Im Chengdu Film City in der chinesischen Provinz Sichuan hat eine Virtual-Production-Bühne eröffnet, die zu den größten weltweit zählt. Das CDFC VP Studio umfasst 5.000 Quadratmeter Fläche und ein LED-Volumen von 820 Quadratmetern. Die Anlage ging am 14. April 2026 als Teil des Chengdu Digital Intelligence Studio Complex in Betrieb. Hinter dem Projekt stehen LED-Hersteller AOTO und Tencent Interactive Entertainment – für beide ist es bereits die zweite große VP-Zusammenarbeit nach dem 3.000 Quadratmeter großen Tencent CDD Virtual Studio in Shenzhen.
60 Meter LED-Wand, Drehteller, motorisierte Decke
Die Dimensionen sind beachtlich. Die gebogene LED-Hauptwand misst 60 Meter in der Breite und 12 Meter in der Höhe. Darüber hängt eine 100 Quadratmeter große LED-Decke, die sich motorisiert heben und senken lässt. Insgesamt bilden 3.240 AOTO RM2.3S LED-Panels eine 360-Grad-Umgebung mit 180 Grad nutzbarem Aufnahmewinkel. Die nutzbare Schärfentiefe beträgt rund 19,1 Meter. Im Zentrum der Bühne dreht sich ein automatisierter Rundtisch mit über 1.100 Quadratmetern Fläche. Er ermöglicht schnelle Umbauten zwischen Setups und verkürzt damit die Zeit zwischen den Einstellungen.

AOTO-Panels mit proprietärer Kühlung
AOTO liefert mit der RM2.3S-Serie Panels, die hohe Helligkeit, hohe Bildwiederholraten und gleichmäßige Bilddarstellung bieten sollen. Für längere Drehtage setzt AOTO zudem auf eine proprietäre Kühltechnologie. Sie hält die Betriebstemperatur stabil und sichert so laut Hersteller eine konsistente Bildqualität über den gesamten Produktionstag. AOTO hat nach eigenen Angaben inzwischen über 130 VP-Stages weltweit ausgestattet – darunter für NVIDIA, Meta, AWS, Microsoft, Google, Tencent und Blizzard Entertainment.
48 Brompton Tessera SX40 für die LED-Verarbeitung
Die Bildverarbeitung übernehmen 48 Brompton Tessera SX40 Prozessoren und 96 Tessera XD 10G Datenverteiler. Für In-Camera-VFX-Workflows sind dabei mehrere Tessera-Funktionen zentral. ShutterSync eliminiert Scanlines und Phasing-Artefakte beim Zusammenspiel von Kamera und LED-Display. Dynamic Calibration maximiert die HDR-Fähigkeit der Panels – tiefe Schwarzwerte bei gleichzeitig lebendigen Highlights. OSCA (On-Screen Colour Adjustment) steuert Farbe und Helligkeit auf Panel-Ebene. Bei einer 60 Meter langen Bogenwand ist das essenziell für eine gleichmäßige Darstellung. Zusätzlich erlauben integrierte 3D-LUTs das Farbgrading direkt am Display, ohne das Quellmaterial zu verändern.
Elijah Ebo, Director APAC Operations bei Brompton, kommentiert: „48 SX40, die gleichzeitig über dieses Volumen arbeiten, sind ein klares Statement, wohin sich die VP-Infrastruktur entwickelt."

Kameratracking und Echtzeit-Rendering
Das Kameratracking läuft über RedSpy- und WatcherX-Systeme. Das Echtzeit-Rendering entwickelte Tencent Interactive Entertainments Content Ecosystem Division. Ergänzend integriert die Stage Motion Capture in den einheitlichen Workflow. Der Vorteil gegenüber klassischen Greenscreen-Workflows: Regisseure, Kameraleute und Darsteller sehen die finale Szene bereits am Set in Echtzeit. Kreative Entscheidungen fallen auf der Bühne statt in der Postproduktion.
Laut AOTO kann dieser VP-Workflow die Produktionskosten um über 30 Prozent senken und Drehpläne um 40 bis 50 Prozent verkürzen.