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IP-Übertragung gewinnt an Relevanz

Special: MEDIEN BULLETIN

IP-Übertragung gewinnt an Relevanz

Den Ausstellungsbereich der MEDIENTAGE MÜNCHEN 2012 nutzen auch in diesem Jahr wieder Anbieter von Rundfunk-Übertragungstechnik zur Präsentation ihrer Services und Lösungen. Vertreten waren hier unter anderem Eutelsat, SES, Deutsche Telekom, T-Systems, MEDIA BROADCAST, Code One und die Internet-Agentur Schott.

IP-basierte Übertragungen von Videosignalen für Streaming- oder On-Demand-Services gewinnen zunehmend an Relevanz – nicht nur bei Rundfunk- und Web-TV-Sendern sondern bei allen Medienhäusern ebenso wie bei vielen Event-Veranstaltern und Unternehmen in der Kunden- und Mitarbeiterkommunikation. Das Bewegtbild, so konnte man auch wieder in diversen Vorträgen bei den MEDIENTAGEN MÜNCHEN 2012 hören, ist schließlich ein zentraler Treiber in der Wertschöpfung der digitalen Medienwelt. Vor diesem Hintergrund macht es viel Sinn, dass sich Unternehmen, die Lösungen und Dienstleistungen zur Distribution und Kontribution von Audio-/Videosignalen anbieten, auch dem Fachpublikum der MEDIENTAGE MÜNCHEN vorstellen. So geschieht es, dass man bei diesem Event auch verstärkt Vertreter bekannter Hard- und Software-Hersteller trifft, die man sonst eher auf Broadcast-Messen wie der NAB oder der IBC erwartet. „Die MEDIENTAGE MÜNCHEN bieten eine ausgezeichnete Gelegenheit zum Networking“, ist die einhellige Meinung dieser Besucher. Hier trifft Medientechnik auf Medienwirtschaft und -politik – und vor allem auch auf die wichtigen Entscheider.

Direkt vor dem Eingang zum International Congress Center München hatte nicht nur der Bayerische Rundfunk seinen Übertragungswagen FÜ3 geparkt sondern auch das oberfränkische Unternehmen Schott einen zum Sat-Mobil umgebauten PKW. Vorgestellt wurde hier der neue Service Satspeed NewsSpotter zur Video-IP-Übertragung via Eutelsats KA-Band-Satellit. NewsSpotter ist ein Service des zu Eutelsat gehörenden italienischen Unternehmens Skylogic.

Die Sat-Anlage von Schott wird als transportables System oder zur festen Montage auf einem Fahrzeug angeboten, Sie richtet sich automatisch zum Satelliten aus und ist laut Schott in nur fünf Minuten einsatzbereit. Für die genutzten Übertragungsbandbreiten fallen keine monatlichen Grundgebühren an. Buchbar sind 0,5 bis 10 Mbit/s dedizierte Bandbreite inklusive Internetzugang (1 Mbit/s up und 10 Mbit/s down). Die Kosten für eine Stunde Streaming mit 10 Mbit/s liegen laut Schott bei unter 100 Euro. Schott kooperiert beim Satspeed NewsSpotter-System im Encoder-/Decoder-Bereich mit dem Odelzhausener Unternehmen Teracue. Dessen Geschäftsführer Wolfgang Schmiegelt war selbst auf den MEDIENTAGEN präsent. “Wir sehen das von Schott angebotene System vor allem in den Anwendungsbereichen Live-News-Gathering und Broadcast-Kontribution“, erklärte er. Aber auch für Event-Veranstalter sei es durchaus interessant. Die von Teracue gelieferten HD/SD-SDI-Encoder/Decoder, die mit dem Video-Codec H.264 und dem Audio-Codec AAC arbeiten, habe man für die KA-Sat-Anwendung recht einfach anpassen können. Es handelt sich dabei auf der Sendeseite um den portablen, sehr kompakten Encoder ENC-300-HDSDI, der die Audio-/Video-Signale der Kamera in ein IP-Signal wandelt, und auf der Empfangsseite um den gleichermaßen handlichen Decoder DEC-300-HDSDI, der das Signal dann wieder zurückverwandelt.

Schmiegelt ist auch von der Zuverlässigkeit des KA-Band-Satelliten überzeugt. Eutelsat garantiere 97 Prozent Zuverlässigkeit, erklärte er. Bei allen Tests, auch bei sehr schlechtem Wetter, habe man bislang keinerlei Probleme mit der Sat-Übertragung gehabt.

Ein weiterer interessanter Showcase zur IP-basierten Videoübertragung war auf dem Stand der Deutschen Telekom zu sehen. Der Bonner Telekom-Riese hatte bei den MEDIENTAGEN MÜNCHEN den Ausstellungsplatz von Akamai Technologies besetzt. Das Unternehmen für Cloud-basierte Managed Services zur Bereitstellung von Inhalten und Applikationen für Web, Mobile, Online-HDVideos und E-Commerce-Transaktionen war diesmal nicht mit einem eigenen Stand vertreten. Jürgen Metko, Regional Sales Manager Central Europe und Benelux bei Akamai, und seine Kollegen schauten trotzdem vorbei.

Die Deutsche Telekom hatte das Düsseldorfer Unternehmen Code One als Standpartner eingeladen, um die Video-Streaming-Einsatzmöglichkeiten via 4G-Mobilfunkstandard LTE zu demonstrieren. Produktmanager Christian Leykam und Geschäftsführer Zlatko Kauric stellten, wie schon auf der IBC im September, in einer Live-Demonstration mit dem „Backpack Kit Generation 2“ die neue Version ihres Senderucksacksystems vor. „Er ist nun kleiner, leichter und noch leistungsstärker“, erklärte Kauric. Live-Bilder und Videomaterial ließen sich damit schnell, kostengünstig und unkompliziert senden. Der Senderucksack wird in verschiedenen Leistungsvarianten angeboten. In der einfachsten und kostengünstigsten Version (BPK2430W als reine Webstreaming-Lösung) bietet er die Möglichkeit, vier 4G/3G-Kanäle zu bündeln (Bonding), in der leistungsstärksten Version verfügt er über die Nutzungsmöglichkeit von acht 4G/3G-Kanälen.

Die Code One-Bündelungstechnologie integriert neben UMTS- und LTE- auch DSL-, WIFI- und Satelliten-Konnektivität. So ist es möglich insgesamt zwölf Kanäle zu bündeln. Eingesetzt werden Hochleistungsencoder mit integriertem FEC und Adaptive Bitrate Control. „Damit können wir auch bei schwierigen Leitungsbedingungen bis zu 30 Mbit/s senden“, berichtete Kauric.

Auf dem diesjährigen Oktoberfest wurde der Code One-Senderucksack übrigens gemeinsam vom Institut für Rundfunktechnik (IRT) und dem Bayerischen Rundfunk (BR) getestet. Jürgen Kreissl, BR-Leiter Außenübertragung, bestätigte auf den MEDIENTAGEN MÜNCHEN am Stand des IRT gute Code One-Übertragungsergebnisse beim Wiesn-Test. „Auf dem Oktoberfest-Gelände, egal ob im Festzelt oder im Riesenrad, hatten wir erstaunlich gute und stabile Bilder“, berichtete er. Er ist sich jedoch auch darüber im Klaren, dass die LTE-Übertragung von Live-Bildern nur solange gut funktioniert, wie LTE-Funkzellen nicht von vielen Mobiltelefunk-Nutzern wie bei UMTS genutzt werden. Problematisch bei Live-Übertragungen via LTE ist zudem auch noch das Delay, gab Matthias Hammer vom Bereich Network Technologies des IRT zu bedenken. Für Kauric ist das Senderucksacksystem indes auch für Überspielungen zum Sender für zeitversetzte Übertragungen hilfreich. Und selbst wenn keine Verbindung aufgebaut werden könne, sei man mit dem Code One-System auf der sicheren Seite, weil die Aufnahmen im System immer auch abgespeichert werden und dann später übertragen werden können.

Das IRT hatte auf den MEDIENTAGEN MÜNCHEN wie gewohnt einen eigenen Stand auf dem schwerpunktmäßig die Themen HbbTV und ´ präsentiert wurden. Zudem war das IRT auch noch als Projektpartner einer Remote-Produktion-Päsentation am Stand der Deutschen Telekom-Tochter T-Systems präsent. Beteiligt waren hieran auch noch die Unternehmen Dimetis, Net Insight und Cisco. Dabei wurden beim IRT in München-Freimann ein Sportplatz-Szenario mit einer fernsteuerbaren Kamera aufgebaut. Deren Signale wurden mit 30 Mbit/s-Verbindung über NetInsights Nimbra-Plattform an den MEDIENTAGE-Stand von T-Systems übertragen. Die Kamera ließ sich hier mit einem Panasonic-Kontrollpanel fernsteuern. Man konnte sie unter anderem mit einem Joystick schwenken und in das Bild rein- und raus zoomen. Zudem konnte man auch zu den Kameras in den Panel-Räumen der MEDIENTAGE umschalten. Diese Anbindung lief über ein Cisco-System und Signalverteilung über eine Software-basierte Kreuzschiene, die über das Boss-System von Dimetis gesteuert wurde. Auch Dimetis-Geschäftsführer Joachim Kniesel wurde am T-Systems-Stand gesichtet. Über die Kreuzschiene wurden die Signale über einen Cisco Media Processor an ein Content Delivery Network zur Multiscreen-Verteilung geschickt. „Die hier gezeigte Technik eignet sich besonders für Sportübertragungen oder anderen Events, bei denen aus Kostengründen kein hoher technischer Produktionsaufwand betrieben werden kann“, erklärte hier Dr. Martina Domeyer, Account Director ARD und ZDF. „Bei unserem Showcase hier bilden wir den gesamten Signalweg von der Linse bis hin zum Display ab.“

T-Systems ist dabei, sich als IT- und Netzwerkdienstleister wieder neu im Rundfunkbereich zu positionieren. Nach dem Verkauf der Abteilung MEDIA BROADCAST an die französische TDF-Gruppe hatte man sich aus der Sparte verabschiedet. Nach einer Karenzzeit will man jetzt wieder einsteigen. In der nächsten Ausgabe berichtet MEDIEN BULLETIN (MB 12/2012_1/2013) ausführlich über die Hintergründe.

MEDIA BROADCAST gehört traditionell zu den Ausstellern der MEDIENTAGE MÜNCHEN. In diesem Jahr präsentierte man schwerpunktmäßig die Themen Hybrid Interactive TV sowie Broadcast Network Services (BNS), eine Plattform für Content-Austausch und Übertragung. Erstmal bei den MEDIENTAGEN MÜNCHEN war KIT digital vertreten. Wie schon auf der IBC 2012 stellte das Unternehmen Fernsehsendern und Netzbetreibern seine Lösungen für OTT-TV, Hybrid-TV, SmartTV, Multiplattform- und Multiscreen-Distribution vor (siehe Extra-Beitrag in dieser Ausgabe). Eckhard Eckstein
(MB 11/12)

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