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Creative Technology beim ESC: 500 qm LED-Bühne komplett über IP

Der schwedische Dienstleister fährt die LED-Bühne in Wien als native ST2110-Architektur – ohne ein einziges SDI- oder HDMI-Kabel zwischen Media Server und LED-Controller.

Akylas aus Griechenland auf der ESC-Bühne.
Akylas aus Griechenland auf der ESC-Bühne. Die LED-Screens waren auch in diesem Jahr in der Verantwortung von CT.

Beim Eurovision Song Contest 2026 betreibt Creative Technology, Teil der NEP-Group, eine rund 500 Quadratmeter große LED-Bühne als reine IP-Infrastruktur. Die gesamte Signalverteilung läuft nativ in ST2110, direkt aus den Media Servern bis in die LED-Controller. Für den Dienstleister ist es das dritte Jahr in Folge, in dem er die Eurovision-Bildebene nach diesem Architekturprinzip aufsetzt.

500 Quadratmeter in drei Zonen

Die Bühne in der Wiener Stadthalle besteht aus drei zusammenhängenden LED-Bereichen: dem Upstage-Screen im Hintergrund, dem LED-Floor und der LED-Curve, ergänzt um den separat aufgesetzten Bildschirm im Green Room. Verantwortlich für die Hardware vor Ort ist ein 16-köpfiges Team unter Leitung von Karl Wigenius, Head of Video bei Creative Technology Schweden, beim ESC Product Manager für Video-Delivery. Der Aufbau dauerte rund zehn Tage – nach Wigenius' Angaben kürzer als in den Vorjahren. Flächenmäßig ist die Wiener Bühne kleiner als die in Basel 2025 und etwa halb so groß wie das Setup in Malmö 2024.

Karl Wigenius, Head of Video bei Creative Technology.
Karl Wigenius, Head of Video bei Creative Technology.

Native ST2110 von Disguise bis Megapixel

Die Architektur folgt einem klaren Prinzip: kein Baseband zwischen Serverseite und LED-Wand. Disguise-Media-Server speisen die Inhalte direkt als ST2110-Stream ins Netzwerk, von dort gehen sie ohne Konvertierung in die Megapixel-LED-Controller. Wigenius: „Die gesamte Signalverteilung machen wir nativ in ST2110, direkt aus unseren Media Servern raus über das Netzwerk in die Controller. Keine Konvertierung, keine Baseband-Kabel wie SDI oder HDMI dazwischen. Das ist in unserem Setup in dieser Größenordnung eher selten."

Die Redundanz ist 1:1 ausgelegt. Wigenius: „Wir haben ein Main- und ein Backup-System gebaut, eine rote und eine blaue Seite. Jedes System hat damit ein direktes Backup im Verhältnis 1:1. Bei einem Ausfall können wir den Teil sofort aus der blauen Seite ersetzen." Sichtbar wird das im Master Control Room als zwei parallel laufende Fault-Viewer-Wände: rot für die aktive Strecke, blau für den Hot Spare.

Eigenentwickeltes Dashboard, 4,2 Terabit live

Das Netzwerk umfasst rund 26 Switches und etwa 480 Geräte – Screen-Controller, Media-Server, Encoder. Im Live-Betrieb verteilt Creative Technology darüber rund 4,2 Terabit pro Sekunde. Zur Überwachung hat das Team eine eigene Dashboard-Anwendung entwickelt. Sie liest aus jedem im Netzwerk angeschlossenen Gerät die Telemetriedaten aus und visualisiert sie im Master Control Room: Netzwerklast, Signalintegrität, Verarbeitungs-Pipelines – und die Stromaufnahme aller Screens in Echtzeit. Im Normalbetrieb läuft die LED-Bühne bei rund 100 Kilowatt. „Wenn alle Screens auf Weiß gingen, würde der Verbrauch leicht auf das Doppelte steigen – rund 200 Kilowatt statt 100", so Wigenius.

Alle Netzwerkkomponenten im Blick – inklusive dem Stromverbrauch.

MIDI-Trigger aus Audio, PSM-Tracking für den Stage Lift

Die LED-Bühne ist nicht nur Signalempfänger, sondern in mehrere Departments hineinverdrahtet. Vom Ü-Wagen erhält Creative Technology den Timecode, dazu Programm-Feed, einzelne Kameras und Grafik-Feeds, die in die Bühnen-LED eingeblendet werden können. Die Audio-Abteilung liefert MIDI-Trigger, die zu bestimmten Zeitpunkten innerhalb eines Songs Effekte auf den Wänden auslösen. Und vom Stage Lift kommen PSM-Tracking-Daten. Wigenius: „Es gibt einen Stage Lift, der einen Teil der Bühne inklusive LED-Boden bis zu acht Meter über den Bühnenboden anhebt. Wir tracken das mit PSM-Daten – wenn der hochfährt, blenden wir die Wand dahinter aus, damit sie das Licht und die Projektion nicht stört."

Kommandozentrale von CT hinter der Bühne des ESC.
Kommandozentrale von CT hinter der Bühne des ESC.

Wachsende Routine in der IP-Architektur

Die native ST2110-Architektur ist keine Wien-spezifische Lösung, sondern das Ergebnis einer dreijährigen Entwicklungsarbeit für den Eurovision. Systemtechnisch entspricht das Wiener Setup nach Wigenius' Angaben dem Aufbau aus Basel und Malmö – die schnellere Inbetriebnahme ist Ausdruck einer wachsenden Routine. Wie eng das CT-Team den Live-Betrieb überwacht, formuliert Wigenius nüchtern: „In der Regel wissen wir hier drinnen schon, wenn etwas schief läuft, bevor es draußen auf der Bühne sichtbar wird."

Niklas Eckstein

Niklas Eckstein

Fachjournalist in der Medien- und Broadcast-Branche mit den Schwerpunkten Live-Produktion und Medientechnik. Chefredakteur von mebucom.de.

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