Der Wandel von SDI zu IP-basierten Infrastrukturen ist in vollem Gange, doch die nächste Entwicklungsstufe zeichnet sich bereits ab. Mit dem Konzept der Dynamic Media Facility hat die EBU eine Referenzarchitektur vorgelegt, die Medieninfrastrukturen flexibler und anpassungsfähiger machen soll. Hartmut Opfermann, seit Kurzem als CTO zurück bei BFE, ordnete auf den Hamburg Open 2026 ein, was das für Medienhäuser und Systemintegratoren bedeutet.
Kürzere Zyklen statt Zehn-Jahres-Projekte
Das Konzept der Dynamic Media Facility zielt auf kürzere Innovationszyklen. „Was wir früher in einem Zyklus von zehn Jahren gemacht haben – eine neue Facility bauen, designen, umsetzen, konfigurieren, betreiben – diesen Zyklus wollen wir deutlich verkürzen“, erklärte Opfermann.
Statt komplette Anlagen neu zu errichten, sollen Änderungen granularer möglich werden. Voraussetzung dafür ist eine Infrastruktur, die solche Anpassungen ohne großen Hardware-Aufwand erlaubt: Standard-IT-Server mit Linux-Betriebssystemen und Container-Architekturen, auf denen medienspezifische Funktionen dynamisch hoch- und heruntergefahren werden können.
MXL: Der Schlüssel zur Interoperabilität
Verschiedene Hersteller bieten bereits containerbasierte Systeme an – aktuell allerdings als Single-Vendor-Lösungen. Was fehlt, ist die Interoperabilität. Genau hier setzt der Media Exchange Layer an, eine der sechs Schichten in der DMF-Architektur.
Der technische Ansatz unterscheidet sich grundlegend von bisherigen Verfahren: Statt Medienströme über Netzwerkprotokolle zu transportieren, arbeiten die Applikationen mit einem gemeinsamen Speicherbereich. „Die Applikation von Hersteller A schreibt in diesen gemeinsamen Speicher, und Hersteller B kann direkt daraus lesen – ohne dass der Flow serialisiert werden muss“, erklärte Opfermann. Das eliminiert Kopieroperationen und reduziert Latenz.
Das Software Development Kit für MXL wurde Ende Dezember 2025 in Version 1.0 veröffentlicht. Noch funktioniert es nur auf einem einzelnen Server; serverübergreifende Kommunikation soll in späteren Versionen folgen.

Wie sich BFE auf den Wandel einstellt
Für BFE bedeutet die Entwicklung indes eine Verschiebung des Aufgabenspektrums. Der Mainzer Systemintegrator mit über 45 Jahren Erfahrung in der Broadcast- und Medientechnik ist traditionell sowohl als Integrator als auch als Hersteller der eigenen Steuerungsplattform KSC aktiv. Diese Doppelrolle erweist sich nun als strategischer Vorteil.
„Wir werden künftig nicht mehr die Infrastruktur liefern – die wird uns beigestellt. Unsere Aufgabe wird es sein, die verschiedenen Softwarekomponenten zu integrieren“, prognostizierte Opfermann. Die klassische Systemintegration wandelt sich: Statt Hardware zu verbauen, geht es künftig darum, Media Workloads zu designen und Softwarekomponenten verschiedener Hersteller zusammenzuführen.
Auf der Produktseite ist BFE bereits auf dem Weg. Die KSC-Plattform, die weltweit in über 300 Installationen im Einsatz ist, wird konsequent in Richtung offener Standards und Modularität weiterentwickelt. Die Horizon-Plattform innerhalb der KSC-Familie ist bereits containerbasiert und damit nativ für DMF-Umgebungen geeignet. Hinzu kommt das neue KSC Open Controller Interface, das Bediengeräte verschiedener Hersteller ohne aufwändige Treiberentwicklung anbinden kann – ein weiterer Schritt in Richtung herstellerübergreifender Interoperabilität.
Parallel engagiert sich BFE in den Arbeitsgruppen der AMWA und EBU, die Steuerungsschnittstellen für Dynamic Media Facilities definieren. „Da sind wir ganz vorne mit dabei“, so Opfermann.

Kein disruptiver Umbruch
Einen schnelleren Umstieg als seinerzeit bei ST 2110 erwartet Opfermann nicht. Der Verlauf werde ähnlich sein: Early Adopters experimentieren, sammeln Erfahrungen, bauen erste Systeme. Die volle Flexibilität – mal eben einen zusätzlichen Clip-Player hochfahren – werde erst später kommen.
Sein Rat an Medienhäuser: sich stärker in den Standardisierungsgremien engagieren. „In den Arbeitsgruppen der AMWA sind nur sehr wenige Medienhäuser vertreten – hauptsächlich Hersteller“, beobachtete er. Die Beteiligung von Endnutzern würde helfen, die Entwicklung in die richtige Richtung zu lenken.













