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Special: MEDIEN BULLETIN

Viel vom Radio gelernt

Unterföhring bei München ist ein beliebter Standort für Playout-Dienstleister. Neben Astra APS und Smartcast ist dort auch die Deutschland-Niederlassung von Media Choice zu finden. Treibende Kräfte hinter dem Full-Service-Anbieter für Sender und Netzbetreiber sind die beiden Broadcast-Profis Ferry Ouwendijk und Hansgeorg Lichte.

Ferry Ouwendijk und Hansgeorg Lichte verfügen über langjährige Erfahrungen in der Produktion von Lokal-TV- und Sparten-TV-Programmen – in technischen wie in programmlicher Hinsicht. Lichte war Chef eines Münchener Lokalsenders, der 2005 im Rahmen der Neuordnung des Lokalfernsehens in München seine Sendelizenz verlor. Und Ouwendjjk hatte sich in Holland schon früh auf den Betrieb eines Servicecenters für TV-Sender und Netzbetreiber konzentriert. Für die immer größer werdende Kundschaft entwickelte er seine Angebote kontinuierlich weiter. Dabei konnte er viel Wissen aus dem Radiobereich einbringen. Ouwendijk war schon als Schüler Moderator des Lokalradios in seiner Heimatstadt. „Hinsichtlich der Automatisierung kann das Fernsehen viel vom Radio lernen, zum Beispiel wie man Routineaufgaben weiter automatisieren kann, wie Werbung angepasst und eingebucht wird oder wie man Inhalte lokalisieren kann“, erklärt Ouwendijk.

1998 traf er erstmals mit Lichte auf der NAB in Las Vegas zusammen. „Wir haben schnell festgestellt, dass wir auf der gleichen Wellenlänge liegen auch mit Blick auf die Einschätzung, wohin sich der Broadcast-Markt entwickeln wird und welche Werkzeuge hier künftig gebraucht werden“, betont Lichte. Beide beschlossen deshalb gemeinsame Sache zu machen und gründeten die Media Choice Deutschland in Unterföhring, als reines Serviceunternehmen für Netzbetreiber und Fernsehsender mit Kunden in allen Größen. Die Technik von Media Choice steht bei großen Satellitenbetreibern wie Eutelsat oder Astra, aber auch bei vielen Kabelnetzbetreibern überall in Europa.
Ouwendijk und Lichte arbeiten zwar in einer gemeinsamen Firma zusammen, jeder ist dennoch für seinen jeweiligen Heimat-Markt verantwortlich. „In einem vereinten Europa sind viele Projekte ohnehin vernetzt. Viele Kabelnetzbetreiber gehören zum gleichen Konzern und die Senderfamilien agieren schon lange auf europäischer Ebene“, meint Lichte. Zwischen den Multis gäbe es auch viele kleine unabhängige Fernsehprojekte.

„Genau hier liegt unsere Stärke“, so Lichte. „Wir bieten den Kunden eine komplette Lösung aus einer Hand an, lokal oder europäisch, zu Konditionen, die es auch kleinen Kunden erlaubt einen Sender zu betreiben. Dabei spielt es keine Rolle, ob der Sender in SD, HD oder auch 3D ausgestrahlt wird. Und natürlich geht der Sender nicht nur über Kabel, Satellit oder Antenne, sondern auch auf die neueren Web- oder „i“-Plattformen, oder auch als VOD.“

Die Besonderheit ist die technische Architektur der Lösung von Media Choice: Der Service ist als webbasierter Service für die Kunden direkt über das Internet nutzbar. Damit kann man ganze Fernsehsender dezentral betreiben, ohne eine klassische Sendeabwicklung – und im Prinzip sogar ohne klassische Redaktionsräume. „Für unsere Kunden ist das Internet der Arbeitsplatz für die Erstellung der Inhalte und die Distribution auf allen Verbreitungswegen“, sagt Lichte. Das betrifft nicht nur die Distribution der Programme, sondern auch die Erstellung der Inhalte. Inhalte werden per RSS-Feed automatisch abgeholt und in Fernsehbeiträge integriert. In einfachen Fällen wie z.B. Wetter ist das noch leicht vorstellbar, wenn Programmteaser automatisch aus dem EPG erstellt wird, dann wird es schon spannender.

„Programme positionieren sich heute nicht mehr nur durch ihre Inhalte, sondern im zunehmenden programmlichen Wettbewerb werden auch Form und Verpackung der Programme als Wiedererkennungsmerkmal immer wichtiger“, erklärt Lichte. „Wir erstellen nicht nur automatisiert die Inhalte, sondern bringen sie auch in die Form im Look & Feel des Senders. Der Kunde kann die Produktion von inhaltlichen, aber auch „prozedualen Elementen“ einfach vergessen, es ist keinerlei Vorwissen über Videobearbeitung nötig. Die so erstellten Clips werden automatisch in die Playlists eingebucht und auch gleich in den EPG integriert. Als Beispiele führt Lichte hier Wettervorhersagen, Programmhinweise, Veranstaltungshinweise oder auch Nachrichten für die Zielgruppe an. Unterschiedliche Rechtevergaben sorgen für klare Verantwortlichkeiten innerhalb des Benutzerkreises.

Sogar das Erstellen von Playlisten wird überflüssig. „Hier haben wir viel vom Radio gelernt“. So werden den Inhalten einige Parameter mit auf den Weg gegeben, nach denen sich die Clips selber in Playlists einbuchen. „Ich bin ein Musik-Clip, Musikfarbe Pop der 70er, soundsoviel Beats per minute, spiele mich heute zwischen 18 und 23 Uhr insgesamt viermal, aber wiederhole mich nicht innerhalb von 60 Minuten. Spiele mich nur in Bayern, aber nicht in München“ - Lichte beschreibt die auf den ersten Blick ganz einfache Logik als „klassische Mengenlehre“. „Das ist sehr effektiv, nicht nur bei den programmlichen Elementen. Auch in der Werbung bietet sich der Einsatz an, wenn man beispielsweise eine bestimmte Anzahl GRPs oder eine unterschiedliche Anzahl von Ausstrahlungen in bestimmten Regionen erreichen möchte. Es ist uns wichtig den Arbeitsaufwand für die Verwaltung der Inhalte so zu minimieren, dass die Kunden sich auf die Produktion der Inhalte konzentrieren können, denn die sind ja letztlich die Seele des Programms“.

Und neben all der Automation wird das Thema Sicherheit bei Media Choice groß geschrieben. Ein 24/7 besetztes Operation Center sorgt für dauerhafte Erreichbarkeit von Mitarbeitern, alle Programme werden dauerhaft beobachtet, auch in Details wie Audioformaten, PIDs oder Teletext. Weitere Sicherheitsaspekte sind der Transport über gesicherte Leitungen und IP-accesslists. Dabei ist es laut Lichte unwesentlich, ob es sich bei den Sendern um ein Live-Programm oder um ein Programm mit vielen Wiederholungen handelt. Denn Media Choice ist an viele wichtige Übergabepunkte in Europa angebunden. Laut Lichte können darüber sehr preiswert Inhalte aller Art transportiert werden, egal ob per FTP oder als RTP-Stream. Auch bei großen Sendern und Plattformbetreibern im Fernsehmekka Unterföhring surren die Geräte still und leise vor sich hin und sind national oder gar europaweit auf Sendung.

All-in-One-Lösung

Dabei ist es Lichte wichtig zu sagen, dass Media Choice kein reines Softwarehaus ist, sondern ein Full-Service-Anbieter für Sender oder Netzbetreiber. Letztlich kann der Kunde auch mit seiner bisherigen Planungssoftware weiter arbeiten, Media Choice übernimmt dann die Playlisten aus der Sendeplanung und kümmert und um die Distribution der Inhalte, entweder filebasierend oder als Streaming. Dann kann man auch einzelne der neuen Möglichkeiten nutzen, ohne eingespielte Workflows umstellen zu müssen.

Von den über 70 TV-Sendern, für die Media Choice derzeit das Playout durchführt, nutzen allerdings die meisten die hauseigenen Tools. Einer dieser Sender ist ein Programm, das von Media Choice selber veranstaltet wird: Das Programm „Goed-TV“ (auf Deutsch „Gutes-TV“) berichtet ausschließlich über die Arbeit von Stiftungen und anderen karitativen Einrichtungen. In das Programm können Kabelnetzbetreiber eigene Informationen integrieren und darüber Imagepflege betreiben – eine wichtige Aufgabe in Zeiten zunehmender Konkurrenz, auch für Netzbetreiber. Und ganz nebenbei ist Goed-TV inzwischen in die Top-10 der holländischen Kabelprogramme aufgestiegen. Ein Erfolg, nicht nur für das Programm selbst, sondern auch für die Playoutlösung, mit der Media Choice das Programm herstellt, verwaltet und verbreitet. Weitere Infos unter www.mediachoice.tv
Eckhard Eckstein
(MB 10/2011)

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