Auf der ISE 2026 in Barcelona hat Canon seine Multi-Camera Orchestration (MCO) als marktreifes Produkt vorgestellt. Marcel Heß von Canon demonstrierte im Gespräch mit mebucom, wie die Softwarelösung professionelle Multikamera-Produktionen auf einen Ein-Personen-Workflow reduziert.
3D-Bühnenmodell als Grundlage
Die technische Basis bilden zwei Overhead-PTZ-Kameras, die zusammen mit einem PC ein dreidimensionales Modell der gesamten Bühne errechnen. Dieses 3D-Modell liefert nicht nur horizontale, sondern auch Tiefeninformationen – das System erfasst also, wo welche Person im Raum steht. Heß erklärt dazu im mebucom-Video auf der ISE: „Meine Person könnte mir theoretisch aus dem Bild laufen, aber die Kamera wird ihn immer wieder finden, weil sie das 3D-Modell von der Bühne hat.“
Synchrone Schnittbilder auf Knopfdruck
Das 3D-Modell ermöglicht eine zentrale Steuerungslogik: Eine Kamera wird als Hauptkamera definiert, an deren Schwenk-, Neige- und Zoombewegungen sich die übrigen PTZ-Kameras automatisch orientieren. Schwenkt Kamera eins auf einen Gast, wechseln die Nebenkameras eigenständig auf die anderen Personen auf der Bühne. „Wenn ich die Kamera eins rüberfahre auf den anderen Gast, wechselt die zwei automatisch auf den nächsten“, so Heß. Zoomt der Operator mit der Hauptkamera heran, passen die Nebenkameras ihre Einstellungsgröße proportional an. So entstehen zu jedem Zeitpunkt zueinander passende Schnittbilder, ohne dass ein zweiter Kameramann eingreifen muss.
Vollautomatik und Multi-Person-Tracking
Neben dem halbautomatischen Betrieb bietet MCO einen vollautomatischen Modus. Alle Kameras tracken dabei die Speaker eigenständig und folgen ihnen über die Bühne – auch wenn diese aufstehen oder ihre Position wechseln. In Kombination mit Multi-Person-Tracking lassen sich den Kameras individuelle Rollen zuweisen. Heß nannte als Beispiel: „Eine Kamera nimmt zwei Leute auf und die andere folgt halt eben nur der Hauptperson oder dem Moderator.“
Verfügbarkeit und Systemanforderungen

Canon hatte das Konzept der Multi-Camera Orchestration erstmals auf der IBC 2024 vorgestellt. Auf der ISE 2026 in Barcelona ist MCO nun als kostenpflichtige, downloadbare Softwarelösung für kompatible Canon PTZ-Kameras verfügbar. Das System läuft auf Windows-11-Rechnern und ist für Intel-Prozessoren ab der 14. Generation sowie NVIDIA-Grafikkarten ab der GeForce RTX 4060 optimiert. Canon adressiert mit MCO Live-Formate wie Talkshows, Podcasts, Nachrichtensendungen und Studioproduktionen.













