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# Keine Schiene, keine Physik: Muybridge macht Kamerafahrten zur Softwarefrage
- URL: https://mebucom.de/technik/keine-schiene-keine-physik-muybridge-macht-kamerafahrten-zur-softwarefrage/
- Published: 2026-03-09T10:01:12.000Z
- Updated: 2026-03-09T10:01:18.000Z
- Description: Das norwegische Unternehmen Muybridge verschmilzt Hunderte von 4K-Sensoren in Software zu einer einzigen virtuellen Kamerabewegung – broadcast-tauglich, in Echtzeit und ohne bewegliche Teile. Das System wirft die Frage auf, wie viel mechanischer Aufwand sich künftig wegprogrammieren lässt.
- Author: Niklas Eckstein
- Tags: Medientechnologie, Events, Muybridge, Sportsinnovation, #wp, #wp-post, #Import 2026-06-28 15:06

Wer auf der SportsInnovation in Düsseldorf wusste, wonach er suchen musste, fand sie schnell: eine schmale schwarze Leiste, am ersten Tag unauffällig hinter dem Tor montiert, am zweiten links neben dem Basketball-Court. Wer nicht wusste, was er da sieht, ging wahrscheinlich einfach daran vorbei. Dabei steckt dahinter ein Ansatz, der die Produktionslogik klassischer Kamera-Schienensysteme grundlegend infrage stellt.

Aneesh Rajaram, CCO bei Muybridge, beschreibt die Kernidee so: „Wir verlagern alles – Physik, Schwerkraft, das schwere Equipment und sogar die menschliche Bedienung – in Software und managen es mit moderner Technologie."

![](https://mebucom.de/content/images/wordpress/2026/03/DSC00756.jpg)

Aneesh Rajaram (re.), CCO bei Muybridge, stellte das System auf der SportsInnovation in Düsseldorf vor. Das norwegische Unternehmen kommt aus dem Bereich Broadcast-Robotik und Broadcast-Engineering.

## Sensor Fusion statt Schienensystem

Das Prinzip: Statt eine einzelne Kamera mechanisch über eine Schiene zu fahren, besteht das System aus einer dichten Reihe von Einzelkameras. Pro Meter Schienenlänge sind 30 Kameras verbaut – beim Testaufbau auf der SportsInnovation ergab das auf zehn Metern insgesamt 300 Kameramodule. Die Länge der Anordnung ist dabei frei skalierbar. GPUs übernehmen die sogenannte Sensor Fusion: das Zusammenführen der Einzelbilder zu einer nahtlosen virtuellen Kamerabewegung, die sich von einer klassischen Dollyfahrt nicht unterscheiden lässt.

## Software-defined Imaging in Echtzeit

Die Kameras selbst sind 4K-Sensoren mit Standardobjektiven und einem Bildwinkel von etwa 54 Grad – in etwa dem menschlichen Sehfeld entsprechend. Der Abstand zwischen den einzelnen Modulen entspricht dabei bewusst dem Augenabstand des Menschen. „Die Idee ist, die Welt so zu sehen, wie wir sie mit unseren Augen sehen, und uns in Software genauso darin zu bewegen", erklärt Rajaram.

Die Steuerung erfolgt über einen handelsüblichen PS5-Controller. Weil die gesamte Kamerabewegung softwarebasiert simuliert wird, ist die Geschwindigkeit vollständig frei wählbar – von der extrem langsamen, kinematografischen Fahrt bis zur schnellen Bewegung quer durch das Bild, ohne dass physikalische Grenzen greifen. Mechanisch bewegt sich dabei nichts. Der Output ist broadcast-tauglich: 1080i, 1080p und 4K werden unterstützt, sowohl in US- als auch in europäischen Formatstandards.

![Muybridge Steuerung](https://mebucom.de/content/images/wordpress/2026/03/DSC007442.jpg)

Steuerung per PS5-Controller: Weil die Kamerabewegung vollständig in Software simuliert wird, lassen sich Geschwindigkeit und Richtung der virtuellen Fahrt frei und in Echtzeit anpassen.

## Flexibel in Aufbau und Anwendung

Das System ist nicht auf die horizontale Leiste beschränkt. Rajaram nennt mehrere Konfigurationen: vollständige 360-Grad-Kreise rund um einen Sportler oder eine Bühne, vertikale Anordnungen für Sportarten wie Basketball oder Turmspringen, oder individuelle Winkel und Offsets je nach Anforderung.

Das macht die Technologie besonders attraktiv für Umgebungen, in denen schweres Equipment schlicht nicht hinkommt oder die Protagonisten stören würde.

Einsatzbereiche sieht das Unternehmen in Sport, Live-Events, Studios und klassischen Broadcast-Produktionen. Ob sich die Technologie als fester Bestandteil moderner Sportproduktionen etablieren kann, wird sich zeigen. Die Frage, die Rajaram mit dem System aufwirft, ist aber eine echte: Wie viel von dem, was heute noch mechanisch gelöst wird, lässt sich künftig einfach wegprogrammieren?