Beim Eurovision Song Contest 2026 setzt ARRI erstmals 24 Kinokameras in einer Live-Produktion dieser Größenordnung ein – mit cineastischem Anspruch und sichtbaren Broadcast-Kompromissen.
Beim Eurovision Song Contest 2026 in Wien stehen erstmals 24 ARRI-Kameras im Hauptsaal – eine Premiere, die das Look-and-Feel der Show grundsätzlich verändert und zugleich die Grenzen des aktuellen EBU-Broadcast-Standards offenlegt. Für den Münchner Hersteller ist es der Eintritt in ein Live-Entertainment-Format, das sich bislang fest in der Hand von Sony und Grass Valley befand. Es ist zugleich der erste großformatige Schulterschluss zwischen ARRI und Riedel im Live-Geschäft seit der ARRI-Übernahme durch Riedel-Inhaber Thomas Riedel. Anders als beim klassischen Broadcast-Wettrüsten zielt ARRI dabei auf ein eigenständiges kreatives Vokabular in einem stark standardisierten Format.

Ein RFP mit zwei Optionen
Die Wegmarken bis zur Premiere lassen sich exakt datieren. Erste Gespräche zwischen ARRI, EBU und ORF gab es laut ARRI im August 2025. Im November folgte das Ausschreibungsdokument des ORF: Die OB-Truck-Dienstleister konnten entweder das klassische Setup mit eigenen Broadcast-Kameras anbieten – oder ein Setup ohne Kamerapositionen, in dem ARRI die zentrale Bildkette stellt. Axel Engström, Project Director bei NEP Europe und seit zehn Jahren in das ESC-Setup eingebunden, beschreibt den Anbahnungsprozess als gemeinschaftliche Lösungssuche: „Wir haben zwei verschiedene Optionen vorgeschlagen. Parallel hatte ich guten Kontakt zu ARRI. Wir haben einen Weg gefunden, ihre Kameras in unsere OB-Trucks zu integrieren, und haben sie bei der gesamten Implementierung unterstützt. Sagen wir es so: Wir haben uns zusammengetan, um das möglich zu machen."

Die Diskussion zwischen NEP und ARRI begann nach Auskunft von Marc Schneider, Executive Director Global Events bei Riedel, bereits vor Thomas Riedels Übernahme von ARRI: „Das fing nicht erst an, als Thomas ARRI übernommen hat – die Diskussion lief schon früher." Die finale Konstellation lässt die Kernrolle von NEP unangetastet: Linsen, Vision-Mixer-Setup und das TFC-Steuersystem für die zwei Ü-Wagen liegen weiterhin beim Dienstleister, lediglich die Kameraköpfe stellt ARRI. Wie eng die Zusammenarbeit in Wien ist, beschreibt David Bermbach, CPO bei ARRI, aus der Hersteller-Perspektive: „Die Arbeit mit NEP war herausragend und sehr offen. Das muss man dazu sagen: Die Zusammenarbeit, das Teamwork hier war für uns als Newcomer außergewöhnlich."