit im Radiobetrieb. Diese kann man in unterschiedlichen Ressorts wahrnehmen, wie Kultur, Sport, Wissenschaft, Politik, Nachrichten, Musik, Unterhaltung, neuerdings Marketing und einem Onlineresort, das sich aktuell im Aufbau befindet. Der Prozess der Weiterbildung findet permanent statt, „Diejenigen die schon länger bei uns arbeiten bilden nebenher andere aus, die noch nicht so lange dabei sind, somit ist immer ein Ansprechpartner im Haus der bei Fragen weiterhelfen kann“, erläutert Michael Gehrig, Leiter des Musikressorts.

Dabei wird in Ressortbetrieb und Tagesbetrieb unterteilt. Die Tagesteams treffen sich wie in professionellen Redaktionen morgens und erarbeiten das kommende Angebot, die Sendungen und anstehenden Recherchen. Die Studenten verpflichten sich zwei Semester an einem festgelegten Tag den Dienst zu übernehmen. Die Anfangs festgelegten Tagesteams wechseln bis zu fünfmal die Woche. Sie bestehen zentral aus einem RvD (Redakteur vom Dienst) und einem CvD (Chef vom Dienst), sowie anderen Mitarbeitern. Am Anfang der Ausbildung wird in den Tagesteams gestartet, nach zwei Semestern der Mitarbeit, kann in den Ressortbetrieb eingestiegen werden. „Bei der sogenannten Ressortarbeit muss ein Volumenvertrag erfüllt werden, der aus einer gewissen Anzahl an Tätigkeiten besteht, wie zum Beispiel die Moderation einer Sendung oder die Arbeit in der Onlineredaktion“, sagt Gehrig. Eine wesentliche Rolle im Senderleben spielen bestimmte Kursangebote zu vielen radiospezifischen Themen, die mit dem Lauf der Zeit immer wieder neu angepasst werden. Dabei drehen sie sich immer um die Frage, „Was müssen unsere Auszubildenden können, wenn sie zu Antenne Bayern oder Ego FM wollen?“, so Programmleiter Sabisch. Die Kurse werden von freiwilligen Fachleuten gegen eine Aufwandsentschädigung geleitet. Mit einer Semestergebühr von zwölf Euro ist die Ausbildung des Senders für jeden Interessenten zu finanzieren. Prinzipiell ist M94.5 privater Hörfunk. Doch es gibt weder Werbung, noch wird durch Events Profit gefahren. Sponsoren ermöglichen Veranstaltungen, wie zum Beispiel das Konzert im Backstage in München, anlässlich des 17. Sendergeburtstages. Mit einem „sehr jungen, speziellen und innovationsfreudigen“ Publikum, so Sabisch, haben wir einen eher kleineren Hörerkreis, doch trotzdem sind die Statistiken für den Sender nach eigenen Angaben sehr positiv ausgefallen. Insgesamt sind es über 10.000 Hörer am Tag und 23.000 Stammhörer. Der weiteste Hörerkreis beträgt 43.000.

Abgesehen von der Aus- und Weiterbildung junger Menschen hat der Sender ein weiteres großes Ziel, „Wir wollen keine Marktanteile streitig machen, sondern als fester Bestandteil des Münchner Radioangebots ernst genommen werden“, sagt Sabisch. M94.5 versuche die Münchner Szene, ihre Musik und Kultur abzubilden und zu fördern, mit aktuellen Themen, die für die studentische Zielgruppe interessant sei, gepaart mit den aktuellsten Musikhighlights. „Wir sind dabei aber kein Studentenradio, sondern werden von solchen Sendern eher als Vorbild gesehen. Bei uns findet jeder seinen Platz, aber in einem hoch professionellen Rahmen. Das ist eine unserer Besonderheiten. Rein technisch unterscheidet uns kaum etwas von professionellen Radiosendern“, erklärt Gehrig.

Studiotechnik

M94.5 verfügt über drei Studios. Das Hauptsendestudio, wird als Selbstfahrerstudio genutzt. Zusätzlich gibt es ein größeres Produktionsstudio, das als Backupstudio dient und ein kleineres Studio, welches für das Einsprechen zwischen den Shows verwendet wird.

Im Radiobetrieb wird mit dem Redaktionssystem Digas gearbeitet. Zu diesem wurde gewechselt, da die meisten Radiosender damit arbeiten, wie Antenne Bayern, der Bayerische Rundfunk und das Deutschlandradio. Es wird bei M94.5 für die Aufnahmen im Studio verwendet, für den Schnitt und die Verwaltung von Musik und Sendungen. Neben Digas ist der Sender mit weiterer moderner Technik ausgestattet. Die Mikrofone im Studiobetrieb stammen beispielsweise von RØDE und Shure und das Mischpult von Klotz Digital (heute Qphonics). „Es verfügt über zwölf Kanäle, lässt sich sehr gut bedienen, ist einfach aufgebaut und unheimlich praktisch“ erklärt der Studiotechniker von M94.5.

Einer der Kanäle ist mit einer ISDN-Leitung verbunden und kann von überall aus, für das Senden von externen Live-Sessions oder -Konzerten im Radiobetrieb angesteuert werden. „Im Allgemeinen ist das Pult genauso aufgebaut wie die der größeren Sender. Natürlich haben diese ein paar mehr Funktionen“, schließt er ab. Auch ein komplettes DJ-Equipment steht zur Verfügung, um innerhalb des Programms Live-Sessions starten zu können.

Trimedial aufgestellt

Über UKW ist das Radio innerhalb Münchens zu empfangen und auch im digitalen Bereich wird seit einigen Monaten über DAB+ gesendet, was ein vergrößertes Sendegebiet zur Folge hat. „Wir sind nicht nur Radio, sondern inzwischen trimedial aufgestellt.“ sagt Gehrig. „Es wird viel online veröffentlicht und gearbeitet, vor allem über unseren YouTube-Channel und Facebook, auch mit dem afk TV München gibt es viele Kooperationen.“ M94.5 pflege zudem ein sehr gutes Verhältnis zu „Soundcloud“ und nehme die Arbeit im Social Media-Bereich sehr wichtig. „Wir bürsten gerne gegen den Strich“, betont Gehrig. Und Max Fraenkel, Marketingleiter von M94.5, ergänzt: „Unseren Musikstil kann man als ‚Urban Temporary’ bezeichnen. Wir machen allerdings auch einfach das, was wir gut finden, sitzen an der Quelle, mit vielen Leuten, die in der Szene integriert sind, mit einem regen Kontakt zu Bands, und einem sehr guten Händchen für die Musik. Vieles was später groß wird, haben wir schon ein halbes Jahr vorher gespielt. Wir sind freier als andere Sender und können das spielen, was wir mögen, sind dabei immer topaktuell und lassen nichts anbrennen“.

Der Liveanteil des Radios ist verhältnisweise groß, lediglich die Sendung „Der gute Ton“ wird in weitesten Teilen vorproduziert. Nachts wird geplante Musik abgespielt. Insgesamt kommt M94.5 nach eigenen Angaben auf zehn bis zwölf Stunden live Programm, dabei ist live gemischte Musik eingerechnet. Beim Senden von Musik müssen wenige Vorschriften beachtet werden, anders als bei anderen Sendern hat M94.5 nur eine Heavy Rotation von 24 Songs und Medium Rotation von 48, der Rest kann aus dem Musikpool bezogen werden. Früher war der Sender laut Gehrig eher „indielastig“ orientiert. Das habe sich aber im Laufe der Zeit geändert. Heute werden auch Songs aus der Hip-Hop Szene gespielt, basslastige Musik, Jazz, aber auch Indie hat seinen Stellenwert nicht gänzlich verloren. „Der gute Kontakt zu Labels macht unseren Erfolg aus. Viele wissen, dass wir schneller als andere sind, dass sie bei uns Themen unterbringen die bei anderen Sendern nicht untergebracht werden“, berichtet Gehrig.

Das afk-Konzept geht offensichtlich auf. Zahlreiche Rundfunksender, nicht nur in Bayern, sondern in der ganzen Republik, profitieren heute vom Engagement des Aus- und Fortbildungsradios. Viele Radiomacher, die durch die M94.5-Schule gegangen sind, arbeiten heute bei großen Sendern und haben sich in der Szene einen guten Namen gemacht. Dazu gehören unter anderem Jan Herold, Moderator und Programmchef bei 95.5 Charivari (München), Florian Weber, Moderator bei der ARD (ARD Buffet, Das Duell im ERSTEN), Kai Schächtele, Journalist und Buchautor, und viele weitere. Das Netzwerk der ehemaligen Absolventen legt großen Wert auf guten Kontakt und veranstaltete parallel zum 17. Sendergeburtstag ein großes Alumni-Treffen.
Jakob Schrenker
(MB 09/13)

Zurück


Relevante Unternehmen
Ähnliche Artikel