
Die Bandbreitenanforderungen an Live-Produktionen steigen, gleichzeitig wächst der Bedarf an Content von kleineren und lokalen Events – Veranstaltungen, für die klassische Broadcast-Budgets und -Teams oft nicht zur Verfügung stehen. Grass Valley adressiert dieses Spannungsfeld mit dem Event Producer X, einer All-in-One-Produktionssuite für den Ein-Personen-Betrieb. Johannes Lanyi, Solution Architect bei Grass Valley, stellte das Konzept auf der ISE 2026 im Gespräch mit mebucom vor.
Bekannte Bausteine, neues Paket
Die Einzelkomponenten, aus denen der Event Producer X besteht, sind im AMPP-Ökosystem nicht neu. Mischer, Audio-Mixer, Clip-Player, Grafikeinspielung – all das existiert seit langem als separate Applikation. Kunden haben sich in der Vergangenheit eigene Produktionsoberflächen aus diesen Elementen zusammengebaut. Für jemanden ohne Broadcast-Erfahrung ist das allerdings eine hohe Einstiegshürde. „Was wir jetzt neu gemacht haben, ist dieses Paket zusammenzuschnüren, dass du die Komponenten separat nutzen kannst, aber mit einem Klick eigentlich alles startet“, erklärte Lanyi.

Der Event Producer X liefert ein vollständiges, sofort einsatzbereites Layout. Wer es anpassen möchte, kann das tun – alle Elemente bleiben frei konfigurierbar. Die Idee: Die Einstiegshürde senken, ohne die Flexibilität der Plattform einzuschränken.
Maverik X als Herzstück

Im Kern des Event Producer X arbeitet ein 2 M/E Maverik X Production Switcher, der Übergänge und Effekte steuert. Der Operator kann über den Touchscreen bis zu zehn Quellen vorbereiten und auf Sendung bringen – per Berührung der linken Bildhälfte landet eine Quelle im Preview und wird mit einer vorprogrammierten Überblendung auf Programm geschaltet, per Berührung der rechten Bildhälfte erfolgt ein direkter Cut. Komplexe Übergänge und Wipes lassen sich vorab als Macros anlegen und mit einem Klick auslösen.
Integriert sind außerdem zwei Clip-Player, die manuell oder automatisch gestartet werden können, sowie eine Grafikeinspielung – inklusive HTML-Renderer für Echtzeitgrafiken wie etwa Live-Abstimmungsergebnisse. Picture-in-Picture-Funktionen und Multibox-Layouts über die zweite Mischebene runden das Produktionspaket ab. Neben der Touchscreen-Bedienung lassen sich auch externe Steueroberflächen wie Stream Decks oder Hardware-Panels einbinden – etwa für den schnellen Zugriff auf Macros, Clip-Player oder die Audiosteuerung.
Audio: Vom Einzeloperator bis zum Tonmeister
Die Audiobearbeitung ist vollständig in die Oberfläche integriert. Im einfachsten Fall steuert der Einzeloperator die Pegel direkt am Touchscreen – Lanyi zufolge gibt es dafür vereinfachte Layouts, bei denen statt Fadern nur Prozentangaben oder einzelne Tasten zur Verfügung stehen. Wer mehr Ressourcen hat, kann die Audiobearbeitung als eigenständiges Interface an einen Tonmeister auslagern. „Für die Tonbearbeitung ist es wichtig, dass ein Toningenieur Fader hat. Keiner von den klassischen Operatoren wird das am Touchscreen machen“, so Lanyi.
Webbasiert und ortsunabhängig
Da der Event Producer X als Webapplikation auf der AMPP-Plattform läuft, ist er von jedem Gerät mit Browser erreichbar – ob vor Ort, über VPN oder über das öffentliche Internet. Ein integrierter IP-Encoder ermöglicht zudem direktes Live-Streaming aus der Anwendung heraus. Bei den Signalwegen bleibt das System offen: Eingangsseitig lassen sich unterschiedliche Formate wie NDI, SDI oder SRT frei konfigurieren. Bei den Ausgängen stehen unter anderem Clean Feed und Aux Feed zur Verfügung, die als SDI oder ST 2110-Streams ausgegeben werden können.
Zielgruppe und Verfügbarkeit
Grass Valley positioniert den Event Producer X bewusst dort, wo laut Lanyi „nicht unbedingt Broadcast-Budgets da sind“ – als Lösung für Konferenzen, E-Sports-Events, Universitäten, Houses of Worship, Talk Shows und Arenen. Gleichzeitig soll die Suite auch im Broadcast-Umfeld einsetzbar sein, etwa für die Produktion kleinerer Sendungen oder lokaler Events.
Das Paket ist über den AMPP Marketplace verfügbar und lässt sich in das breitere Grass Valley Media Universe einbinden – einschließlich Drittanbieter-Integrationen und, über EDIUS X sowie Adobe Premiere, auch in bestehende Schnitt-Workflows.













