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Wie Broadcaster neue Wege im Fußball-Storytelling suchen

Broadcaster experimentieren mit neuen redaktionellen Formaten: von Eigentümern am Kommentatorenmikrofon bis zu Weltmeistern auf der Bank am Spielfeldrand. Eine Evolution, die abseits der Technologieschlacht neue Impulse setzt. Ein Kommentar von mebucom-Chefredakteur Niklas Eckstein.

Ryan Reynolds und Rob McElhenney kommentieren das Championship-Spiel ihres Wrexham AFC gegen Swansea City live auf Sky Sport.
Ryan Reynolds und Rob McElhenney kommentieren das Championship-Spiel ihres Wrexham AFC gegen Swansea City live auf Sky Sport. ©Sky

Die Fußballübertragung folgt seit Jahrzehnten einem bewährten Muster: Kommentator, Co-Kommentator, Vorberichterstattung mit Experten am Studiotisch, Interviews in der Mixed Zone. Das funktioniert – aber es fällt zunehmend schwerer, sich damit von der Konkurrenz abzuheben. In einer Medienlandschaft, in der Fans auf Social Media, Podcasts und Doku-Serien mit Hintergrundgeschichten versorgt werden, suchen Broadcaster nach neuen Stilmitteln.

Eigentümer am Mikrofon

Ein Beispiel für diesen Trend liefert Sky Sport an diesem Freitag: Ryan Reynolds und Rob McElhenney, die prominenten Eigentümer des Wrexham AFC, kommentieren das Championship-Spiel ihres Klubs gegen Swansea City live. Die beiden Hollywood-Schauspieler hatten den walisischen Traditionsverein vor fünf Jahren übernommen und mit der Doku-Serie „Welcome to Wrexham" zu einem globalen Medienphänomen gemacht.

Der Schritt ins Kommentatorenbooth ist die konsequente Fortsetzung dieses Storytellings. Statt die Geschichte nur zu erzählen, werden Reynolds und McElhenney Teil der Übertragung – mit allem, was dazugehört: Emotionen, Parteilichkeit, vielleicht auch Nervosität. Für Fans, die den Aufstieg des Klubs über Jahre verfolgt haben, ist das ein anderer Zugang als der neutrale Blick eines Kommentators.

Weltmeister auf der Bank am Spielfeldrand

Einen ähnlich unkonventionellen Ansatz wählte Prime Video kürzlich bei der Champions-League-Übertragung des Spiels Bayern München gegen Bergamo. In der Vorberichterstattung saßen Mats Hummels, Christoph Kramer und Benedikt Höwedes gemeinsam auf einer Bank auf Höhe des Tors – und kamen ins Plaudern über Manuel Neuer.

Was folgte, war keine klassische Expertenanalyse, sondern eine Anekdotensammlung unter ehemaligen Nationalspielern: Wie es ist, gegen Neuer im Training anzutreten, warum Elfmeter gegen ihn zur mentalen Herausforderung werden, wie er sich von anderen Torhütern unterscheidet. Die Kulisse – direkt am Spielfeld, ohne Studiotisch, ohne Moderatorenführung – verstärkte den Eindruck eines authentischen Gesprächs.

Emotionen statt Einordnung

Beide Beispiele zeigen eine Entwicklung, die über den einzelnen Gag hinausgeht. Die klassische Übertragung wahrt Distanz: Der Kommentator beobachtet, der Experte analysiert, der Moderator ordnet ein. Die neuen Formate brechen diese Distanz auf. Sie setzen auf Nähe, auf persönliche Perspektiven, auf Geschichten, die sich nicht in Taktiktafeln übersetzen lassen.

Das birgt Risiken. Nicht jeder Eigentümer ist ein begnadeter Entertainer, nicht jede Anekdote trägt über 90 Minuten. Doch in einer Zeit, in der Fans zwischen linearer Übertragung, Highlight-Clips und Social-Media-Content wählen können, wird das klassische Format allein nicht mehr reichen. Wer Zuschauer binden will, muss Geschichten erzählen – und dafür neue Wege finden.

Niklas Eckstein

Niklas Eckstein

Fachjournalist in der Medien- und Broadcast-Branche mit den Schwerpunkten Live-Produktion und Medientechnik. Chefredakteur von mebucom.de.

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