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Special: MEDIEN BULLETIN

Die Welt als Dienstleistung

Bescheiden ist es, das Auftreten der Global Media Service, kurz GMS, in Eschborn bei Frankfurt. Der internationale Telekommunikationsriese dominiert den Vorraum mit seinem Logo, an der Tür zu dem von GMS bezogenen Flügel, ein wenig seitlich versteckt, gibt es nur ein kleines Klingelschild. Doch der unauffällige Auftritt des kleinen Unternehmens täuscht über seine Schlagkraft hinweg. GMS ist ein Studio- betreiber der anderen Art, ohne eigene Hallen oder Technik und damit durchaus als innovativ zu bezeichnen – und nicht nur, weil alle Übertragungen inzwischen in HD, vielfach sogar in Full HD sind.

GMS ist weltweit präsent, mit eigenem Standort in Singapur und mit Mitarbeiten an vielen internationalen Locations direkt beim Kunden. Demnächst soll noch Hongkong als eigener Standort dazukommen. GMS betreibt die audiovisuellen Installationen in großen Unternehmen der Finanzwirtschaft, der deutschen Industrie. Das sind ganze TV-Studios und als Studio einsetzbare Auditorien, vor allem aber die Video Conferencing Systeme.

Wenn ein großer Kunde eine Live-Veranstaltung für das interne Business TV übertragen will, dann stellt GMS dafür auch schon mal einen ganzen HD-Zug mit drei Kameras. „Business TV ist für uns durchaus ein Thema unseren Schwerpunkt haben wir aktuell aber ganz klar im Video Conferencing“, betont Tobias Enders der in dem Familienunternehmen für das Business Development zuständig ist, altmodisch ausgedrückt also für den Verkauf oder Neukundengeschäft. Das besondere dabei ist sicherlich, dass in den allermeisten Fällen die Auftraggeber der GMS die Eigentümer der technischen Einrichtungen bleiben, das sei bilanztechnisch das einfachste, so Enders. Allerdings arbeite man mit Fachunternehmen der Konferenz- und Studioausstattung zusammen, so dass man im Bedarfsfall auch hier entsprechende Angebote machen könnte. „Allerdings hat die Situation, so wie sie ist, deutliche Vorteile“, betont der Manager. „Wir haben eine unschlagbar günstige Kostenstruktur.“

Tatsächlich ist der Verwaltungsoverhead in Eschborn mit gerade mal sechs Mitarbeitern recht klein, die anderen der aktuell insgesamt 50 Mitarbeitern sitzen in der Regel direkt bei den Kunden, so dass kaum zusätzliche Miet- oder Infrastrukturkosten anfallen. „Die einzigen Kosten, die wir neben den reinen Personalkosten haben, sind die für die gründliche Aus- und Weiterbildung unserer Mitarbeiter. Diese Kosten sind aber essentiell um unsere Stellung zu behaupten.“ Ein weiterer Vorteil ist, dass Verträge in der Regel langfristig abgeschlossen werden und von daher eine große Planbarkeit vorhanden ist: „Keiner wendet sich an uns um nur eine Veranstaltung betreuen zu lassen. Wen wir einen Vertrag unterzeichnen ist dies mindestens für ein Jahr, meistens aber für zwei oder drei Jahre“, erläutert Enders, der zugleich das dynamische Wachstum des Unternehmens betont. Zu Beginn des Jahres, als die aktuelle Unternehmensbroschüre erstellt wurde, sprach man noch von 40 Mitarbeitern; bis Ende des Jahres sollen es bereits 60 sein. „Für die kommenden Jahre gehen wir von einem ähnlichen Wachstum aus“.

„Momentan haben wir am Markt eine Alleinstellung“, betont Enders. „Das was wir machen, verlangt viel Know How, das andere nicht haben.“ So sei es etwa falsch, die Mitarbeiter bei den Kunden, als bloße Servicetechniker zu verstehen. „Sie haben direkten Kontakt zum oberen Management und auch den Vorständen, die sie während der Konferenzen betreuen.

Dynamische Marktentwicklung

Etwa in Jeans dort aufzutreten ist einfach ein absolutes No Go!“ Der Dienstleister setzt daher konsequent auf Qualität und das sei auch der Grund für die vergleichsweise hohen Investments in Aus- und Weiterbildung, die sich nicht allein auf die Technik beschränkt. „Der Markt entwickelt sich inzwischen sehr dynamisch, da gerade Videoconferencing immer stärker nachgefragt wird. Immer mehr erkennen, dass damit inzwischen richtig Geld verdient werden kann. Da kommt sehr schnell der eine oder andere auf die Idee, auch den Betrieb der Anlagen zu betreuen.“ Glück für das Unternehmen, dass es so einfach dann doch nicht ist. Und seinen Vorsprung wird man in Eschborn nicht freiwillig aus der Hand geben.

Potentielle Wettbewerber sieht Enders etwa in großen Telekommunikations- und Netzwerkanbietern wie zum Beispiel der Deutschen Telekom, die auf die Idee kommen könnten, diesen Service auch mit anzubieten, da man die technischen Zulieferungen sowieso schon macht. Die eigentlichen Anfänge der GMS sind fast schon etwas chaotisch. 2004 gründeten Freelancer und Fachfirmen die die Medientechnik und Videokonferenzräume des Finanzinstituts betreuten, das heute noch der größte Kunde ist, das Unternehmen. Das einzige Konzept, das ursprünglich dahinter stand, war der sanfte Druck des Kunden, der nicht viele einzelne Rechnungen überweisen wollte und mögliche administrative Probleme, wie etwa Scheinselbständigkeit, ausschließen wollte. Die jetzt so tragfähige Geschäftsidee formulierte sich erst im Laufe der Zeit.

Das außergewöhnliche Wachstum soll auch in den kommenden Jahren so weitergehen, etwa 20 Prozent im Jahr bis 2015. Betrachtet man das Marktumfeld, könnte diese Prognose durchaus realistisch oder gar noch sehr konservativ sein. Dabei ist durchaus globales Wachstum im Kalkül.
Schon heute kann GMS Aufträge weltweit abwickeln, auch dort, wo man noch nicht mit eigenen Mitarbeitern präsent ist. „Wir sind in der GPA, der Global Presence Alliance, und haben damit Partnerunternehmen in fast allen relevanten Ländern“, erklärt Enders. Das hat aber auch Grenzen, da auch hier GMS seine Alleinstellung behauptet. Unsere Partner, das sind vor allen Dingen Installations- und Ausstattungsfirmen, deren Techniker bei Projekten und Installationen hervorragende Arbeit leisten.

Kooperation mit Partnerunternehmen

Sobald ein größerer Service und dauerhafter Betrieb gefragt ist, müssen wir eigene Leute anheuern und ausbilden“, betont der Manager und ergänzt, dass es auch durchaus Einschränkungen für die eigene Firma gibt: „In Singapur etwa würden wir nie selbst für einen Kunden ein Konferenzraum oder Studio bauen, das würden wir immer an unseren Partner dort abgeben. Im Moment konzentriert sich GMS bei der Kundenakquise noch allein auf die großen DAX-Konzerne. „Bei kleineren Unternehmen mit vielleicht bis zu drei Systemen, da lohnt es sich in der Regel nicht. Aber so, wie sich der Markt insgesamt entwickelt, könnte auch dieses Segment für uns in Zukunft interessant werden. Und auch ein stärkeres Engagement im Bereich von Business TV würde er für die Zukunft nicht kategorisch ausschließen. Das Know How jedenfalls ist da!
Dieter Brockmeyer
(MB 10/2011)

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