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Werkzeug für IP-basierte  Rundfunk-Produktion

Special: MEDIEN BULLETIN

Werkzeug für IP-basierte Rundfunk-Produktion

Lawo, Hersteller von Audio- und Video-Equipment für Rundfunkproduktionen, feierte auf der diesjährigen IBC die Premiere des V_link4. Das 19“/1HE Gerät ist als All-in-One-Box-Lösung für die Video-Contribution über IP konzipiert. Es integriert vom Video-over-IP-Coding über die Signalbearbeitung bis hin zum Video/Audio Delay-Meßsystem alles in einem kompakten Werkzeug. Dies erhöht nach Angaben des Herstellers die Flexibilität, schafft Platz im Rack und spart Einrichtungszeit und Produktionskosten.

Der Lawo-Stand auf der IBC 2013 war immer gut besucht. Besonders groß war das Interesse an Lawos V-pro8-Präsentation und an der neuen All-in-One-Box-Lösung V_link4. Auf Basis der IP-Netzwerktechnologie bietet sie Rundfunkunternehmen neue, kosteneffiziente Produktionsmöglichkeiten. „Beim Zukunftsthema Remote-Produktion ist IP die Voraussetzung, um zuverlässig hochwertige Videosignale mit geringer Latenz zu überschaubaren Kosten vom Veranstaltungsort zum Studio zu transportieren. Aber auch in klassischen Anwendungen wie der Signalübertragung von einer Stagebox im Stadion zum Ü-Wagen, bietet die IP-Technologie wirtschaftliche und operative Vorteile“, berichtet Lawos Marketing-Direktor Andreas Hilmer. Der Lawo V_link4 sei ein kompaktes Werkzeug, um die Vision von IP-basierter Rundfunk-Produktion schon heute zu ermöglichen. Das Gerät kombiniert ein bi-direktionales, vierkanaliges Video-over-IP-Interface mit allen Signalbearbeitungs- und Konvertierungswerkzeugen, die standardmäßig in der Kontribution von Audio- und Videodaten bei Rundfunkproduktionen eingesetzt werden. Der V_link4 bietet vier 3G/HD/SD-SDI Ein- und Ausgänge, zwei 10Gbit Ethernet-Ports, vier 1Gbit-Ethernet Ports, sowie MADI und RAVENNA Audio-Konnektivität. Vier Coding Engines erfüllen höchste Ansprüche an Videoqualität und Zuverlässigkeit beim Signaltransport. Das integrierte Error Concealment in Verbindung mit dem Frame-Store und der Nutzung des Parallel Redundancy Protocol (PRP) ermöglichen es dem System, Netzwerkausfälle abzufangen, ohne die Datenübertragung zu gefährden. Format und Qualität der IP-Video-Streams lassen sich einzeln konfigurieren, um das für die Anwendung jeweils optimale Verhältnis zwischen Bildqualität, Latenz und Bandbreite zu erreichen. Kodierungs-Algorithmen umfassen DiracPro, JPEG2000, MJPEG und H.264 sowie ein Raw-Mode für den transparenten Transfer von unkomprimierten Videodaten in Produktionsqualität.

Neben dem IP-Coding bietet der V_link4 Frame-Synchronisation für jeden Kanal, variable Audio- und Video-Delays, Embedding und De-Embedding (inklusive Abtastratenwandlung), RGB Farbkorrektur samt Proc Amp für jeden Kanal sowie zwei Surround-auf-Stereo Downmixer pro Embedder. Der ebenfalls integrierte Dolby E Aligner, Quadsplit Multiviewer, Waveform und Vectorscope Display, Timecode Insertion, Test Pattern Generator und Video ID Generator je Kanal sowie das integrierte Meßsystem für Video/Audio Delays machen das Gerät zum umfassenden Komplettwerkzeug für Videokontribution.

Das Management der IP Video-Streams des V_link4 erfolgt komfortabel über Lawos Stream Director. Die Java-basierte Software lässt sich auf jedem Betriebssystem mit Java-Runtime-Umgebung wie Windows, Mac OSX oder Linux betreiben. Sie zeichnet sich unter anderem durch einen ausgefeilten Auto-Discovery-Modus aus, der automatisch alle verfügbaren V_link-Geräte in einem Netzwerk identifiziert. Der Anwender kann jeden Video-Eingang mit einem Namen versehen, der zusammen mit dem Video-Stream transportiert wird. Dies ermöglicht die einfache Identifizierung von Videosignalen auch in großen Produktionsumgebungen. Das Routing der Streams in der Software erfolgt intuitiv über „Drag-und-Drop“. Der V_link4 lässt sich laut Hilmer nahtlos in Studioumgebungen einbinden und kann über die Ember+ Schnittstelle von externen Steuersystemen wie dem KSC-Manager von BFE oder dem Virtual Studio Manager von LSB gesteuert werden.

Lawo Commentary Unit

In einer Weltpremiere präsentiert Lawo auf der IBC 2013 seine Lawo Commentary Unit (LCU). Entwickelt wurde sie in enger Zusammenarbeit mit Host Broadcast Services (HBS), dem Hostbroadcaster der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien. Die LCU soll laut Hilmer dort zum Einsatz kommen.

Das volldigitale Kommentatorensystem basiert auf RAVENNA, einer Technologie zur Echtzeitübertragung von Audiodaten über IP (Audio-over-IP). Damit ist es möglich, sowohl Spielstätten wie auch Geräte über Standard-IP-Netzwerke miteinander zu vernetzen, was den Verkabelungsaufwand reduziert und gleichzeitig die Flexibilität des Systems erhöht.

„Guter Kommentatorton spielt für den Erfolg von globalen Großveranstaltungen eine Schlüsselrolle. Die Lawo Kommentator-Lösung wurde insbesondere auf die Bedürfnisse der Rechteinhaber dieser Events zugeschnitten“, sagt Jörg Sander, CTO bei HBS. Die LCU ist auf einfache Bedienung ausgerichtet, so dass sich Kommentatoren voll auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren können und sich nicht mit der Technik beschäftigen müssen. Sie bietet ein intuitives Bedienfeld für bis zu drei Kommentatoren je Einheit; Mic-Preamps in Lawo-Qualität und unkomprimiertes Audio-Over-IP in Echtzeit (24 bit/48 kHz) garantieren kompromisslose Audioqualität. Ein hinterleuchtetes Display zeigt Funktionen und Einstellungen an.

Das System verfügt über drei Intercom-Leitungen, deren Lautstärke und Panning sich individuell einstellen lassen. Vervollständigt wird das User-Interface durch eine „Hilfe“-Taste. So kann der Kommentator schnell mit einem Service-Techniker Rücksprache halten. Für den Notfallbetrieb bietet das Gerät einen analogen Ausgang für die Mischung (Mix Out) und einen analogen Eingang für die Monitormischung der Headphones. Der Aux-Eingang lässt sich auch nutzen, um externe Quellen, zum Beispiel Laptops oder Tonbandgeräte, lokal in die LCU einzuspeisen. Die LCU wird durch die Lawo Commentary Control Software (LCC) ergänzt. Diese ersetzt die bisher zu einem zweiteiligen Kommentatorensystem gehörenden Commentary Control Units (CCU). Die LCC bietet eine integrierte Bedienoberfläche, um die komplette Kommentatoren-Installation zu administrieren. Die für Touchscreen-Bedienung optimierte Software erlaubt einfachen und effizienten Support von bis zu 20 Kommentatoren pro Screen. Sie zeigt den Echtzeit-Status aller angeschlossenen Geräte und steuert alle LCUs innerhalb des Netzwerks sowie das zentrale DALLIS I/O-System. Dieses verbindet die Kommentatoren-Installation mit der Außenwelt. Mit der LCC Software kann der Tontechniker in alle Signale jeder LCU hineinhören und mittels Remote-Funktionalität Service-Anfragen einfach per Mausklick lösen.

Neue Features für die mc2-Mischpult-Serie

Lawo präsentierte auf der diesjährigen IBC auch neue Features für die mc²-Mischpult-Serie, welche die Bedienfreundlichkeit und Produktionsqualität weiter erhöhen sollen. Das neu konzipierte Multi-Row-Metering erweitert die Metering-Möglichkeiten der mc² Mischpulte und verbessert Überblick und Kontrolle für den Anwender, insbesondere bei großen Produktionen. Eine zweite – oder sogar dritte – Metering-Reihe kann jetzt konfiguriert und oberhalb der ersten Metering-Reihe angezeigt werden. Dabei steht sowohl eine dauerhafte Anzeige bestimmter vordefinierter Signale als auch das Metering des zweiten Layers der jeweils angewählten Bank zur Verfügung. Für die Zuweisung der Signale werden die gewohnten mc² Zuweisungsmechanismen genutzt. 

Darüber hinaus kann der Anwender mittels User Button zwischen zwei verschiedenen Metering-Setups dynamisch umschalten.

Neben weiteren neuen Features zeigte Lawo erstmals die neue AutoMix-Funktion. Automix regelt automatisch die Pegel von aktiven und inaktiven Mikrofonen und wahrt dabei einen konstanten Gesamtsignalpegel. Dieses Feature stellt eine einzigartige Funktionalität für Talkshows und Panel Diskussionen dar. Ob Mono-, Stereo- oder Surroundkanäle – der Lawo AutoMix ist für beliebige Signale nutzbar. Damit ist das Feature im mc² Pult auch für das automatisierte Mischen von unabhängigen Signalen, zum Beispiel Internationalem Ton und Kommentatoren-Feeds nutzbar.

Der Automix minimiert nach Angaben des Herstellers Hintergrundgeräusche und Übersprechen und sorgt so für eine geringere klangliche Verfärbung der Signale. Auch abgehackte Satzanfänge und zu späte Fade-Ins sollen damit der Vergangenheit angehören.
Eckhard Eckstein

(MB 11/13)

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