Die IIHF Eishockey-Weltmeisterschaft 2026 in der Schweiz war nicht nur sportlich ein Großereignis, sondern auch produktionstechnisch ein aufschlussreiches Beispiel dafür, wie verschiedene Sender dieselbe Veranstaltung mit sehr unterschiedlichen Ansätzen abbilden. Während NEP Germany die unilaterale Produktion für MagentaTV konsequent remote aus München realisierte, übernahm der Schweizer Dienstleister Brutal Güet die nationale Beistellung für ProSiebenSat.1 mit einem Ü-Wagen direkt in der Swiss Life Arena in Zürich.
MagentaTV: Remote-Produktion aus München in zwei Qualitätsstufen
NEP Germany produzierte insgesamt 18 Spiele für den deutschen Markt – zwölf Gruppenspiele, zwei Viertelfinals, zwei Halbfinals, das Spiel um Platz drei und das Finale. Das Produktionskonzept teilte sich dabei in zwei Stufen auf, die NEP intern als „Gold" und „Silber" bezeichnet.

Der Gold-Standard kam bei allen Spielen mit deutscher Beteiligung und in den Finalrunden zum Einsatz. In der Remote-Regie in München arbeiteten dedizierte Kräfte für Regie, Redaktion, Replay, Grafik, Ton und Bildtechnik. Technisch stützte sich das Setup auf einen GVG Kahuna 3ME Produktionsmischer, ein EVS-8-Kanal-Replay-System, eine Lawo mc²36 Audiokonsole und das NEP NOVO 4K Grafiksystem.
Für Begegnungen ohne deutsche Beteiligung setzte NEP auf den schlankeren Silber-Standard. Die Kernfunktionen wurden weiterhin aus München gesteuert, allerdings übernahmen einzelne Kräfte mehrere Rollen in Personalunion – Regie und Replay etwa oder Redaktion und Grafik. Statt des Kahuna-Mischers kam ein Simply Live ViBox12 zum Einsatz, das Mischer, Replay und Zuspielung in einem System vereint.
Vor Ort in der Schweiz richtete NEP ein WM-Studio mit zwei Grass Valley LDX150 Studiokameras, einer Panasonic UE-150 PTZ-Kamera, einer LiveU-Kamera für mobile Schalten sowie Riedel Bolero Funkstrecken ein. Für die technische Betreuung waren lediglich zwei Techniker am Veranstaltungsort im Einsatz – sämtliche weiteren Produktionsfunktionen liefen zentral aus München.

Die gesamte Signalkette basierte durchgängig auf SMPTE ST 2110, sowohl im Venue als auch in der Münchner Remote-Regie. NEP stellte dabei nicht nur die Produktion, sondern auch die komplette Konnektivität zwischen den Spielstätten und München bereit – redundante Übertragungswege für Video, Audio, Kommunikation und Steuerdaten inklusive.
Siehe auch "Die Strategie, die Eishockey sichtbar macht": Der Deutschland Cup wird zur Bühne für ein Konzept, das Eishockey sichtbar macht: Nähe, Vertrauen, redaktionelle Präsenz, gezielt gesetzte Kameras und eine Distribution, die weit über die Arena hinausreicht.
ProSiebenSat.1: Nationale Beistellung aus Zürich mit Ü-Wagen
Einen anderen Weg ging ProSiebenSat.1. Der Sender ließ seine Berichterstattung für ProSieben und ProSieben MAXX über den Schweizer Dienstleister Brutal Güet realisieren, der mit seinem Streamline S12 basierten Ü-Wagen „Horu1" über 17 Tage in der Swiss Life Arena in Zürich stationiert war. Brutal Güet verantwortete dabei die gesamte Broadcast-Infrastruktur einschließlich Studio, Kommentatorenplätzen, Flash-Kamera-Positionen und einer Players Cam mit großer Optik.

Auch das Studiodesign übernahm Brutal Güet selbst. Ein Lichtkonzept mit weicher, indirekter Beleuchtung sorgte für das On-Air-Erscheinungsbild. Die Sendungen moderierten Matthias Killing, begleitet von den Experten Uwe Krupp und Stefan Ustorf.

Das technische Setup umfasste vier Sony HDC-3500 Systemkameras – eine davon mit 107-fach-Optik –, zwei Canon CR-N500 PTZ-Kameras und eine Proton Minicam. Für Audio kamen Merging Technologies Anubis Sprechstellen, Shure Axient Digital Funkstrecken und Shure AD PSM In-Ear-Monitoring zum Einsatz. Die Kommunikation lief über ein Riedel Intercom System.
Insgesamt begleitete Brutal Güet 20 Spiele im Live-Betrieb. Die Produktion umfasste die Übernahme des Worldfeeds sowie einzelner Zusatzfeeds aus Zürich und Fribourg, ergänzt durch die Anbindung an internationale Sende- und Werbesysteme. Das Viertelfinale wurde remote aus Fribourg produziert.
Zwei Wege zum selben Ziel
Zwei Sender, zwei Dienstleister, zwei Produktionsansätze – und am Ende Broadcast-Qualität aus der Schweiz auf deutschen Bildschirmen. Die Eishockey-WM 2026 zeigt, dass es dafür längst nicht mehr nur einen Weg gibt.