Hardware oder Software? Ultrix oder Dynamic Media Facilities? SDI, SRT oder MXL? Auf der NAB 2026 wird sichtbar, dass Broadcaster und Produktionsdienstleister auf sehr unterschiedlichen Wegen unterwegs sind. Ross Video adressiert nach eigener Aussage all diese Wege gleichzeitig. Im Trubel der Messe gingen drei schnelle Fragen an CTO Troy English – zu der Strategie hinter diesem Spagat und zu den Pain Points, die er von Kunden derzeit am häufigsten hört.
Es gibt parallel Nachfrage nach Hardware- und nach Software-Lösungen. Wie bringen Sie als CTO beide Seiten zusammen?
Wir haben Kunden, die alles auf unterschiedliche Weise nachfragen. Manche wollen DMF und mögen die Vision einer flexiblen Software-Zukunft. Andere schätzen die Einfachheit unserer Ultrix-Lösung – eine Box, in der ein Großteil der Produktion läuft. Wieder andere freuen sich auf MXL als neues Transportformat. Manche lieben SDI, manche SRT. Unsere Aufgabe ist es, allen zum Erfolg zu verhelfen, egal auf welchem Weg. Wir haben ein vergleichsweise großes R&D-Team und entwickeln Hardware für Ultrix ebenso wie DMF und COTS-basierte Anwendungen. Manche unserer Software läuft sowohl auf COTS-Servern als auch auf unserer Hardware – das ist sehr effizient. Wir sagen ausdrücklich nicht: „Die Antwort ist Ultrix" oder „Die Antwort ist DMF". Für viele Kunden ist es beides gleichzeitig – ein Teil Ultrix, ein Teil DMF, manches in der Private Cloud, anderes in AWS. Unsere große Aufgabe ist es zudem, Kontrollumgebungen zu bauen, die diese Komplexität verstecken. Der Kunde wählt, was er will – wir sagen „gut" und nehmen ihm den Rest ab. Ich glaube nicht, dass es jemals einen komplexeren Moment in unserer Branche gab. Die Zahl der Optionen, wie man Produktion umsetzen kann, war noch nie so groß. Dazu kommt eine Vermischung der Industrien. Früher war NAB Broadcasting. Heute kommen Corporate-Kunden hinzu, dazu viele Sportkunden – und das erweitert das Spektrum dessen, wie Menschen produzieren wollen, deutlich.

Was hören Sie aktuell von Kunden? Wo geht die Reise hin?
Eines der größten Themen ist nicht neu, gewinnt aber an Geschwindigkeit: mehr mit weniger zu erreichen. Alle stehen unter Druck, mehr Produktionen mit weniger Equipment und geringeren Kapitalkosten zu stemmen. Daraus folgt das Thema Utilization. Wir wollen, dass kein Equipment ungenutzt herumsteht. Kunden wollen nicht für drei Studios separat einkaufen, sondern ein Set an Equipment, das sich zwischen den Studios teilen lässt – einen großen Job in einem Studio, oder drei kleinere Produktionen parallel mit demselben Equipment. Diese Flexibilität und Auslastung ist für fast alle Kunden ein zentrales Ziel. Das andere große Thema, das überall mitschwingt, ist KI: Was bedeutet das für Produktion in der Zukunft?
Sehen Sie sich angesichts der vielen Optionen auch in einer beratenden Rolle?
Ja, eindeutig. Es gibt heute so viele Auswahlmöglichkeiten – MXL ist nur eine davon. Selbst innerhalb von MXL gibt es Folgefragen: Welches Videoformat? Wide Color Gamut oder Standard? HDR oder SDR? Wir haben Mitarbeiter, deren Vollzeit-Aufgabe es ist, mit Kunden an konkreten Projekten zu arbeiten und herauszuarbeiten, was für sie am wichtigsten ist. Das ist oft nicht offensichtlich. Der eine sagt: „Das hier ist absolut entscheidend." Der nächste: „Das ist mir völlig egal, mir geht es um etwas anderes." Mit unserer breiten Technologiepalette helfen wir, durch diese Entscheidungen zu navigieren – und manchmal haben wir keine fertige Antwort, dann entwickeln wir die Lösung gemeinsam mit dem Kunden. Auch geografisch sind die Anforderungen unterschiedlich. Verschiedene Weltregionen produzieren auf ihre Weise – und durch all das müssen wir die Kunden begleiten.