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BFE plant KSC bis 2030 und sucht wieder Wachstum

Nach der Übernahme durch Broadcast Solutions arbeitet BFE am eigenen Kurs weiter. KSC Horizon bekommt eine Roadmap bis 2030, zugleich soll die Gruppe den Weg zurück in internationale Märkte erleichtern.

BFE plant KSC bis 2030 und sucht wieder Wachstum

Nach dem Zusammenschluss mit Broadcast Solutions beschäftigt BFE zunächst einmal das eigene Geschäft. Die Produktentwicklung für KSC läuft mit einem konkreten Horizont bis 2030 weiter, im Markt sieht die Geschäftsführung nach vielen verschobenen Investitionen wieder Bewegung – und für die Internationalisierung will das Unternehmen auf die Strukturen der neuen Gruppe zurückgreifen.

Auf der IBC sieht Geschäftsführer Martin Dempf erste Anzeichen dafür, dass sich der jahrelange Projektstau zumindest etwas löst. In den vergangenen zwölf bis 15 Monaten hätten viele Kunden Vorhaben immer wieder verschoben. „So langsam scheint sich auch in der deutschen Broadcasting-Welt der Knoten ein bisschen zu lösen“, sagt Dempf. Ausschreibungen, die teils schon seit einem Jahr angekündigt seien, kämen nun tatsächlich auf den Markt.

BFE trifft diese Entwicklung mit einer weit angelegten Produktplanung. Beim Broadcast-Control-System KSC reicht die Roadmap laut Geschäftsführer Sven Hesselbach jetzt konkret bis 2030. Neben zusätzlichen Funktionen für KST Core gehört dazu der Übergang zum Horizon-System mit Cloud-Möglichkeiten. Hinzu kommt SinAlarm, eine Monitoringlösung für Broadcast- und Medientechnikumgebungen, die BFE stärker in die Produktfamilie integrieren will.

Dabei soll die Entwicklung nicht ausschließlich einzelnen Kundenwünschen folgen. „Wir müssen sauber abwägen, welche Interessen unsere Bestandskunden haben“, sagt Hesselbach. Gleichzeitig müsse BFE als Softwareentwickler eigene Ideen liefern und zeigen, „welche Wege, Funktionalitäten und Workflows es aus unserer Sicht geben könnte“. Kundenanforderungen abzuarbeiten, reiche für ein System mit diesem Zeithorizont nicht.

Kleine Schritte statt großer Techniksprung

Dass BFE langfristig plant, heißt allerdings nicht, dass die Kunden ihre Infrastrukturen ebenso schnell umbauen. Gerade bei SMPTE 2110 sieht Hesselbach zwischen technischer Entwicklung und praktischer Migration noch einigen Abstand. Für viele Kunden sei SMPTE 2110 weiterhin Zukunft; diskutiert würden sowohl Übergangstechnologien als auch der komplette Wechsel.

Dempf beobachtet zugleich, dass sich die Haltung gegenüber solchen Projekten verändert. Die Bereitschaft, Geld in Media over IP und die weitere Digitalisierung zu investieren, nehme wieder zu. Die eigentliche Hürde liege aber nicht allein im Budget. „Das Know-how, das Wissen ist nicht so schnell aufzubauen, wie die Technik voranschreitet“, sagt er. Eine neue Infrastruktur lasse sich eben nicht damit erledigen, „eine andere Kiste“ einzubauen und Glasfaser anzuschließen. „Die Menschen müssen spielen. Das dauert.“

Damit verändert sich nach seiner Beobachtung auch die Größe der Projekte. In den vergangenen Jahren seien Vorhaben häufig immer größer zugeschnitten worden, um möglichst viele Anforderungen auf einmal abzudecken. Inzwischen nehme BFE eine andere Tendenz wahr: „Man will lieber kleinere Happen in der Entwicklung Stück für Stück vorantreiben, um auch den eigenen Mitarbeitern eine Chance zu geben, in die Technologie reinzuwachsen.“

BFE-Stand auf der IBC 2026
BFE zeigte auf der IBC 2026 unter anderem den aktuellen Stand seines Broadcast-Control-Systems KSC.

Das betrifft nicht nur IP-Infrastrukturen. Auch bei Cloud und KI plädieren die beiden Geschäftsführer eher für konkrete Anwendungen als für einen Komplettumbau entlang eines Schlagworts. „Die Cloud ist kein Allheilmittel“, sagt Dempf.

Bei KI sieht Hesselbach den Nutzen zunächst in klar umrissenen Teilbereichen. Innerhalb der Broadcast-Solutions-Gruppe gebe es bereits Anwendungen, bei denen KI produktiv eingesetzt werde, etwa für automatisierte Kamerasteuerungen bei Studio Automated. Solche Anwendungen machten greifbar, wo die Technik heute funktionieren könne. Von einem vollständig KI-gesteuerten Sender sei das weit entfernt.

„Man muss sich daran gewöhnen, dass man der Technik mehr zutrauen kann, als das noch vor fünf Jahren der Fall war“, sagt Hesselbach. Entscheidend sei herauszufinden, in welchen einzelnen Bereichen KI tatsächlich helfe. „Da sind wir, glaube ich, erst auf dem Weg.“

Broadcast Solutions öffnet wieder internationale Türen

Während BFE die eigene Technologie weiterentwickelt, soll der neue Unternehmensverbund vor allem außerhalb des DACH-Markts zusätzliche Möglichkeiten schaffen. Das Unternehmen war früher bereits international stärker aktiv, hatte sich in den vergangenen Jahren nach Dempfs Darstellung jedoch auf Deutschland, Österreich und die Schweiz konzentriert.

„Die größte Chance für BFE gemeinsam mit Broadcast Solutions ist jetzt, den internationalen Footprint wieder auszuweiten“, sagt Dempf. Broadcast Solutions habe mit der Internationalisierung deutlich früher begonnen; BFE könne nun von diesen Strukturen profitieren.

Zum Start will BFE dafür die vorhandenen Möglichkeiten der Gruppe nutzen. Eine separate internationale Organisation soll nicht vorschnell daneben aufgebaut werden. „Wir werden das mit den verfügbaren Möglichkeiten der Gruppe zunächst einmal starten“, sagt Hesselbach. Danach werde anhand der Entwicklung entschieden, wie die weiteren Pläne aussehen.

Damit steht für die nächste Phase kein radikaler Kurswechsel an. Während Broadcast Solutions Reichweite und vorhandene Strukturen einbringt, arbeitet BFE an einem Produktfahrplan, der weit über den aktuellen Messezyklus hinausreicht. Wie schnell daraus internationales Geschäft entsteht, soll sich erst in der Praxis zeigen.

Niklas Eckstein

Niklas Eckstein

Fachjournalist in der Medien- und Broadcast-Branche mit den Schwerpunkten Live-Produktion und Medientechnik. Chefredakteur von mebucom.de.

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