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Ross Video Ultrix FR30: 576 × 576 UHD-I/O in 30 HE

Ross Video skaliert Ultrix mit dem FR30 auf 576 × 576 UHD-I/O. Auf der IBC 2026 zeigt Richard Hardege, wie Routing, Processing, Multiviewer und Production Switching in dem 30-HE-System zusammenspielen.

Richard Hardege auf der IBC 2026
Richard Hardege aus dem Hyperconverged-Team von Ross Video zeigt den FR30 auf der IBC 2026.

Beim Ultrix FR30 ist die 30 im Namen ziemlich wörtlich zu nehmen: 30 HE beansprucht das neue Chassis, in dem Ross Video bis zu 576 × 576 12G-Videosignale routen kann. Damit verdoppelt sich die maximale Videomatrix gegenüber dem FR12 mit 288 × 288. Zugleich steigt die Zahl der Slots für I/O- und Processing-Karten von 16 auf 32. Ross schiebt die bestehende Ultrix-Architektur damit deutlich nach oben, ohne dafür ein grundsätzlich neues System einzuführen.

Das war offenbar überfällig. Richard Hardege aus dem Hyperconverged-Team von Ross Video berichtet im Gespräch auf der IBC, dass gerade Kunden aus dem Ü-Wagen-Bereich bei größeren Produktionen an die Kapazitätsgrenze des FR12 kamen. „Wir gehen jetzt auf 576 Inputs und bieten bis zu 96 lizenzierbare Multiviewer“, sagt Hardege. Dazu komme das Processing, das bereits aus den kleineren Ultrix-Frames bekannt ist.

Und genau darum geht es beim FR30 mehr als um eine große Kreuzschiene. Ross packt Routing, Multiviewing, Audio- und Video-Processing sowie je nach Ausbau auch Production Switching in dieselbe Plattform. Funktionen werden teilweise über Softwarelizenzen aktiviert und greifen auf die Processing-Ressourcen der eingesetzten Karten zurück.

32 Slots für SDI, ST 2110 und Processing

Der FR30 hat keine fest eingebauten SDI-I/Os. Seine 32 Slots werden mit Karten aus dem Ultrix-System bestückt und können damit für unterschiedliche Signalwege und Processing-Aufgaben eingesetzt werden. Ross nennt für die Plattform SDI, SMPTE ST 2110, NDI, JPEG XS, SRT, Dante und MADI.

Für klassische Baseband-Installationen steht etwa die HDX-I/O-Karte zur Verfügung. Sie bringt 16 HDBNC-Anschlüsse für Signale von 270 Mbit/s bis 12 Gbit/s mit und stellt zusätzlich AUX-Ports bereit. Über die Karte lassen sich nicht nur Signale ein- und ausgeben. Ross nutzt dieselbe Hardware auch für Funktionen wie Frame Synchronization, Embedding und De-Embedding, Multiviewing sowie Format- und Farbverarbeitung.

Ultrix FR30 auf der IBC
Ultrix kombiniert unter anderem SDI, ST 2110, NDI, JPEG XS, Dante und MADI.

Wer auf ST 2110 setzt, kann die IPX-I/O verwenden. Die Karte arbeitet mit vier 100-GbE-QSFP28-Ports, alternativ sind über Adapter vier 25-GbE-Verbindungen vorgesehen. Unterstützt werden unter anderem SMPTE ST 2110-20 für Video, ST 2110-30 für PCM-Audio und ST 2110-40 für ANC-Daten. PTP läuft nach SMPTE ST 2059; bei Discovery und Connection Management führt Ross unter anderem NMOS IS-04 und IS-05 auf.

Dazwischen liegt die MODX-I/O. Sie nimmt bis zu vier Submodule auf und lässt sich beispielsweise für SDI, optische Verbindungen, HDMI, DisplayPort, NDI oder JPEG XS bestücken. Beim NDI-Modul sind vier bidirektionale Full-Bandwidth-NDI-Streams mit jeweils zwei Audiokanälen oder zwei Streams mit jeweils acht Audiokanälen möglich. Für JPEG XS bietet Ross ein eigenes Modul mit bis zu vier Streams und Unterstützung für SMPTE ST 2110-22.

Auch die Audiomatrix wächst mit. Ross gibt für den FR30 maximal 12.288 × 12.288 Audiokanäle an; beim FR12 waren es noch 6.144 × 6.144. Die Skalierung folgt damit ungefähr demselben Sprung wie bei Video-I/O und Kartenslots.

Ultrix FR30 Frontansicht
Der Ultrix FR30 bietet bis zu 576 × 576 UHD-I/O in einem 30-HE-Chassis. ©Ross Video

Multiviewer und Bildmischer im selben Frame

Für größere Ü-Wagen wird interessanter, was zwischen Ein- und Ausgang passiert. Hardege nennt Multiviewer sowie Audio-Embedding und -De-Embedding als Funktionen, die in solchen Installationen regelmäßig gebraucht werden. Dazu kommen unter anderem Frame Sync, Format Conversion, Proc Amp und SDR/HDR-Processing. Bei HDX- und MODX-I/O lassen sich Karten über den sogenannten ProcMode sogar von I/O auf interne Processing-Pfade umstellen.

Bis zu 96 lizenzierbare Multiviewer nennt Hardege für den FR30. Ultriscape sitzt dabei nicht als separates Gerät neben dem Router, sondern nutzt Ressourcen innerhalb der Ultrix-Plattform.

Dasselbe Prinzip lässt sich auf den Bildmischer ausdehnen. Hardege zeigt am FR30 die Processing-Blades für Ross' Production-Switcher-Plattform. Dazu gehört Carbonite HyperMax, das auf der Software Defined Production Engine von Ross basiert. Wird der Mischer in Ultrix integriert, müssen dessen Inputs und Outputs nicht erst physisch aus dem Router heraus- und wieder hineingeführt werden.

Hardege beschreibt das im Gespräch am Beispiel einer größeren Produktion recht plastisch: Arbeitet man mit einem separaten Mischer, werden dafür schnell Dutzende Ein- und Ausgänge der Kreuzschiene gebunden. Sitzt das Switching dagegen innerhalb von Ultrix, läuft dieser Signalverkehr intern. „Dann wird es interessant“, sagt Hardege.

Ross FR30 Rückansicht
Für I/O- und Processing-Karten stellt der FR30 insgesamt 32 Slots bereit. ©Ross Video

Das macht den FR30 vor allem für Produktionen spannend, bei denen ohnehin viel Processing rund um den Router anfällt. Wird er lediglich als große Kreuzschiene eingesetzt, bleibt ein Teil dieses Konzepts ungenutzt. Bei einem System aus Router, Multiviewer, Signalverarbeitung und integriertem Production Switcher verschiebt sich dagegen einiges aus separaten Geräten in denselben Frame.

Ross beziffert die möglichen Einsparungen gegenüber konventionell aufgebauten Infrastrukturen mit bis zu 97 Prozent beim Rackspace, 89 Prozent bei der Leistungsaufnahme und 95 Prozent bei der Verkabelung. Das sind Herstellerwerte und sie hängen zwangsläufig davon ab, welche Einzelgeräte und Funktionen eine konkrete Ultrix-Konfiguration ersetzt. Für einen Ü-Wagen sind Rackspace, Gewicht und Kühlbedarf allerdings wichtige Maßeineiten.

Einen ersten Einsatz gibt es bereits. TV Skyline hat als erster Kunde den Ultrix FR30 bestellt. Hardege verweist im Gespräch darauf, dass der Mainzer Produktionsdienstleister auch Production Switching in das System integrieren will. Gerade für diesen Einsatz sieht Ross den neuen Frame: mittlere bis große Ü-Wagen- und Studioproduktionen mit vielen Quellen, viel Processing und entsprechend großen Mischerkonfigurationen.

Die kleineren Ultrix-Frames bleiben parallel bestehen. Die Familie reicht damit vom 1-HE-System mit 36 × 36 Video-I/O über FR2, FR5 und FR12 bis zum neuen FR30. Wer an der FR12-Grenze von 288 × 288 angekommen ist, muss also nicht die Plattform wechseln. Er bekommt nur deutlich mehr davon.

Niklas Eckstein

Niklas Eckstein

Fachjournalist in der Medien- und Broadcast-Branche mit den Schwerpunkten Live-Produktion und Medientechnik. Chefredakteur von mebucom.de.

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