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Konsequent aus der Nische

Special: MEDIEN BULLETIN

Konsequent aus der Nische

Das Deutsche Anlegerfernsehen (DAF) stellt seinen Hauptsitz in Kulmbach nicht in Frage. der neue Redaktions- und Studio-Standort in Frankfurt gewinnt dennoch immer größere Bedeutung.

Schillerstraße – das ist nicht nur ein vormals erfolgreiches Comedy-Format im deutschen Fernsehen, sondern seit neuestem tatsächlich die Frankfurter Anschrift des Außenstudios des Deutschen Anlegerfernsehens (DAF). Der Blick aus dem Fenster fällt genau auf den Börsenplatz und auf Figurengruppe Bulle und Bär vor dem Eingang zum deutschen Anlegertempel. Bis vor kurzem residierte der Sender noch direkt am Börsenplatz in einem denkmalgeschützten Gebäude, das doch viele Einschränkungen mit sich gebracht hätte. „Die neuen Räume hier haben nicht nur ein Drittel mehr an Fläche, sie kosten auch etwa ein Drittel weniger“, freut sich der Chefmoderator und Vorstandsmitglied Dr. Bernhard Jünemann. Das mehr an Platz macht sich bezahlt: So konnten erstmals Schnittplätze eingerichtet werden. „Damit können wir jetzt Beiträge hier in Frankfurt komplett erstellen“, so der DAF-Frontmann. Von einer völligen redaktionellen technischen Unabhängigkeit ist Frankfurt allerdings noch weit entfernt. Die ist, zumindest vorerst, auch gar nicht angestrebt, sagt Conrad Heberling, Vorstandsvorsitzender der kleinen TV AG, die sich im 100-prozentigen Besitz der im fränkischen Kulmbach ansässigen Börsenmedien AG befindet. Insgesamt hat der Sender drei Vorstände. Auch Mick Knauf, Chefkommentator von der Börse, gehört dazu. Viele kennen seinen markanten Glatzkopf von den Liveschalten des Nachrichtensenders N24 an die Börse. Diese werden seit einigen Jahren vom DAF zugeliefert.

Kulmbach ist mit rund 30 Mitarbeitern der größte Standort des Senders, wo sich auch das Playout, das Hauptstudio und Regie befindet. In Frankfurt gibt es neben dem Interviewstudio in der Schillerstraße auch noch einen Platz auf dem Balkon über dem Handelssaal der Frankfurter Börse, von dem die Liveschalten in das DAF eigene Magazin „Börse Live“ und die Liveschalten für den Nachrichtensender N24 gemacht werden. In Frankfurt sitzen fest acht Mitarbeiter. Zwei weitere sitzen an der Wallstreet in New York, um von dort Schalten beizusteuern. Aber die ganze Studio-Regie geht immer über Kulmbach. Das heißt, von Kulmbach werden die Fenster für Liveschalten und Aufzeichnungen vergeben, die ziemlich strikt eingehalten werden müssen. Obwohl in Frankfurt jetzt genügend Platz für eine eigene Senderegie wäre, sieht Heberling aktuell noch keine Notwendigkeit für diese Investition: „Eine eigene Senderegie war bisher und ist nicht notwendig, da die bestehende Senderegie in Kulmbach mit unseren Satellitenpositionen sehr gut eingespielt ist.“

Zu der Börsenmedien Gruppe gehören auch das Anleger Magazin „Der Aktionär“, aber auch der Onlinebroker Flatex AG. „Es gibt enge Kooperationen zwischen dem DER AKTIONÄR und dem DAF, das heißt, einen permanenten und sich gegenseitig befruchtenden, redaktionellen Austausch von Tages- und sonstigen Börsen-, Wirtschafts- und Finanzthemen“, erklärt Heberling. Dieser Austausch mit seiner Cross-Promotion-Wirkung ist sicherlich ein klarer Vorteil für den kleinen Anlegersender. Hinter der Börsenmedien AG steht der Kulmbacher Medien- und Finanzunternehmer Bernd Förtsch, der vor allen Dingen in der Zeit des Neuen Marktes von sich reden machte. Dem Lokalpatrioten gelang es jedenfalls die Turbulenzen, in der Folge des Zusammenbruchs des Neuen Marktes, gut zu bewältigen und seine Gruppe völlig neu aufzustellen. Flatex etwa ist heute in Deutschland ein bedeutender Online Broker, der 2011 sogar Testsieger der Stiftung Warentest war.

Deutscher Wirtschafts- und Finanzsender

Die Ziele des kleinen Spartensenders DAF, der erst im Jahr 2006 gegründet wurde und dem Heberling jetzt seit gut einem Jahr vorsteht, sind ambitioniert: „Das mittelfristige Ziel des DAF ist es, der gesamtdeutschsprachige Wirtschafts- und Finanzsender á la der englischsprachigen Finanzsender, wie beispielsweise Bloomberg oder CNBC zu werden, die allerdings primär die anglosächsischen und asiatischen Märkte im Blickfeld haben und den deutschsprachigen Raum eher ausblenden. Dieses Alleinstellungsmerkmal, das heißt die Bedienung des gesamtdeutschsprachigen Marktes, werden wir konsequent weiter ausbauen“, sagt Heberling. Für den weiteren Ausbau wurden in diesem Jahr die Weichen gestellt. Das bis dahin auf zehn Stunden beschränkte Programm, mit Live-Börsenberichten und Interviews mit Finanzexperten und Anbietern von Finanzprodukten wurde auf 24 Stunden ausgebaut, vor allem in der Prime Time sind jetzt zusätzlich Dokumentationen zu sehen. „Die Ausweitung der Sendezeit von zehn auf 24 Stunden und die Erweiterung des Programmspektrums um hochwertige Dokumentationen aus den ZDF-Enterprises Bibliotheken und Ratgeber-Formaten in der Primetime und an den Wochenenden ist ein Erfolg und erfreut sich steigender Akzeptanz bei den Zuschauern. Die Primetime wächst insbesondere mit den Reihen ‚Moderne Wunder‘ und ‚Alaska State Troopers‘“, zieht der DAF-Vorstandschef eine positive Bilanz.

In der Branche hält sich hartnäckig das Gerücht, das DAF sei ein Sender ohne Zuschauer. Heberling widerspricht dem vehement: „Kumuliert über den Tag haben wir bereits etwa 250.000 Zuschauer, Tendenz steigend.“ Um den Kritikern den Wind aus den Segeln zu nehmen legt er gleich noch nach, denn während andere kleine Sender aus Kostengründen gerne mehr oder weniger aufwendige eigene Forschungen bemühen, setzt das DAF auf harte Währung: „Die Zahlen werden über das AGF/GfK Fernsehpanel ermittelt“, sagt der Senderchef. Die Zahl ist auch insofern bemerkenswert, weil die technische Reichweite des Senders im TV begrenzt ist. Außer über Satellit ist das DAF nur noch über T-Entertain und die Kabelnetze von Unitymedia KabelBW auf dem heimischen Fernseher zu empfangen. Allerdings setzte der Sender schon lange konsequent auf das Internet. Alle Beiträge sind gleich nach Ausstrahlung im TV Programm Online abrufbar. „Unser kostenloses VoD ist ein zusätzlicher Service für unsere Zuschauer. Unsere Mediathek verfügt derzeit über 50.000 Videos zu ca. 3.000 Einzelaktien. Wie gerne dieser Service in Anspruch genommen wird beweisen die Zahlen von rund eine Millionen VoD-Downloads pro Monat“, ist Heberling stolz.

Doch wie verdient der Sender sein Geld? Klassische Werbespots sind auf dem DAF nur wenige zu sehen. „Haupteinnahmequellen des Senders sind Sponsorings, Corporate Produktionen, Spots, Kooperationen und Teleshopping-Erlöse“, sagt er. So ist etwa das wöchentliche Beratungsmagazin der Commerzbank nicht nur bei dem großen Konkurrenten n-tv zu sehen. Im Anschluss sendet es auch das DAF. Eine wohl recht große Bedeutung haben die Verwertungspakete, die die Interviewpartner erwerben können und die es etwa ermöglichen, die Sendung in die eigene Unternehmens-Homepage einzubinden oder auf andere Art damit zu werben.

Jünemann betont, dass dabei die redaktionelle Unabhängigkeit gewahrt bleibe und das Unternehmen keinen Einfluss etwa auf die Fragen nehmen dürfe. Heberling hingegen hebt hervor, dass die Bedeutung solcher Verwertungen sehr bedeutsam sei: „Vor dem Hintergrund des Daytime-Kerngeschäftes und der breiteren Aufstellung in der Primetime ist DAF zunehmend idealer Vermittler der Botschaften für Unternehmen aus allen Bereichen der Finanzwirtschaft und für Unternehmen, die diese schwierig zu erreichende Zielgruppe benötigen. Wir helfen dabei, diese Zielgruppe zu vermitteln.“

Dieter Brockmeyer
(MB 12/13_01/14)

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