In verteilten Produktions- und Distributionsketten sehen die beteiligten Unternehmen in der Regel vor allem den Teil des Workflows, für den sie selbst verantwortlich sind. TAG Video Systems will diese Grenzen mit TAG Blue überwinden. Die auf der IBC 2026 vorgestellte Cloud-Plattform soll Monitoring-Informationen aus mehreren Stationen einer Delivery Chain zusammenführen und damit nachvollziehbar machen, wo sich ein Signal verändert hat.
„Wir machen Fingerprinting statt Fingerpointing“, sagt Oliver Gappa, VP Sales EMEA bei TAG Video Systems. Gemeint ist damit, Content an verschiedenen Punkten eines Workflows technisch zu erfassen und die dabei gewonnenen Informationen miteinander zu vergleichen. Das Monitoring sitzt dabei nicht als zusätzlicher Prozessschritt im Signalweg, sondern wertet die Daten an den jeweiligen Messpunkten aus.
Übergaben zwischen verschiedenen Beteiligten
Interessant wird das vor allem dort, wo mehrere Unternehmen an einer Produktion beteiligt sind. Gappa nennt als Beispiel große Sportproduktionen, bei denen Produktion, Master Control und weitere Abnehmer räumlich und organisatorisch voneinander getrennt arbeiten.
TAG Blue soll an solchen Übergabepunkten nachvollziehen können, ob sich zuvor definierte Parameter verändert haben. Das kann beispielsweise die technische Qualität betreffen, aber auch Audio-Video-Synchronität oder den angelieferten Sprachkanal. Schickt eine Seite entgegen der Spezifikation einen französischen statt eines englischen Audiotracks, könnten Absender und Empfänger entsprechend gewarnt werden.

Für dieses Fingerprinting verfügt TAG bereits über seine Content-Matching-Technologie. Das System erzeugt Fingerprints für Video und Audio und vergleicht sie zwischen mehreren Punkten eines Workflows. Nach Angaben des Herstellers funktioniert das auch dann, wenn sich Auflösung, Bitrate oder Framerate zwischen Quelle und Ziel verändert haben. Neben der Identifikation von Content lassen sich damit unter anderem Latenzen messen, A/V-Abweichungen erkennen sowie Feeds und Audiokanäle überprüfen.
Dabei sollen nicht die eigentlichen Medien zwischen den beteiligten Unternehmen ausgetauscht werden. Übermittelt werden technische Informationen zu den überprüften Signalen. Welche Daten zwischen den Partnern freigegeben werden, muss im jeweiligen Workflow definiert werden.
TAG arbeitet außerdem an einem SDK, mit denen sich das Fingerprinting in Decoder anderer Hersteller integrieren lässt. Damit könnten Messpunkte eingebunden werden, ohne dass dort ein vollständiges TAG-System laufen muss.
AI soll Fehler entlang der Kette zuordnen
Auch in TAG Blue soll künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. Sie soll Fehler entlang eines definierten Signalwegs miteinander korrelieren, eine mögliche Ursache identifizieren und Schritte zur Behebung vorschlagen. Bei einem Problem könnte damit beispielsweise sichtbar werden, zwischen welchen Messpunkten eine Abweichung aufgetreten ist.
Zusätzlich integriert TAG ein Large Language Model in die Plattform. Operatoren sollen TAG Blue damit direkt fragen können, was innerhalb eines Workflows passiert ist, statt die entsprechenden Informationen selbst aus verschiedenen Logs zusammenzutragen.
TAG Blue befindet sich derzeit noch in Entwicklung. Auf der IBC 2026 zeigte TAG erstmals eine Vorschau der Plattform.