Was im März auf der SportsInnovation in Düsseldorf noch ein in Bau befindliches Fahrzeug war, ist jetzt im Regelbetrieb: Broadcast Solutions hat die beiden softwaredefinierten Ü-Wagen AR 1 und AR 2 an DMC Production ausgeliefert. Die Fahrzeuge produzieren bereits Spiele der 3. Liga in Deutschland und das ATP-Tennisturnier in Schweden. Auf der IBC 2026 in Amsterdam zeigt DMC einen der Trucks am Stand 0.A03 im Außenbereich.
NVIDIA Blackwell GPUs und 11 TB Lokalspeicher
Seit der ersten Präsentation auf der SportsInnovation, wo mebucom das Konzept ausführlich vorgestellt hat, sind die technischen Details finalisiert. Zwei AMPP Edge-Server von Grass Valley mit NVIDIA Blackwell GPUs übernehmen das gesamte Processing – Videomischung, Replay, Super Slo-Mo und Multiviewer. Jeder Server verfügt über 11 TB lokalen Speicher für Replay-Funktionen. Redundante Cisco-Switches verwalten die Signale. Die Audiosignale laufen über eine Calrec Argo M36-Konsole, die über True Control 2.0 remote aus DMCs Broadcast-Zentrum in München bedient wird.
Jeder Truck unterstützt bis zu 16 Grass Valley LDX98-Kameras über XCUs, angebunden über konventionelle Außenanschlussfelder und Stageboxen. Die Fahrzeuge arbeiten in nativem 1080p in SDR und HDR und sind UHD-ready.
100 Mbit/s genügen – die Bandbreite im Detail
Das Prinzip der Reverse Remote Production: Das Processing findet im Truck am Venue statt, die Operatoren steuern alles remote. Die Bandbreitenanforderung liegt so bei nur rund 100 Mbit/s. Davon entfallen etwa 25 Mbit/s auf Steuerung und Datenaustausch mit niedriger Latenz, weitere 25 Mbit/s auf das Monitoring via WebRTC-Multiviewer-Streams und 25 Mbit/s auf den SRT-Programmausgang. Bei einer typischen öffentlichen Internetverbindung bleibt also Headroom.

Zlatan Gavran, COO von Broadcast Solutions, ordnet das Ergebnis ein: „Ein echter softwaredefinierter Ü-Wagen, der höchste Qualität liefert und von überall auf der Welt gesteuert werden kann. Er nutzt hochmoderne Technologie wie das GRID-Netzwerk auf MXL-Basis und basiert weitgehend auf einem Software-First-Konzept – jedoch in vertrauter Form, damit EICs, Techniker und Regisseure sich sofort auskennen."
Ein Truck statt Sattelzug mit Auflieger
Ein konventionelles Ü-Wagen-Setup für vergleichbare Produktionen erfordert typischerweise einen oder zwei Sattelzüge mit Auflieger. DMC ersetzt das durch einen einzelnen kompakten Truck, der Produktionsbereich, AMPP-Verarbeitung, GRID-Netzwerk und Rüstabteil für Kameras, Objektive und Stative in einem Fahrzeug vereint. Der Truck kann bei Bedarf auch konventionell vor Ort bedient werden – drei Arbeitsplätze sind dafür vorgesehen.

Jens Envall, Chief Innovation Officer bei DMC Production, beschreibt den nächsten Schritt: „Ziel ist nicht nur, ein oder zwei Fahrzeuge zu bauen, sondern ein wiederholbares und skalierbares Produktionskonzept zu etablieren, in dem Software, IP-Konnektivität und professionelle Broadcast-Bedienoberflächen zusammenarbeiten."