Das ZDF und ProSiebenSat.1 haben eine Vereinbarung zur Einbindung von ZDF-On-Demand-Inhalten auf der Streaming-Plattform Joyn geschlossen. Der operative Start ist für das vierte Quartal 2026 geplant. Die Inhalte werden kostenlos und werbefrei verfügbar sein, die redaktionelle Hoheit verbleibt beim ZDF.
Die Einigung hat eine Vorgeschichte, die die Branche über Monate beschäftigt hat.
Vom Eklat zur Einigung
Im Januar 2025 begann Joyn, Inhalte aus den Mediatheken von ARD und ZDF ohne deren Zustimmung auf der eigenen Plattform einzubinden. ProSiebenSat.1 bezeichnete das Vorgehen als „Beta-Test". ARD und ZDF gingen juristisch dagegen vor. Nach rund vier Wochen entfernte Joyn die Inhalte wieder. Gerichte bestätigten in mehreren Instanzen, dass die Übernahme ohne Zustimmung rechtswidrig war.
Dass aus diesem Konflikt anderthalb Jahre später eine partnerschaftliche Vereinbarung wird, ist bemerkenswert. ZDF-Audience-Direktor Dr. Florian Kumb, der die Verhandlungen auf ZDF-Seite verantwortete, äußerte sich zur Einigung auf LinkedIn: „Vor rund eineinhalb Jahren standen ZDF und Joyn öffentlich auf entgegengesetzten Seiten. Inhalte wurden ohne unsere Zustimmung eingebunden. Wir haben das juristisch und inhaltlich klar zurückgewiesen."
Die entscheidende Frage sei dabei immer größer gewesen als der juristische Konflikt, so Kumb: „Wie finden öffentlich-rechtliche Inhalte dort statt, wo Menschen Medien nutzen – ohne dabei die Verantwortung für Inhalte, deren Kuratierung, die Rechte der Beteiligten, Daten und Messbarkeit aus der Hand zu geben?"
Embedding mit klaren Regeln
Konkret werden die ZDF-Inhalte direkt in die Joyn-Oberfläche eingebettet. Nutzer können sie abspielen, ohne die Plattform zu verlassen – die redaktionelle Hoheit über Auswahl und Kuratierung verbleibt jedoch beim ZDF. Das ZDF-Streaming-Portal bleibt daneben als eigenständiges Angebot bestehen. Den rechtlichen Rahmen liefert der im Dezember 2025 in Kraft getretene Reformstaatsvertrag, der Kooperationen zwischen öffentlich-rechtlichen und privaten Anbietern ausdrücklich vorsieht.
Kumb beschreibt das Ergebnis als Lösung, „die auf Zustimmung, klaren Regeln und gegenseitigem Respekt basiert. Nicht durch einen Alleingang. Nicht durch Nachgeben."
Joyn als zusätzlicher Zugang
Für Joyn-Nutzer bedeutet die Einigung, dass neben den bereits verfügbaren Live-Sendern des ZDF künftig auch On-Demand-Inhalte abrufbar sind – Nachrichten, Dokumentationen, Kultur- und Unterhaltungsangebote. ProSiebenSat.1 zeigt sich mit der gefundenen Lösung sehr zufrieden. Nicole Agudo Berbel, Geschäftsführerin und Chief Distribution & Partnerships Officer, sieht in der Vereinbarung ein Signal für die gesamte Branche: „Diese Kooperation zeigt, wie öffentlich-rechtliche und private Medien gemeinsam innovative Antworten auf den digitalen Wettbewerb geben."