Mit der Ankündigung, in den kommenden fünf Jahren würden „Summen in Milliardenhöhe von den weltweiten Konzernen in die deutsche Filmproduktion fließen“, wollte Kulturstaatsminister Dr. Wolfram Weimer ein Signal setzen. Doch die Produktionsallianz widerspricht dieser Darstellung jetzt entschieden. Ein internes BKM-Papier, das dem Verband vorliegt, zeige ein anderes Bild: Die freiwilligen Zusagen der Streamingplattformen seien weit entfernt von einer nachhaltigen Stärkung des Produktionsstandorts.
Freiwillige Zusagen stehen im Schatten bestehender Senderinvestitionen
In ihrer Analyse setzt die Produktionsallianz die Zahlen der Streaminganbieter in Vergleich zu etablierten Branchenstatistiken von PwC, Goldmedia und Ampere Analysis. Das Ergebnis fällt aus Sicht des Verbands deutlich aus.
Die CEO und Sprecherin des Gesamtvorstands, Michelle Müntefering, verweist darauf, dass allein ARD und ZDF im Jahr 2024 bereits 1,75 Milliarden Euro in die heimische Film- und Serienproduktion investiert hätten; die privaten Sender kamen auf 1,78 Milliarden Euro. Addiert über fünf Jahre entspräche das einem Investitionsvolumen von 8,9 Milliarden Euro.
Demgegenüber stehen laut BKM-Papier lediglich 1,83 Milliarden Euro, die Amazon, Netflix und andere internationale Plattformen im Zeitraum 2026 bis 2030 freiwillig investieren wollen. Müntefering bewertet diese Ankündigung daher kritisch:
„Ein genauer Blick auf die Zahlen fällt ernüchternd aus. Denn klar wird: Die von Kulturstaatsminister Wolfram Weimer angekündigten ‚Investitionsmilliarden‘ entpuppen sich als Mogelpackung.“
Gesetzliche Investitionspflicht würde deutlich höhere Summen mobilisieren
Besonders problematisch aus Sicht der Produktionsallianz: Eine gesetzliche Investitionsquote in Höhe von 15 Prozent der in Deutschland erwirtschafteten Umsätze würde aufgrund der Marktdynamik des Streamingsektors deutlich höhere Mittel generieren – bis zu 3,88 Milliarden Euro im betrachteten Zeitraum.

Damit lägen die freiwilligen Selbstverpflichtungen weniger als bei der Hälfte dessen, was gesetzlich möglich wäre. Hinzu komme, so die Produktionsallianz, dass die Zusagen der internationalen Anbieter weder präzise definiert noch überprüfbar seien. „Diese freiwilligen Zusagen sind äußerst intransparent – es ist weder klar, welche Investitionen genau darunterfallen, noch, wie deren Einhaltung kontrolliert werden soll“, erklärt Müntefering.
Internationale Entwicklungen erhöhen die Unsicherheit
Der Verband verweist zudem auf die hohe Volatilität des globalen Streamingmarktes. Die jüngste Übernahme von Warner durch Netflix verdeutliche, wie schnell strategische Prioritäten und damit auch Produktionsstrukturen verändert werden könnten. Freiwillige Zusagen, die lediglich den Status quo abbilden, seien in einem solchen Umfeld kaum belastbar.
Kritik am BKM: Koalitionsvertrag werde nicht erfüllt
Für die Produktionsallianz steht fest: Die aktuelle Linie der Bundesregierung reicht nicht aus, um den Filmstandort Deutschland zu stärken oder international wettbewerbsfähig zu halten. Müntefering formuliert es deutlich: „Fest steht: So wird der Koalitionsvertrag nicht erfüllt und der Filmstandort nicht gestärkt. Im Gegenteil. Deutschland wird ohne eine gesetzliche Regelung im internationalen Wettbewerb weiter abgehängt.“
Der Verband erneuert daher seine zentrale Forderung: Nur eine gesetzliche Investitionsverpflichtung könne Transparenz, Planungssicherheit und Vertrauen schaffen – und damit die Grundlage für eine stabile Filmproduktion in Deutschland.














