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Vermischung von Knast und Medizin

Special: MEDIEN BULLETIN

Vermischung von Knast und Medizin

Der bisherige TV- und Film-Produzent Philipp Steffens, Jahrgang 1979, ist seit dem 31. März dieses Jahres neuer Fiction-Chef bei RTL. MEDIEN BULLETIN sprach mit ihm über die neue RTL-Serien-Produktion „Der Knastarzt“.

Wie ist die Idee zu „Der Knastarzt“ entstanden?

Ich hatte zunächst eine andere Idee für ein Medical, die aber von RTL aus unterschiedlichen Gründen nicht realisiert wurde. Dabei hatten wir aber bereits einen guten Draht zueinander gefunden und wollten etwas anderes Besonderes machen. Die Autoren Robert Dannenberg und Stefan Scheich, mit denen ich auch „Der letzte Bulle“ (für Sat.1, die Red.) kreiert habe, sind dann auf die Idee für „Der Knastarzt“ gekommen. RTL-Redakteurin Brigitte Kohnert, die bei der Entwicklung von der Stunde Null an dabei war, war Feuer und Flamme dafür.

Was ist das Besondere an der Serie?

Ich glaube, so etwas hat es bisher noch nicht im Fernsehen gegeben. Wir vermischen eine Knastserie mit einer Medizinserie. Wir erzählen von einem Arzt, der im Knast arbeiten muss, unter der Besonderheit, dass er selber Insasse ist. So wie bei „Der letzte Bulle“ die Besonderheit war, dass er zwanzig Jahre im Koma gelegen hatte, so ist die Besonderheit bei „Der Knast-arzt“, dass ein Häftling als Arzt arbeiten darf.

Die Fälle, um die es beim Knastarzt geht, sind alle erdacht?

Die Fälle sind erdacht. Die medizinischen Fälle wurden aber recherchiert, zumal sie immer einen besonderen Kniff haben sollen, um zunächst auch etwas rätselhaft zu sein. Aber auch die sind mit einer gewissen Freiheit umgesetzt worden, zumal wir vermeiden müssen über bestimmte Medikamente zu reden, für die es Markenrechte gibt, und die man deshalb gar nicht erwähnen darf.

Worin besteht der dramaturgische Spannungsbogen?

Da gibt es verschiedene Aspekte. Zum Beispiel: Unser Protagonist hat immer zwei Patienten, dessen Leben er retten möchte. Auf der anderen Seite gerät er durch die Aktionen, die er dafür unternimmt selber in Gefahr. So entsteht jeweils eine Dopplung der Gefahr, persönlich und im medizinischen Fall. Und beim Zuschauer entsteht eine hohe Empathie für die Hauptfigur, aber auch für den Häftling selber.

Wie lange hat die Entwicklung der ersten Serien-Staffel mit sechs Folgen gedauert?

Wir haben vorletztes Jahr, 2012, im November den Piloten gedreht, der dann Ende Januar letzten Jahres an RTL übergeben wurde. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir uns bereits überlegt, wie wir die Serie, sofern wir den Auftrag bekommen, weiter erzählen können. Wir hatten bereits Drehbuchaufträge für weitere Folgen. Nach einer Marktforschung, die positiv ausfiel, haben wir dann im April die Zusage bekommen, das Projekt zu drehen und haben damit ab Juli 2013 in einem Düsseldorfer Knast angefangen.

An welche Zielgruppe wendet sich „Der Knastarzt“?

Wir haben die Serie für ein breites Publikum angesetzt, zwar mit nur einem Held im Mittelpunkt, was ich gut finde, aber mit einem starken Cast rundherum. Da ist für jeden etwas dabei: Den Held gespielt von Bernhard Piesk finden Frauen bestimmt nicht uncharmant. Ältere Frauen finden sicher auch Clelia Sarto (Gefängnisdirektorin, d. Red) ganz spannend und attraktiv. Und mit Aleksandar Javanovic haben wir auch einen sehr markanten Bösewicht. Für die jungen Männer und auch jungen Frauen ist sicher Laura Oswald attraktiv, die ja auch bereits einen hohen Bekanntheitsgrad hat (u.a. als Hauptdarstellerin von Doctor’s Diary auf RTL, d.Red).

Und das alles zusammen ist schlicht gute Unterhaltung?

Ja genau. Ich finde, das ist Unterhaltung im besten Sinn, auch mit neuen Gesichtern. Das ist auch der Weg, den wir bei der Entwicklung der Serie von Anfang an gegangen sind.

Sind schon weitere Staffeln beschlossen?

Nein, da ist bislang noch gar nichts beschlossen.
Erika Butzek

(MB 3/14)

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