Ross Video: Software, Flexibilität und der Blick aufs Wesentliche

Ross Video setzt auf Flexibilität und softwarebasierte Systeme. Business Development Manager Richard Hardege erklärt auf den Hamburg Open 2026, warum die Frage nach dem Problem wichtiger ist als die Frage nach der Technologie.

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Die Liste der Transportformate, Architekturen und Lizenzmodelle, mit denen sich Broadcast-Verantwortliche heute auseinandersetzen müssen, ist lang geworden. SDI, ST 2110, NDI, Cloud – dazu Abrechnungsmodelle zwischen CapEx und OpEx. Richard Hardege, Business Development Manager bei Ross Video, beobachtet diese Entwicklung aus der Perspektive eines Herstellers mit breitem Portfolio. Auf den Hamburg Open 2026 ordnet er ein, welche Trends substanziell sind.

Der Zuschauer als Maßstab

Inmitten der Technologiedebatte geht eine zentrale Frage manchmal unter: Für wen wird eigentlich produziert? „Am Ende des Tages ist es der Zuschauer, der das Ganze sieht“, erinnert Hardege im Gespräch. „Dem ist es egal, ob 2110 oder SDI genutzt wird. Dem ist wichtig, dass der Ball ins Tor rollt und das gut dargestellt wird.“

Diese Erkenntnis führt zu einem Umdenken, berichtet er. Nicht jede Produktion braucht UHD, wenn 3G ausreicht. Der Fokus verschiebt sich von der Spezifikation zur Effizienz – zumal Medienhäuser mehr Content mit weniger Budget produzieren müssen.

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Software statt starrer Systeme

Ross Video reagiert mit softwarebasierten Systemen wie dem Mischer Hypermax, der sich flexibel konfigurieren lässt, erklärt Hardege. Ressourcen können je nach Produktionsanforderung dynamisch zugewiesen werden. Mit Lama ist zudem ein Audio-Mixing-System hinzugekommen, das unter anderem mehrsprachige Kommentare automatisiert abmischen kann.

Für die Interoperabilität zwischen Softwarekomponenten verschiedener Hersteller hat Ross Video das Protokoll Catena entwickelt, das inzwischen als SMPTE ST 2138 standardisiert ist.

Blick hinter die Kulissen auf den Hamburg Open. Das Greenscreen-Studio wurde von MCI Studio Hamburg zusammen mit EngineRaum realisiert.

Problem vor Technologie

„Die Branche ist lange mit dem Ansatz herangegangen, alles konsequent auf ST 2110 umzustellen. In der Praxis war das dann häufig ein Lift-and-Shift: Der SDI-Router wurde schlicht durch einen IP-Router ersetzt“, beschreibt Hardege die bisherige Praxis. Inzwischen stehe zunehmend die Frage am Anfang, welches Problem eigentlich gelöst werden soll. Dieser Perspektivwechsel sei der eigentlich spannende Trend.

Im Videointerview spricht Hardege außerdem über die Venue-Steuerungsplattform Vertex, den Fachkräftemangel als unterschätzte Herausforderung und die Frage, wie sich das Dynamic Media Facility Framework der EBU mit dem Catena-Protokoll verbinden lässt.