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Start in die trimediale Zukunft

Radio Bremen (RB) hat ein neues, hochmodernes Funkhaus mitten in Bremen in Betrieb genommen. Zusammengefasst sind hier alle Online-, Hörfunk- und Fernseh-Aktivitäten der kleinsten ARD-Anstalt. Technik und Produktion, einschließlich Personal, wurde bereits im April 2006 komplett ausgelagert. Darum kümmert sich nun im neuen Domizil die Beteiligungsgesellschaft Bremedia. Neubau und Auslagerung sollen die finanzielle Situation des Senders verbessern helfen.

Im Stephaniviertel, direkt an der Weser und mitten im Stadtzentrum, hat Radio Bremen jetzt ein neues Funkhaus bezogen. Die bisherigen Standorte in Bremen-Osterholz (Fernsehen) und in Bremen-Schwachhausen (Hörfunk) wurden aufgegeben.
Die Kosten des Neubaus belaufen sich, inklusive der neuen Technik, auf etwa 80 Millionen Euro. Finanziert wurde das Projekt aus einer einmaligen ARD-Strukturhilfe in Höhe von 64,4 Millionen Euro und dem Erlös aus dem Verkauf der bisherigen Standorte.

Radio Bremen und seine Tochter- und Beteiligungsgesellschaften arbeiten im neuen Funkhaus mit rund 400 fest angestellten und 150 freien Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf einer Fläche von zirka 17.000 Quadratmetern, was etwa die Hälfte der bisher verfügbaren Fläche ausmacht.
Das neue Funkhaus besteht im Grunde aus drei Häusern, die architektonisch geschickt, durch „optische Blickachsen“ und durch Brücken miteinander verbunden, auf den von Radio Bremen erworbenen, drei separaten Grundstücksflächen im Stephaniviertel errichtet wurden. Im Haus Diepenau, dem „Zentrum“ des Senders, sind alle Redaktionen, Programmdirektion, Rechtsabteilung, Unternehmenskommunikation, Gremienbüro und Intendanz untergebracht. Das Stephani-Haus beherbergt insbesondere das Archiv und die Verwaltung und das Weser-Haus die Produktionsräume und Studios. Im Stephani- und im Weser-Haus stehen für externe Unternehmen zudem Mietflächen zur Verfügung.

Bauherr des Hauses Diepenau und des Weser-Hauses ist Radio Bremen, während das Stephani-Haus zu zwei Dritteln vom privaten „Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit“ (der Radio Bremen Versorgungskasse) und zu einem Drittel vom Landessender gebaut wurde. Alle drei Gebäude sind fünfgeschossig (zuzüglich je ein Untergeschoss).
Die Notwendigkeit, alle Radio Bremen-Aktivitäten an einem Standort zu bündeln, entstand aus dem Zwang zu Sparmaßnahmen. Gleichzeitig bot sich dabei auch die Chance, die veraltete Produktionstechnik an den ehemaligen Standorten durch innovative Technologien zu erneuern und mit modernen Workflows kosten- und zeiteffizienter arbeiten zu können. Das wiederum setze grundlegende organisatorische Veränderungen im Sender voraus. Radio Bremen Intendant Prof. Dr. Heinz Glässgen nahm zunächst erfolgreich eine Programmreform in Angriff, dann reduzierte er fünf Direktionsbereiche auf zwei (er selbst übernahm dabei nebenher den Job des Betriebsdirektors) und baute sozialverträglich Personal um 40 Prozent ab.

Trimediale Zentralredaktionen
Im neuen Funkhaus von Radio Bremen wurden die einzelnen Redaktionen von Hörfunk, Fernsehen und Internet zu trimedialen Fachredaktionen zusammengefasst. Ziel: Gemeinsames Arbeiten an den Inhalten für Fernsehen, Hörfunk und Internet. Wo früher mehrere Journalisten gleichzeitig ein- und dasselbe Thema für verschiedene Medien erarbeiteten, soll dies künftig auch einer gleichzeitig für alle Mediengattungen erledigen können. Möglich wird das durch ein gemeinsames, durchgängiges, innovatives Redaktionssystem und die Realisierung von Teambüros mit Funktionsarbeitsplätzen, die sehr flexibel genutzt werden können. Einzelne Reporter haben zum Beispiel ihre persönliche Büroausrüstung in Rollcontainern untergebracht mit denen sie sich zu jedem gerade freien Arbeitsplatz in den Fachredaktionen begeben können, um sich dort in das Redaktionssystem einzuloggen.

Außerdem wurde die Zahl der Redaktionsbereiche reduziert. Radio Bremen hat jetzt nur noch fünf multimediale Fachredaktionen: eine für Nachrichten, eine für Sport, für Politik, Wirtschaft und Regionales, eine für Kultur und eine für Bremerhaven. „Online-, Hörfunk- und TV-Redakteure arbeiten im neuen Funkhaus deutlich enger zusammen. Sie können jetzt viel besser miteinander kommunizieren“, betont Bernd Bielefeld, Projektingenieur Fernsehen von Radio Bremen. Er gehört mit Brigitta Nickelsen (Projektleitung Radio Bremen Neu) und Rolf Klapschinski (Projektingenieur Hörfunk) einer Projektgruppe an, die sich seit über vier Jahren mit der Realisierung des neuen Radio Bremen-Funkhauses intensiv befasst hat.

Bremedia Produktion GmbH
Ein weiterer wichtiger Schritt auf Radio Bremens Konsolidierungspfad war die komplette Auslagerung der Technik und der Produktion in die Bremedia Produktion GmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen von Radio Bremen (49 Prozent) und Bavaria Film (51 Prozent).
Die Bremedia wurde im November 2005 gegründet und nahm im April 2006 ihren Geschäftsbetrieb auf. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Produktion und Technik Radio Bremens wurden in die Bremedia übergeleitet. Die Idee hinter dieser Ausgliederung war, die Kapazitäten im Produktionsbereich auch durch Aufträge Dritter voll auszulasten. „Als Folge dieser Maßnahme konnten die Arbeitsplätze der rund 140 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Radio Bremens im Bereich Produktion und Technik erhalten und deren Kompetenz für Produktionen in Bremen gesichert werden“, sagt Intendant Glässgen.

Die Bremedia arbeitet heute als Produktionsdienstleister für die Programmdirektion von Radio Bremen und nutzt dabei die von Radio Bremen über das Tochterunternehmen Radio Bremen Media (RBM) angeschaffte Technik.
Die neue Produktionstechnik wurde insbesondere unter den Gesichtspunkten Kosteneffizienz und Zukunftssicherheit ausgewählt. Die technische Generalplanung wurde von MCI Consulting aus Hamburg durchgeführt, unterstützt durch GCA-Ingenieure aus München. Die Medientechnik entstand unter der Generalunternehmerschaft der BFE Medientechnik, Mainz. Für die Daten- und Netzwerktechnik zeichnete Computacenter verantwortlich, für Licht- und Bühnentechnik ARRI Lighting Solutions GmbH und für die Antennentechnik ND SatCom.

Trimediales Redaktionssystem
Kernelement der neuen Technik ist ein trimediales Redaktionssystem, das in seiner Form bislang einzigartig ist. Es besteht aus Softwarekomponenten der d’accord broadcasting solutions gmbh aus Hamburg und des Kölner System- und Beratungshauses S4M – Solutions for Media, einer Tochter von arvato systems und RTL Television. Als zentrale Plattform in der Medienproduktion wird die d’accord-Lösung eingesetzt, zu der insbesondere die Bausteine d’accord.radiosuite und die d’accord.tvsuite gehören.

Das gesamte Produktionsmaterial (Text, Audio, Video, Bilder) wird im Content-Management-System zentral verwaltet. Der d’accord.daily schedule unterstützt die Redaktionen von Hörfunk und Fernsehen bei ihrer Sendeplanung. Außerdem hat d’accord maßgeschneiderte Lösungen im Bereich der Themen- und Projektplanung entwickelt, welche das Ressourcenmanagement bei Radio Bremen optimieren und gleichzeitig den Informationsaustausch über redaktionelle Grenzen hinaus vereinfachen. Über das MOS-Protokoll werden Chyron-Schriftgeneratoren und auch Teile der S4M-Suite gesteuert.

Das VPMS-System von S4M übernimmt das komplette Video-Handling innerhalb des Redaktionssystems, das heißt, Ingest (die Steuerung des Aufzeichnungsprozesses von Videosignalen), Browsing (das Sichten von Videomaterial am PC-Arbeitsplatz), Vorschnitt und auch die Verwaltung des gesamten Videomaterials (Verwaltung sowohl der LowRes-Speicher für das Vorschaumaterial als auch der HighRes-Speicher für hoch auflösendes sendefähiges Videomaterial). Die Besonderheit des trimedialen Gesamtsystems von Radio Bremen ist laut S4M, dass Essenzen sowohl für Fernsehen, Radio und Web gleichzeitig zur Verfügung stehen und der direkte Austausch zwischen den verschiedenen Medientypen möglich ist. Damit werden für den Sender Synergien geschaffen, die eine schnellere und effektivere Information der Zuschauer, Zuhörer und Internetnutzer mit sich bringt.

„d´accord ist das große Hauptsystem, das alle Planungsebenen beinhaltet und die medien- und redaktionsübergreifenden Arbeiten gewährleistet. Im so genannten Topic Center von d´accord können alle Redaktionen, egal ob aus dem Hörfunk-, Fernsehen- oder Online-Bereich, ihre Ideen und Termine eintragen und gemeinsam planen. Und alle Audio- und Video-Applikationen sind medienübergreifend nutzbar. TV-Redakteure können zum Beispiel auf Hörfunk-O-Töne zugreifen und Hörfunk-Kollegen auf TV-Material“, erklärt Bielefeld. „Das VPMS-System von S4M bedient als spezialisiertes Fernsehmodul dabei im Hintergrund die videotechnischen Prozesse. Das heißt, alle Videodaten werden vom Content-Management her zunächst einmal zentral in das VMPS-System gelegt und dann an d´accord als übergeordnetes Content-Management-System weitergereicht.“ Bei der Materialsuche im zentralen Redaktionssystem trete VPMS zunächst gar nicht in Erscheinung. „Erst wenn ich in der d´accord Story-Library ein Video-File-Symbol doppelklicke, öffnet sich automatisch der Preview-Client von VPMS“, erklärt der Radio Bremen-Experte.

Vor der Entscheidung für d´accord und S4M hatte Radio Bremen auch andere Optionen getestet. „Wir sind dabei zu dem Ergebnis gelangt, dass der trimediale Gedanke am besten mit d´accord realisiert werden kann. Und mit S4M haben wir eine sehr starke Firma dabei, die viel Know-how in Sachen Videoproduktion, Archiv und Schnittstellenentwicklung mitgebracht hat“, sagt Bielefeld. Die Kombination von d´accord und S4M sei für Radio Bremen ideal.

Akquisitionsformat P2 DVCPRO 50
Beim technischen Neuaufbau seiner Produktionskapazitäten hatte Radio Bremen auch den bandlosen Workflow im Fokus. Als Aufnahmeformat wurde Panasonics DVCPro 50 gewählt. „Alles, was bei uns aktuell, aber auch im Bereich Feature-Dokumention produziert wird, geschieht im Format DVCPRO 50. In der Aktualität arbeiten wir durchgängig bandlos auf P2-Karten“, erklärt Bielefeld. Angeschafft wurden die ersten Testeinheiten im Jahr 2005. Während der Projektphase wurden noch mehrere Einheiten dazugekauft.

Als Alternative zu P2 DVCPRO 50 hatte Radio Bremen ursprünglich auch Sonys XDCAM untersucht. „Wir haben uns aber dagegen entschieden, weil wir schon lange DVCPRO als Produktionsstandard nutzen und wir kein zusätzliches Kompressionsverfahren im Haus einführen wollten“, sagte Bielefeld. Außerdem sei Panasonic mit P2 als Festspeicher schon lange auf dem Markt und etliche Workflows damit schon getestet und etabliert. Wir hatten die einmalige Chance, unsere Workflows komplett neu aufzusetzen und dabei fahren wir mit P2 sehr gut.“

Ingest, Online-Speicher und Archiv
Für den Material-Eingang stehen bei Radio Bremen zwei Ingest-Räume zur Verfügung. Neben dem zentralen Ingest gibt es im Bereich des Hauptschaltraumes (HSR) noch einen zweiten Ingest-Bereich mit IMX-, DVCPRO- und Digibeta-Bandmaschinen. „Der wird für typische HSR-Anwendungen benutzt, wenn Leitungsüberspielung noch via Band passieren oder etwas per Band aufgezeichnet werden muss. Zudem dient der Ingest-Platz beim HSR auch noch der Sendeabwicklung im Falle einer Havarie. Wenn der Playout-Server dort nicht funktioniert, kann man im Ingestraum ein vorgefertigtes Havarieband einlegen und über die Automation oder manuell mit abfahren“, erklärt Bielefeld.
Der zentrale Ingest wiederum zeichnet sich dadurch aus, dass dort sehr viele Bandmaschinen stehen, um dort auch die Digitalisierung des alten analogen Archivmaterials bewältigen zu können.

Im zentralen Ingest wird auch das eintreffende DVCPRO50-Material eingelesen und zwar sowohl in LowRes- als auch in HighRes-Qualität. Panasonics P2-Camcorder zeichnen beide Formate parallel auf. Beim Ingest-Prozess wird als erstes das LowRes-Material mit seiner niedrigen Datenrate übertragen und in das Redaktionssystem gestellt. „Ohne auf das HighRes-Material warten zu müssen, kann der Journalist an seinem Arbeitsplatz auf Basis des LowRes-Materials schon einmal anfangen zu sichten und zu schneiden. Im Hintergrund läuft dann etwas langsamer das HighRes-Material ein. Das spart uns viel Zeit“, betont Bielefeld. Beim Video-Ingest wird automatisch auch ein MP2-Audio-File erzeugt, der dann von den Hörfunkredaktionen genutzt werden kann.

Der Leitungs-Ingest passiert bei Radio Bremen über den Ingest-Server. Das eingespielte Material steht allen Redaktionsarbeitsplätzen sofort auf dem zentralen AV-Speicher (Audio/Video) zur Verfügung. Hierbei handelt es sich um ein SAN (Storage Area Network) der Firma Datadirect mit derzeit über 50 TB Speichergröße (netto). Die Verbindung zum Redaktionssystem geschieht über eine NAS-Anbindung (Network-Attached-Storage).

Für das Material auf dem AV-Speicher hat Radio Bremen Lösch-Routinen vorgesehen. Material, das nicht in besonderer Weise gekennzeichnet ist, wird nach vier Wochen automatisch gelöscht. Um dort Material länger vorzuhalten, greifen verschiedene Mechanismen. So gibt es hier unter anderem ein redaktionelles Zwischenarchiv. Hierbei handelt es sich um einen Bereich im Redaktionssystem von d‘accord, für das besondere Löschroutinen gelten. „Wir setzen immer von ganz oben im Redaktionssystem an. Hier sind die Löschzeiten für jede Art von Audio- und Videomaterial definiert“, sagt Bielefeld. Material im redaktionellen Zwischenarchiv würde man zum Beispiel für Jahresrückblicke oder dergleichen benötigen.

Sendungsmitschnitte, Beiträge und Produktionen werden über das Redaktionssystem in das digitale Archiv eingestellt. Radio Bremen hat dafür eine IBM Tape-Library mit derzeit rund 60 TB Speicherkapazität und dazu eine Backup Tape-Library mit rund 110 TB. Alle Archivierungsprozesse werden von IBMs Archivmanagement-Tool Admira gesteuert. Das wiederum wird auf operativer Ebene von S4M VPMS-System gesteuert, das die Schnittstelle zum Redaktionssystem hergestellt.
Neben dem HighRes-Material wandert auch das LowRes-Material dazu ins Archiv. Dieses bleibt zugleich aber auch online im AV-Speicher verfügbar. „Man kann so bei der Recherche auf LowRes-Material zugreifen und es sich anschauen, ohne tatsächlich ins Archiv gehen zu müssen. Erst wenn man das HighRes-Material wirklich braucht und es in den Schnitt einbindet, wird es automatisiert rearchiviert“, erklärt Bielefeld. Das HighRes-Material aus der Tape Library wird dabei wieder zurück in ein Restore-Verzeichnis auf dem AV-Speicher gelegt.
Sämtliche alten Bandbestände will man bei Radio Bremen in den nächsten Jahren sukzessive eindigitalisieren. Dazu gehören rund 35.000 Video- und 70.000 Audio-Bänder.

Im so genannten „Archiv Service Point“, zu dem auch das digitale Video-Archiv und der zentrale Ingest-Raum gehören, können Redakteure auch in einer umfangreichen Bibliothek mit 40.000 Bänden und einem Print-Archiv mit 12.000 Ordnern recherchieren. Außerdem stehen hier 120.000 CDs zur Verfügung. „Wir unterstützen als medienübergreifender Service-Pool die Radio Bremen-Redakteure aktiv bei ihren Recherchen“, betont Archivleiter Frank Egles.

Apple Final Cut Pro
Eine Besonderheit bei Radio Bremen ist, dass man sich dort komplett von Avids non-linearen Schnittsystemen verabschiedet hat, ebenso wie von Quantel-Systemen für On-Air-Grafik-Design und Bildbearbeitung. Stattdessen wurde in der Postproduktion eine neue Infrastruktur komplett auf Apple-Basis errichtet.
„Kostspielige Lösungen sind für uns nicht denkbar, und deshalb ist auch die Entscheidung für Final Cut Pro gefallen, wo man gute Leistung zu einem ganz anderen Preis bekommen kann“, erklärt Bielefeld. „Wir kommen aus der Avid-Welt, hatten Newscutter, Mediacomposer und Symphony, sind jetzt aber ganz bewusst davon weggegangen, um Kosten zu sparen und andere Strukturen aufsetzen zu können.“

Insgesamt verfügt Radio Bremen heute über elf Apple Final Cut Pro-Schnittplätze, drei davon sind für die bi-mediale Nutzung aufgerüstet worden. Jeder Schnittplatz verfügt über einen 20‘‘ Datenmonitor, ein großes 30‘‘ Apple Cinema-Display für den digitalen Schnitt, einen Pansasonic-Videomonitor sowie über einen Monitor für das Redaktionssystem. Die Farbkorrektur wird mit Color aus dem Final Cut Studio-Bundle gemacht und Grafikdesign mit Software wie After Effects oder Photoshop. Sechs Apple Grafik-Arbeitsplätze stehen zur Verfügung. Videoschnitt- und Grafikarbeitsplätze sind via 4 Gbit/s Fibre Channel mit dem Datadirect-SAN verbunden.
„Auch beim SAN haben wir sehr stark auf die Kosten geschaut und natürlich auch auf die Performance. Apples XSAN war für uns ebenfalls interessant. Die SAN-Entscheidung hatten wir in der Ausschreibung aber zunächst offen gelassen. Unser Generalunternehmer BFE hat dann das Datadirect-System empfohlen, weil es von der Performance und der Stabilität her deutlich höher zu bewerten ist als XSAN. Da sind wir dann mitgegangen“, berichtet Bielefeld.
Zum schnellen Schneiden von kurzen News müssen die Radio Bremen-Journalisten indes nicht die Final Cut Pro Edit-Suiten aufsuchen. Das können sie mit Hilfe ihres VPMS-Videotools an ihren eigenen Arbeitsplätzen selbst erledigen. Oder sie machen hier den Vorschnitt und schicken dann ihre Schnittlisten zum Finishen in die Edit-Suiten. Für das Feintuning dort lassen sich die VPMS generierten Schnittlisten einfach in die Final Cut Pro-Timeline importieren.

Wenn in der Redaktion komplett selbst geschnitten wird, geschieht dies zunächst auf Basis des LowRes-Materials. Ist man fertig, heißt es „Fusen“ und im Hintergrund wird dann ein entsprechendes HighRes-File erzeugt. Der fertige Beitrag benötigt dann nur noch ein Voice-over. Den kann man in speziell dafür eingerichteten und akustisch abgeschirmten Einspiel- und Sprachaufnahme-Plätzen (ESP) in den Fachredaktionen oder auch an den Schnittplätzen machen, die sich mit verschiedenen Sprecherräumen verbinden lassen. „Sämtliche Sprecherräume, die wir haben, kann man auf jeden Videoschnittplatz und jeden bimedialen Schnittplatz aufschalten“, erklärt Bielefeld.

Studios
Am neuen Standort von Radio Bremen befinden sich zwei Studios. Das TV-Studio für Radio Bremen TV, in dem Sendungen wie das Regionalmagazin buten un binnen produziert werden, ist rund 260 qm groß. Es zeichnet sich dadurch aus, dass hier ein schneller Wechsel der Dekorationen möglich ist und sich durch spezielle LED-Lichttechnik per Knopfdruck unterschiedliche Farbklimata erstellen lassen. Die Lichtleistung der Deckenscheinwerfer beträgt 70 KW. Die Lichtdecke ist mit rund 80 Teleskop-Leuchtenhänger ausgestattet, davon sind 30 mit vollautomatischen Scheinwerfern bestückt, um auch hier den schnellen Wechsel zu gewährleisten.
Ein weiteres Studio, das als Event-Studio bezeichnet wird, hat eine Fläche von 210 qm. Letzteres lässt sich zu einem angrenzenden Gastronomie-Bereich, den Radio Bremen an einen privaten Betreiber vermietet hat, öffnen. Der Event-Studio-Bereich soll auch für Konzerte und Kulturveranstaltungen genutzt und an Dritte vermietet werden.
Beide Studios wurden von ARRI mit Lichttechnik ausgestattet. Auch in anderen Bereichen, wo TV-Beleuchtung vorgesehen ist, wie im großen Sprecherstudio, im Konferenzraum und im Foyer des Weser-Hauses, hat ARRI die nötige Technik (Schienen und Anschlüsse) geliefert. „Überall dort lassen sich relativ einfach Leuchten einhängen, um auch einmal kleinere Produktionen zu realisieren. Das alles dient der Multifunktionalität der Räume. Wir wollen überall eine maximale Auslastung gewährleisten“, betont Bielefeld. Zu jedem der beiden Studios gehört eine TV-Regie. Sie sind mit drei Penta 47‘‘ LC-Displays und Zandar Multiviewern ausgestattet.

Regie 1 verfügt über drei Arbeitsreihen. In der ersten Reihe ist der Platz für den Ablaufregisseur. Hier befindet sich auch ein SDI-3ME-Bildmischer (Sony DVS 9000), ein ISQ-Bediengerät für den Chyron Schriftgenerator, Kamerakontroller für vier Studio-Kameras (Sony BVP-E30W). Die Bildkontrolle erfolgt über Klasse A-Röhrenmonitore von Sony. In der zweite Reihe sind unter anderem die Arbeitsplätze für den CvD, den Grafik-Operator, Playouter und die Lichtsteuerung und in der dritten Reihe für den Toningenieur.

Sendeabwicklung und Hauptschaltraum
Alles, was ausgespielt werden soll, wird vom zentralen Speicher ins Playout transferiert. Als Playout-Server hat Radio Bremen ein Omneon-System im Einsatz.
Der Hauptschaltraum (HSR) für Fernsehen und für Hörfunk sowie die Sendeabwicklung (SAW) Fernsehen befinden sich in direkter räumlicher Nähe, nur getrennt durch Glaswände, im 2. Stock des Weser-Hauses. „Unser bi- beziehungsweise trimediales Konzept haben wir im HSR/SAW-Bereich ebenso angewendet wie in vielen anderen Räumen“, sagt Bielefeld. Ein gelungenes Beispiel dafür sind auch die zwei Audio-Produktionsregien, wo nicht nur für den Hörfunk, sondern auch für das Fernsehen aufwendige Surround-Sound-Produktionen gefahren werden können.

Als digitale Audio-Pulte kommen dort Aurus-Konsolen von Stagetec zum Einsatz. Radio Bremen verfügt über insgesamt fünf davon in den Fernseh- und bimedialen Regien. Sie sind über ein zentrales Audiokoppelfeld von Nexus Star miteinander vernetzt.
An eine der Produktionsregien angegliedert ist ein 35 qm großes Sprecherstudio für Feature- und Hörspielproduktionen. Dieses Studio ist mit Decken-Schienen für Scheinwerfer und mit einem Kamera-Anschlussfeld ausgestattet. „Dort kann man dann auch mal eine Blauwand aufstellen und eine Kamera anschließen, um einen Aufsager oder etwas Ähnliches zu machen“, meint Bielefeld.
Im Hauptschaltraum Fernsehen werden alle Leitungsschaltungen, Aufzeichnungen und Überspielungen realisiert. Bielefeld: „Vorteil für uns ist, dass wir da jetzt auch verstärkt den Video-Filetransfer angehen können. Mit Hilfe automatisierter Prozesse können wir nun direkt aus unserem zentralen Speicher heraus Material zu anderen Rundfunkanstalten schicken und umgekehrt Material bandlos per Videofiletransfer empfangen.“ Diese Möglichkeit wird indes derzeit noch wenig genutzt. Noch sei der Umweg über Band beim Programmaustausch dominierend.
Die Sendeabwicklung von Radio Bremen TV arbeitet mit der Automationssystem Aveco. Sie steuert den Playout-Server, den Sendeablaufmischer von Axon, die Logo-Generatoren, den VPS Inserter etc.

Ein Playout mit Omneon-Server hat Radio Bremen auch noch mal innerhalb der TV-Regien. Auch hier kommt Aveco zum Einsatz. Benötigt wird dieses Playout für Zuspielungen während einer Sendung. „Im Havariefall kann aber auch direkt von einem Schnittplatz aus gesendet werden“, sagt Bielefeld. „Also selbst, wenn einmal der ganze zentrale Speicher nicht funktionieren sollte und das Playout auch nicht, haben wir immer noch konventionelle Wege, um Videomaterial und Beiträge zu produzieren und On-Air zu bringen. Wir verfügen immer über eine Rückfallposition auf andere Techniken.“

Hörfunkstudios
In den vier Hörfunkstudios von Radio Bremen (Bremen Eins, Nordwestradio, Funkhaus Europa und Bremen Vier) befinden sich Sende- und Produktionspulte von DHD. Die einzelnen Wellen verfügen neben dem Sendestudio auch über Layout- und Sprecher-Studios.
Die Sprecher-Studios sind etwas größer und für Gesprächsrunden geeignet, die Layout-Studios dienen aufwändigen Trailerproduktionen. An den Audio-Workstations in den Layout-Regien arbeitet man unter anderem mit der Schnittsoftware Sequoia von Magix.
Das Hauptstudio von Bremen Eins ist mit einem 360 Grad drehbaren Moderatorenpult ausgerüstet, das auch noch höhenverstellbar ist, so dass der Moderator auch im Stehen seinen Job machen kann.

Startschuss
Der TV-Bereich von Radio Bremen ist schon seit dem 4. September im neuen Funkhaus On-Air, der komplette Hörfunk wird bis Dezember sukzessive eingezogen sein. Erst dann wird sich also zeigen, ob und wie Radio Bremens ambitioniertes, trimediales Konzept, verbunden mit bandlosen Workflows, funktioniert.

Damit das klappt, wurde hoher Schulungsaufwand getrieben. 3.000 Schulungstage waren angesetzt. Die Schulungen wurden von der Medienakademie von ARD und ZDF und der ems – Electronic Media School aus Potsdam durchgeführt. Die ems, die auch Räume im Bremer Stephani-Haus bezogen hat, schulte im Wesentlichen die Redaktionen, die Medienakademie mehr die Fachleute in der Produktion.
Bielefeld: „Wir haben jetzt ein ganz neues System mit neuen Workflows. Man braucht dafür eine gewisse Eingewöhnung. Und da sind wir mittendrin. Wir versuchen, alle verabredeten Workflows auch tatsächlich umzusetzen und den Mehrwert, den das System jetzt bieten kann, auch wirklich zu nutzen.“
Er weiß genau: „Die anderen ARD-Anstalten beobachten schon sehr genau, was wir hier machen. Viele schauen auf unsere Apple-Lösung, ob die funktioniert, und natürlich auch auf das trimediale Redaktionssystem.“
Eckhard Eckstein (MB 12/07)






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