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Sehr gute Resonanz

Special: MEDIEN BULLETIN

Sehr gute Resonanz

Die Deutsche Telekom-Tochter T-Systems engagiert sich wieder als Dienstleister im Rundfunkbereich. Derzeit ist man intensiv mit Planung und Bereitstellung des Rundfunknetzes Broadcast Service Net (BS Net) befasst. In diesem Zusammenhang wurde von Mitte Januar bis Ende März im T-Systems-Rechenzentrum in Frankfurt Niederrad mit den Partnern Juniper, VIDI/Media Links und Dimetis ein Showcase mit vielfältigen Anwendungen zur Kontribution und Distribution von Medieninhalten präsentiert.

Nachdem sich T-Systems vor vier Jahren von ihrer Rundfunk- und Mediensparte getrennt hat, startet sie jetzt wieder mit einem Ende-zu-Ende-Lösungspaket für die Branche durch – von der Broadcast-Eventleitung und den Rundfunkübertragungsnetzen, der Remote Production, der Mediathek, IPTV und Entertain bis hin zu klassischen ICT-Lösungen. Zur Angebotspalette der T-Systems für die Medienbranche gehören zudem Storage- und Langzeitarchivierungs-Lösungen oder Mediatheken, über die die Rundfunksender den Fernsehzuschauern zusätzliche Informationen und Zugriffe auf Sendungen über das Internet ermöglichen. Angestoßen wurde das erneute Rundfunkengagement der T-Systems von Holger Hille, Leiter Vertrieb Länder und Kommunen bei T-Systems. Zur Verstärkung hatte er sich mit Dr. Martina Domeyer und Jochen Geiß zwei ausgewiesene Rundfunkexperten von Vodafone ins Team geholt. Beide zeichnen nun im Bereich Public Sector von T-Systems für Planung und Organisation der Netze und IT-Lösungen für TV- und Radiosender verantwortlich, Domeyer als Account Director ARD und ZDF und Geiß als Technical Sales Manager ARD und ZDF. Darüber hinaus steht den Rundfunkanstalten das Sales-Team aus Stefan Bott und Joachim Jaax für den Bereich der Telekommunikation sowie Harald Henkel und Markus Rodermund für den Bereich IT zur Verfügung.

T-Systems präsentierte seine Broadcast-Services in diesem Jahr erstmals wieder auf der NAB 2013. „Wir sind vor allem hier, um die Ernsthaftigkeit unseres erneuten Broadcast-Engagements unter Beweis zu stellen und um hier Gespräche mit unseren potenziellen Kunden zu führen“, erklärte Hille. „Der Wiedereinstieg in das Broadcast-Geschäft ist für mich als Manager eine logische Konsequenz aus dem, was wir an Netzinfrastruktur und -services anzubieten haben. Wir sind immer auf der Suche nach neuen Umsatzfeldern und wollen möglichst viel Content auf unsere Netze bringen. Die Rundfunkanstalten sind für uns da ganz natürliche Partner. Mit dem BS Net wollen wir in unserem Dienstleistungsportfolio lediglich eine Lücke schließen“, betonte er. Mit dem geplanten neuen BS Net tritt T-Systems wieder in Konkurrenz zu MEDIA BROADCAST und deren Rundfunknetz BNS (Broadcast Network Services). Eigene terrestrische Netze, wie MEDIA BROADCAST sie bei DVB-T und DAB+ betreibt, will T-Systems jedoch nicht aufbauen. „Soweit gehen wir in unserem Dienstleistungsangebot nicht. Wir sehen uns eher als Enabler für die Rundfunksender, die ihre Signale terrestrisch verbreiten wollen. Um ein DVB-T-Signal selbst auszustrahlen müssten wir schon Eigner der Frequenz sein“, meinte er. Und Domeyer weist darauf hin: „MEDIA BROADCAST nutzt bei der terrestrischen Übertragung auch Leistungen der Deutschen Funkturm GmbH (DFMG).  Der Betreiber von Funktürmen ist eine Tochter der Deutschen Telekom. Mit den Kollegen stehen wir natürlich in engem Kontakt. Für uns ist es interessant, die Leitungen von den Rundfunkhäusern zu den DVB-T-Sendern anzubieten. Das sind ja unsere Leitungen.“ T-Systems, erklärt Hille, sei auch mit dem Mitbewerber MEDIA BROADCAST im Gespräch. „Es geht uns nicht darum, einen Krieg gegen irgendjemand zu führen. Wir engagieren uns vielmehr ganz gezielt in Bereichen, wo wir Ressourcen haben und wo wir unsere Dienstleistungen gemeinsam mit Partnern am Markt anbieten können. Das ist unser Geschäft“, betont er. Die wesentliche Differenzierung zu Mitbewerbern sei, dass T-Systems seinen Kunden als „ ICT-Vollsortimenter“ sehr viel mehr Dienstleistungen anbieten könne, egal ob SAP-Outsourcing- oder Managed Desktop Services. „Alles was auf dem Netz aufbaut, das muss unsere Dienstleistung sein aus der wir eine Wertschöpfung bei marktgerechten Preisen generieren“, betont er.

BS Net Showcase

Um potentiellen Kunden, insbesondere aus dem Bereich der öffentlich-rechtlichen Sender, die Möglichkeiten der T-Systems in Sachen Broadcast-Kontribution und -Distribution aufzuzeigen, hatte das Unternehmen von Mitte Januar bis Ende März im T-Systems-Rechenzentrum in Frankfurt Niederrad ein BS Net-Showcase initiiert.

„Mit dem Showcase haben wir belegt, dass wir medienspezifische Netze mit vielfältigen Anwendungen für Kontribution und Distribution abbilden können. Wir sind in der Lage, Netze für Events aufzusetzen ebenso wie regionale und andere Netze, um die Kommunikation, den Transfer und die Verteilung von Inhalten zwischen den Produktionshäusern und den einzelnen Rundfunkanstalten sicher zu stellen“, sagt Hille. Besonderer Vorteil des BS Net sei seine Mandantenfähigkeit und die Gewährleistung der Flächendeckung in Deutschland.

Martina Domeyer ergänzt: „Im Rahmen des Frankfurter Showcases wollten wir auch zeigen, dass wir in der Lage sind, Hardware und Software unterschiedlicher Partner oder Hersteller zu kombinieren und dabei sichere Prozesse zu gewährleisten. Mit unserem Showcase haben wir die typischen medienspezifischen Anwendungen präsentiert, um von einer Quelle zu einer Senke zu schalten – mit unterschiedlichen Formaten im Audio- und im Video-Bereich, mit Monitoring- und Redundanz-Optionen.“ Jochen Geiß hat Konzeption, Aufbau und Betrieb des Showcases verantwortet. Er war zudem – zusammen mit seinen Kollegen Bott und Jaax – für die Kunden-Präsentationen zuständig. „Die Rückkehr der T-Systems in das Broadcast-Geschäft wurde von den Sendern sehr positiv aufgenommen. Auch unser Showcase kam bei ihnen sehr gut an“, berichtet er. „Als Kunden dafür haben wir natürlich zunächst die öffentlich-rechtlichen Sender im Auge, würden aber auch private Sender bedienen. Je mehr Traffic wir auf unser Netz bekommen, umso besser“, meint Geiß. Die T-Systems will den Sendern für alle Anwendungsbereiche ein „Rundum-Sorglos-Paket“ mit gemanagten Netzen, hoher Diensteverfügbarkeit und Servicequalität zur Verfügung stellen – zunächst nur in Deutschland, später auch in ganz Europa. Es soll in der Lage sein, mittelgroße Regionalnetze abzubilden, Netze zu koppeln, nieder- bis hochbitratige Schaltverbindungen zwischen Rundfunk- und Produktionshäuser zu realisieren sowie kurzfristig spezielle Event-Netze aufzubauen.

Als Partner im Boot hatte T-Systems beim Showcase in Frankfurt Niederrad Juniper Networks, VIDI/MediaLinks und Dimetis. Aufgebaut waren hier vier Technik-Racks, die verschiedene Kundenlocations darstellen sollten und zwei Racks mit integrierter Backbone-Technik. Die Technik-Racks waren in Flightcases der Firma Vidi integriert. Dieselben Flightcases waren unter anderem schon bei der Europameisterschaft in Polen und Ukraine 2012 und bei der Ski WM 2013 in Schladming im Einsatz. „Wir haben damit gezeigt, dass wir auch kompakte, mobile Technik für Event-Einsätze bereit stellen können“, betont Bott, der im T-Systems Vertriebsteam Ansprechpartner für die Leitungsbüros und somit für die großen TV-Events von ARD und ZDF ist. „In Schladming sorgte T-Systems übrigens als Generalunternehmen für die Signalübertragung bei der ARD. VIDI war als Subunternehmer für die Umsetzung vor Ort engagiert worden.“

„Martina Domeyer und ich haben bereits in der Vergangenheit Erfahrungen unter anderem mit dem ARD HYBNET sammeln können. Schon damals haben wir sehr gut mit unseren jetzigen Partnern VIDI und Medialinks zusammen gearbeitet. Wir haben intensiv die Alternativen geprüft, aber letztendlich fiel uns die Entscheidung leicht, auch bei unserem aktuellen Showcase mit ihnen zu kooperieren“, sagt Geiß. VIDI organisierte dabei die Adaptionstechnik von MediaLinks. Und die Partnerschaft Dimetis, erklärt Geiß, sei fast selbstredend. „Das Unternehmen ist, was Management-Systeme angeht, einer der großen etablierten Anbieter in Europa wenn nicht gar weltweit. Der BOSS LINK Manager hat eine so hohe Produktreife, dass man ihn guten Gewissens einsetzen kann“, betont er. Als Technologiepartner im Bereich IP MPLS (Multiprotokoll Label Switching) habe man Cisco und Juniper ins Auge gefasst, sich am Ende dann aber für Juniper entschieden. Dieses Unternehmen sei mit seinen Systemen zwar noch nicht in deutschen Broadcastnetzen vertreten, wohl aber in anderen Ländern, insbesondere in den USA. „Juniper war auch sehr interessiert daran, sich im Rahmen des Showcases zu engagieren und hat uns dabei sehr intensiv unterstützt“, berichtet Geiß.

Um maximale Bandbreite anbieten zu können plant T-Systems den Bau eines Backbones zwischen den elf größten NGN-Pops der Deutschen Telekom. „Wir gehen davon aus, dass wir mittelfristig 100 Gbit/s als Backbone-Strecken brauchen werden. Das kann man explizit nur an diesen großen Standorten sicherstellen. Von dort aus wollen wir das Ganze mit bis zu 10 Gbit/s Richtung Kunden verbreiten. Damit sind wir dann flächendeckend gut aufgestellt“, erklärt Geiß. Das BS Net von T-Systems soll auf Basis der MPLS-Technologie (Multi Protocol Label Switiching) aufgebaut werden. Mit der gewählten Lösung habe man „mehr Intelligenz im Netz“. Wenn es mal zu Leitungsfehlern, Netzknotenausfall oder Kapazitätsengpässen kommen sollte, könne man damit trotzdem einen reibungslosen Signaltransport durch schnelles Umrouten sicherstellen. Bei MPLS kann zudem die Übertragungsbandbreite im Netz optimal ausnutzt werden, was Kosten verringert. Mit BS Net lassen sich neue Standorte schnell anbinden, was besonders für kurzfristig zu realisierende Event-Lösungen interessant ist. Ein weiteres Plus bietet die hohe Sicherheit der Netzverbindungen. Die Knotenpunkte eines MPLS-Netzes sind für die Außenwelt unsichtbar und abgeschlossen, Daten werden in einem virtuellen Tunnel übertragen.

Netzbasis des BS Net ist also das Telekom-Netz mit Ethernet Connect beziehungsweise WDM (Wavelength Division Multiplex) und elf redundante PoP-Standorte in der Bundesrepublik. Aufgesetzt auf diesen Transport- und Konnektivitäts-Layer sind der E2E Service-Layer für dynamische E2E-Verbindungen inklusive Redundanzoptionen, der Adaptionstechnik-Layer zur Bereitstellung der Rundfunkschnittstellen (eingesetzt werden hier MediaLinks MD 8000 Systeme), der Management-Layer für Überwachungs-, Konfigurations- und Schaltfunktionen in einer Oberfläche (Boss Link Manager Dashboard und Easy Connector) sowie der Dienste-Layer (Kunden-Interface) zur Bereitstellung der aufbereiteten Services für die Rundfunkanstalten.

Aktuell ist man bei T-Systems noch dabei, Business Cases für das BS Net zu entwickeln. Bis Ende des Jahres könnte das neue Rundfunknetz startklar sein.
Eckhard Eckstein
(MB 05/13)

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