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Special: MEDIEN BULLETIN

So natürlich wie möglich

Die südafrikanische Produktionsfirma Earth-Touch ist auf Natur- und Tierfilmdokumentationen spezialisiert. Die HD-Dokus des in Durban ansässigen Unternehmens werden weltweit vermarktet. Unlängst bearbeitete das Londoner Studio Igloo Post eine Earth-Touch-Dokuserie für den britischen Naturfilmsender Eden Channel. Eingesetzt wurden dabei Quantel-Systeme.

Das Londoner Postproduktionshaus Igloo Post in Soho ist darauf spezialisiert, ganz besondere Anforderungen zu bedienen. In den vergangenen 18 Monaten wurden dort allein 16 Natur- und Tierfilmdokumentationen digital bearbeitet. Sechs dieser Dokumentationen hat der britische Spartensender Eden Channel, der schwerpunktmäßig Naturfilm- und Umweltdokumentationen zeigt, diesen Sommer binnen einer Woche unter dem Label der neuen Doku-Serie „Earth-Touch“ präsentiert.

Igloos Online Editor und Geschäftsführer Brian Ainsworth war bei diesem Großauftrag nicht nur gefordert, unter großem Zeitdruck zu arbeiten, sondern auch mit einer Fülle verschiedener Formate umzugehen. Zu diesem Zweck hat Igloo das mit der Quantel-Software 4.1 ausgerüstete eQ-System dafür sieben Tage pro Woche eingesetzt. In seinem Erfahrungsbericht schildert Brian Ainsworth, wie effizient er mit dem eQ von Quantel die komplette Online-Bearbeitung vom Ingest über Farbkorrekturen bis zu den Playouts unterschiedlicher Formate vornehmen konnte.

Earth-Touch ist eine südafrikanische Produktionsfirma in Durban, die sich auf Natur- und Tierfilmdokumentationen spezialisiert hat. Das Unternehmen hat zehn Kamerateams auf der ganzen Welt im Einsatz, um überall spektakuläre Naturschauspiele in HD-Qualität aufnehmen zu können. Die Auswertung von Earth Touchs Safari-Tour erfolgt nicht nur weltweit durch verschiedene Fernsehsender, sondern auch auf Online-Plattformen im Netz, wo es zum Teil auch als Livestream angeboten wird.

Igloo arbeitet sehr eng mit diesem südafrikanischen Unternehmen zusammen, denn Earth-Touch wird von dem Igloo Co-Geschäftsführer Costa Theo betrieben und ist somit eine Art Schwesterunternehmen. Das Londoner Postproduktionshaus teilt sich auch seine Räumlichkeiten mit dem Londoner Büro von Earth-Touch, in dem auch der Executive Producer Chris Fletcher ein- und ausgeht. Insgesamt sind im Studio in Soho in den letzten 18 Monaten 16 einstündige Naturdokumentationen entstanden; darunter 13 Produktionen, für die Rohmaterial von Earth-Touch verwendet worden ist. Derzeit wird an der Fertigstellung von sechs weiteren Naturfilm-Dokumentationen für den Eden Channel gearbeitet. Ein derartiger Großauftrag stellt für das Postproduktionsunternehmen angesichts der derzeitigen schwierigen Wirtschaftslage eine große Erleichterung dar.

„Zeitdruck in der Postproduktion gehört zu unserem Alltagsgeschäft“, konstatiert der Igloo-Chef. „Wir kalkulieren in der Regel zwei Wochen Bearbeitungszeit für eine Dokumentation. In dieser Zeit müssen sämtliche Arbeiten vom Conforming über die Farbkorrekturen bis zur Ausgabe der Muster erfolgen, die allesamt mit dem eQ von Quantel vorgenommen werden. Nur für die Konvertierungen setzen wir ein Alchemist-System ein.“

Alle Dokumentarfilme werden in HD (1080/50i) mit Sonys hochauflösendem HDCAM Camcorder HDW-F900 aufgenommen. Die Produktion und Offline-Bearbeitung erfolgt unter der Aufsicht von Graeme Duane, Roger Hoaten und Lara Cox im Hauptquartier von Earth-Touch in Durban. Für den Schnitt wird Final Cut Pro eingesetzt und das eingelesene HDCAM-Material unkomprimiert im QuickTime-Dateiformat mit zehn 10 Bit auf Festplatten gespeichert und nach London geschickt.
Zwei Arbeitswochen bedeuten dabei 14 Arbeitstage, denn an den Wochenenden wird durchgearbeitet und mitunter auch Nachtschichten eingeschoben. Sobald die Festplatten eingetroffen sind, wird das Final Cut Pro-Material ins AAF-Dateiformat umgewandelt, damit es in Quantel eingelesen werden kann. Bei der Konvertierung setzt Igloo auf die Transfer-Plugins von Automatic Duck, womit sich die Timeline von FCP problemlos übertragen lässt. Selbst wenn sich sechs Layer-Spuren auf der Time Line befinden, werden alle Spuren auf der Quantel-Timeline ausgelesen. Lediglich für die Bildraten und -größen gilt es, einige kleinere Abweichungen nachzujustieren. Nach dem Konvertierungs-Prozess wird ein weiterer Tag für den Ingest des Materials benötigt.

„Für das Online-Conforming und die Korrekturen veranschlagen wir vier Tage und für das Color Grading zwischen acht bis zehn Tagen. Die Farbkorrekturen erfordern einen zeitlichen Spielraum, denn der Aufwand dafür lässt sich nicht immer exakt im Vorfeld bestimmen. Wir stellen oftmals Material zusammen, das an unterschiedlichen Tagen in verschiedenen Lichtsituationen aufgenommen worden ist, was eine besondere Herausforderung darstellt. Hinzu kommt, dass das Material mitunter während verschiedener Jahreszeiten aufgenommen worden ist. In solchen Fällen versuchen wir, die wechselnden Farbschattierungen der jeweiligen Fauna sowie die differierenden Lichtverhältnisse aneinander anzugleichen, um daraus einen einheitlichen Look zu generieren.

Das erweist sich vor allem bei Unterwasseraufnahmen als schwierig.“„Wir versuchen allen Aufnahmen ein möglichst natürliches Aussehen zu verleihen“, erklärt Ainsworth. „Da diese Natur-Dokumentationen für den Weltmarkt produziert werden, sollen sie ein möglichst breites Publikum ansprechen. „Einige der Dokumentationen sind sehr ungewöhnlich; in einer geht es zum Beispiel um einen Mann, der mit Krokodilen taucht, was es noch nie zuvor gegeben hat. Earth-Touch lässt verschiedene Stilformen bei der Bearbeitung der unterschiedlichen Dokumentationen zu, aber als Grundregel gilt, die Farben dabei so natürlich wie möglich aussehen zu lassen. „Wir wollen nicht das Blau des Himmels künstlich verstärken, um die Aufnahmen besonders wirklichkeitsgetreu erscheinen zu lassen, sondern setzen auf einen natürlichen Look.“

Jederzeit sind Korrekturen möglich

Im Rahmen der engen Zusammenarbeit mit Earth Touch werden laufend noch diverse Elemente hinzugefügt und verändert, während die Coloristen unter der Federführung von Tori Janke bereits die Feinabstimmungen vornehmen. „Es ist eine der großen Vorteile der Quantel-Systeme, dass jederzeit ohne größeren Zeitaufwand Korrekturen am Material erfolgen können, ohne dass dafür neuer Speicherplatz in Anspruch genommen wird“, betont Ainsworth. Für das Sound Design und die Tonmischung zeichnet David Birch in Südafrika verantwortlich und die graphischen Arbeiten werden bei Earth Touch in Durban vorgenommen.
Die größte Herausforderung bei der aktuellen Staffel für den Eden Channel stellte die Bearbeitung der Folge „Pride in Battle“ dar. „Der Kameramann Brad Bestelink ist einer Herde Löwen über mehrere Jahre gefolgt, so dass das Material von häufigen Jahreszeitenwechseln gekennzeichnet war“, erläutert Ainsworth. „Bei der Folge 'Tauchen mit Krokodilen' haben wir mit Pogo Film zusammengearbeitet, um die Deadline einhalten zu können, weil wir zu dieser Zeit drei Naturdokumentationen fertig gestellt haben.

Generell sind wir in der Lage, zwei Projekte parallel zu bearbeiten, wenn wir am Wochenende durcharbeiten und Spätschichten einlegen.“ Dadurch sind die Quantel-Systeme bei Igloo stets im Einsatz. Da die Folge „Tauchen mit Krokodilen“ zur gleichen Zeit fertig gestellt werden musste wie „Pride in Battle“ und „Cheetah: Price of Speed“ wurde Jamie Dickinson von Pogo engagiert, um am eQ das Grading vorzunehmen .
Derzeit arbeitet Igloo an einer Earth-Touch-Dokumentation für National Geographic, die in Koproduktion mit einer anderen Firma entsteht.

Sämtliche Aufnahmen sind mit 60 Bildern pro Sekunde aufgezeichnet worden. Das Material wird mit einer Bildrate von 23.98 bearbeitet, weil die Final Cut Pro-Dateien des Koproduktionspartners in diesem Format ausgelesen werden. „Wir hatten befürchtet, dass sich dies zu einem Albtraum entwickeln könnte“, gesteht Ainsworth, „doch mit dem eQ von Quantel lässt sich diese Anforderung reibungslos umsetzen. Wir haben die Bildrate des Quellmaterials übernommen und haben auch die Timecodes für das Playout 1080/59.94i aus dem 23.98-Master generiert. Es ist ein sehr beruhigendes Gefühl zu wissen, dass das System von Quantel alle Formate in voller Auflösung einlesen und bearbeiten kann.“

Ein weiterer Vorteil dieses System sei, dass der gesamte Finishingprozess damit vorgenommen werden kann, was die Overheadkosten niedrig halte. Da sich der Sitz von Earth-Touch in Südafrika befindet, wird stets verglichen, ob es nicht günstiger wäre, die gesamte Postproduktion lokal vor Ort zu realisieren. „Trotz unserer engen Zeitpläne sind wir stets in der Lage, erstklassige Ergebnisse zu produzieren. Unsere Naturdokumentationen werden von verschiedenen Fernsehsendern rund um den Globus ausgestrahlt wie ARTE, RDF, Canal+, dem Smithsonian Channel, National Geographic sowie neuerdings dem Eden Channel.“
Als nächster Schritt wird die Bearbeitung von Naturdokumentationen in Stereo3D anvisiert. Der eQ bei Igloo arbeitet derzeit mit der Software 4.1 und soll für die Stereo-Bearbeitung nun das Betriebssystem V5 erhalten. „Wenn das Geschäft mit den britischen Dokumentarfilmproduktionen gut läuft“, resümiert der Igloo-Chef, „planen wir, unsere Quantel-Suite noch weiter auszubauen.“
Birgit Heidsiek
(MB 10/2011)

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