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NEP Platform: Software-Layer für flexible Broadcast-Produktionen

Auf der NAB 2026 stellt NEP Group mit Platform eine Orchestrierungsebene vor, die Applikationen verschiedener Hersteller auf einer gemeinsamen Compute-Infrastruktur bündelt.

Dan Murphy, VP NEP Platform
Dan Murphy, VP NEP Platform, präsentiert auf der NAB 2026 die neue Orchestrierungslösung NEP Platform.
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Die NEP Group hat auf der NAB 2026 mit „NEP Platform“ erstmals eine Softwarelösung öffentlich vorgestellt, die Broadcast-Produktionen flexibel auf einer gemeinsamen Compute-Infrastruktur zusammenführt. Dan Murphy, VP NEP Platform bei NEP Group, präsentiert die Lösung als Antwort auf den Wandel von fest verkabelter Hardware zu softwaredefinierten Produktionen. Statt einzelne Appliances zu racken und zu verdrahten, betrachtet Platform die Infrastruktur als Pool aus Compute-Ressourcen, auf dem Produktionen als Sets aus Applikationen deployt werden.

Vom Hardware-Rack zum Application Pool

Die Rolle des Engineers verändert sich damit grundlegend. „Statt individuelle Hardware-Appliances zu racken und zu verkabeln, sind wir jetzt in einer Welt, in der wir eine Reihe von Compute-Ressourcen haben, auf denen mehrere Applikationen deployt werden können", so Murphy. Eine Produktion in Platform kann Hunderte Applikationen umfassen – jeweils mit eigener Konfiguration. Als Ressourcen lassen sich aktuell Bare-Metal-Server definieren, künftig sollen auch virtuelle Maschinen und Public-Cloud-Infrastruktur von AWS, Google Cloud oder Azure hinzukommen.

Vendor-Ökosystem mit Power of Choice

Die verfügbaren Applikationen stammen aus einem wachsenden Vendor-Ökosystem. Zu den aktuell integrierten Herstellern zählen Bridge Technologies, Grass Valley, Lawo, Manifold, Panasonic und Sony. Weitere Partner sollen in den kommenden Monaten angekündigt werden. Ein technisches Steuerungsgremium bei NEP entscheidet, welche Hersteller als Nächstes integriert werden – die Auswahl orientiert sich an den Anforderungen der Kunden. Den herstellerübergreifenden Ansatz beschreibt Platform-Produktdirector Koen van Haaren als bewusste Designentscheidung: „Wir ermöglichen ein Ökosystem mehrerer Hersteller. Das ist, was wir Power of Choice nennen." Kunden können so für jede Produktion entscheiden, welche Komponenten am besten passen.

Deployment-Strategien im Dashboard

Im Dashboard zeigt Murphy eine laufende Produktion mit einem Multiviewer und einer Bridge Technologies BB440 Probe. Applikationen werden über Workflows ausgerollt, die die klassischen manuellen Engineer-Schritte automatisieren. Beim Deployment können Kunden zwischen mehreren Strategien wählen: einer manuellen Platzierung auf bestimmten Servern, einer Redundanzstrategie, die die Last über mehrere Server verteilt, oder einer High-Utilization-Strategie, die die Zahl der benötigten Server minimiert und damit Kostenvorteile bringt.

Product Director für NEP Platform, Koen van Haaren

Standardisierung und automatisierte Qualitätssicherung

Unter der Oberfläche übernimmt Platform nach Darstellung von NEP eine Reihe technischer Aufgaben: die korrekte Installation der Software, das Hardware-Management inklusive Schutz vor Überbuchung der Server – und eine automatisierte Qualitätssicherung. Eine Robotic-Testing-Engine prüft neue Applikationsversionen kontinuierlich, sodass ein gestartetes Deployment nach Herstellerangaben unmittelbar einsatzbereit ist. Grundlage dafür ist eine strikte Standardisierung der eingesetzten COTS-Server in Generationen mit klar definierten Spezifikationen, auf die sich die integrierten Hersteller verpflichten müssen.

OpEx statt CapEx

Wirtschaftlich zielt Platform auf ein Modell, das temporäre Lastspitzen ohne feste Hardwareinvestitionen abdeckt. Für Großereignisse wie Wahlnächte lassen sich zusätzliche Ressourcen für den Zeitraum der Produktion zuschalten und danach wieder reduzieren – aus CapEx wird OpEx. Der gleiche Server im Ü-Wagen kann heute ein Replay-System bedienen und morgen einen Multiviewer. Mittelfristig soll Platform nach Aussage von Koen van Haaren als vollständige Infrastructure-as-a-Service-Lösung funktionieren, zunächst aber hybrid arbeiten – weil Kunden ihre bestehende Hardware realistisch nicht kurzfristig abbauen.

Verhältnis zu TFC

Platform ersetzt die etablierte NEP-Lösung TFC nicht, sondern ergänzt sie als Software-Layer darüber. Die native Integration mit TFC funktioniert am besten, Platform lässt sich aber auch an andere Broadcast-Controller anbinden. Langfristig peilt NEP einen durchgängigen Workflow von Ingest bis Playout an – inklusive Video, Audio, Replay und Mixing.

Niklas Eckstein

Niklas Eckstein

Fachjournalist in der Medien- und Broadcast-Branche mit den Schwerpunkten Live-Produktion und Medientechnik. Chefredakteur von mebucom.de.

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