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Shure WAVETOOL 4: 30 Minuten Replay auf 192 Kanälen

WAVETOOL 4 erweitert das Live-Audio-Monitoring um 30 Minuten systemweites Replay für 192 Kanäle. Auf der IBC zeigte Timo Liski, wie sich damit Fehler im laufenden Betrieb zurückverfolgen lassen.

Shure WAVETOOL 4 Interface
Die neue Version erhöht die Kanalkapazität von 128 auf 192 und unterstützt bis zu acht gleichzeitig angemeldete Clients. ©Shure

WAVETOOL 4 erweitert Shures Audio-Monitoring-Software vor allem dort, wo während einer laufenden Produktion die Fehlersuche beginnt: Das neue Global Instant Replay hält den Audioverlauf sämtlicher 192 Kanäle für bis zu 30 Minuten vor. Auf der IBC in Amsterdam demonstrierte Timo Liski, wie sich damit ein auffälliges Mikrofon nachträglich abhören und gleichzeitig gegen Informationen wie RF-Pegel und Batteriestatus prüfen lässt.

„Pegel zeigen nicht die ganze Wahrheit. Man muss hören, ob das Mikrofon oder der Audiokanal tatsächlich funktioniert“, sagte Liski im Gespräch mit mebucom. WAVETOOL sei deshalb zunächst als Listening-Werkzeug gedacht: Kabelgebundene und drahtlose Audioquellen lassen sich direkt abhören, statt ihren Zustand ausschließlich anhand von Metern zu beurteilen. Bei der Mikrofonübergabe an einen Künstler oder Moderator soll der Techniker so nicht nur einen Ausschlag sehen, sondern das Signal zuvor tatsächlich gehört haben.

Diesen Ansatz gab es bereits in früheren WAVETOOL-Versionen. Mit Version 4 wird der gespeicherte Verlauf allerdings erheblich ausgeweitet. Bisher standen fünf Minuten Instant Replay zur Verfügung, zudem nicht systemweit über alle Kanäle. Jetzt lässt sich die Timeline laut Liski für sämtliche 192 Eingänge bis zu 30 Minuten zurückdrehen.

Replay grenzt Audio- und RF-Probleme ein

Bei der Demo auf der IBC provozierte Liski eine Störung und sprang anschließend zu deren Zeitpunkt zurück. WAVETOOL markiert erkannte Ereignisse in der Timeline; der betroffene Kanal lässt sich dort erneut abhören. Parallel bleiben Statusinformationen des Funksystems sichtbar.

„Ich kann sehen, dass es kein RF-Problem war, weil ich gleichzeitig den RF-Level und den Batteriestatus sehe. Dann weiß ich: Das war ein Audioproblem“, erklärte Liski. Gerade bei Produktionen mit vielen Mikrofonen lässt sich damit nach einem kurzen Störgeräusch noch nachvollziehen, auf welcher Strecke es auftrat, auch wenn der betreffende Kanal in diesem Moment nicht aktiv abgehört wurde.

Das Replay steht auch auf verbundenen iOS-Geräten zur Verfügung. In der Vorführung rief Liski den betreffenden Kanal mobil auf, sprang zum markierten Zeitpunkt und hörte das Ereignis erneut ab. Der WAVETOOL-Server läuft dabei nicht auf spezieller Hardware, sondern als Software auf einem Mac.

WAVETOOL 4 Playback Funktion
WAVETOOL 4 speichert den Audioverlauf aller 192 Kanäle für bis zu 30 Minuten und macht ihn systemweit abrufbar.

Dass der Replay-Puffer nun gleichzeitig für bis zu 192 Kanäle geführt werden kann, bringt Liski auch mit der gestiegenen Rechen- und Speicherleistung aktueller Macs in Verbindung. „Vor einigen Jahren hätten wir das so nicht machen können. Heute geht es“, sagte er.

Eine Windows-Version ist derzeit nicht vorgesehen. Liski verwies auf technische Anforderungen der Audioverarbeitung und darauf, dass Macs insbesondere im Theaterumfeld ohnehin weit verbreitet seien. Als Beispiel nannte er QLab, das ebenfalls ausschließlich unter macOS läuft.

Neben dem längeren Replay wächst die maximale Kanalzahl von zuvor 128 auf 192. Gleichzeitig verdoppelt Shure die Zahl der Clients von vier auf acht. Die Nutzer können innerhalb desselben Netzwerks unabhängig voneinander Kanäle abhören. Damit können etwa FOH, Bühne oder weitere Mitglieder der Audiocrew jeweils eigene Quellen kontrollieren, ohne sich gegenseitig bei der Auswahl zu beeinflussen.

Acht Clients und mehr Kommunikation im Team

Ausgebaut wurde auch die interne Kommunikation. Der Chat zwischen Server und Clients war zuvor textbasiert; WAVETOOL 4 nimmt nun Bilder und Sprachnachrichten auf. In der IBC-Demo fotografierte Liski beispielsweise ein auffälliges Mikrofon direkt mit einem mobilen Client und schickte das Bild an die übrigen Teilnehmer. Nachrichten lassen sich außerdem per Sprache eingeben, hinzu kommen vorbereitete Textbausteine beziehungsweise Makros.

WAVETOOL 4 Chat-Funktion
WAVETOOL 4 erweitert den integrierten Chat um Textnachrichten, Bildfreigabe und Sprachnachrichten.

Damit liegt ein Teil der Abstimmung direkt neben den Audio- und Statusinformationen, die das Team ohnehin zur Fehlersuche verwendet. Bis zu acht Personen können auf diese Weise mit demselben WAVETOOL-Server verbunden sein.

Auch die Oberfläche lässt sich in Version 4 stärker an die jeweilige Produktion und Bildschirmgröße anpassen. Während die Kanalzüge zuvor eine feste Größe hatten, können Anwender sie jetzt unterschiedlich skalieren und einzelne Kanäle entsprechend hervorheben.

Hinzu kommt eine neue Erkennung für auffällige Mikrofonsignale. Der Algorithmus soll untypische Geräusche beziehungsweise Störungen erkennen, dabei aber auf reguläre Produktionsgeräusche nicht anschlagen. Shure will damit Warnungen auf Ereignisse begrenzen, die für die Crew tatsächlich relevant sein können.

WAVETOOL stammt ursprünglich aus dem Theaterbereich. Liski verwies auf Produktionen am Broadway und im Londoner West End, inzwischen werde die Software aber auch bei Konzerten, Sportveranstaltungen, TV- und Reality-Produktionen eingesetzt. Viele Änderungen von Version 4 gingen auf Rückmeldungen aus diesen Anwendungen zurück. Gerade Replay-Dauer, Client-Zahl, veränderbare Oberfläche und der erweiterte Chat seien wiederkehrende Wünsche gewesen.

Neu organisiert wird zudem die Lizenzverwaltung. WAVETOOL-Lizenzen erscheinen jetzt in ShureCloud, wo sich ihr Status und bei Abonnements auch die Laufzeit einsehen lassen. Neben Subscription-Modellen bietet Shure weiterhin unbefristete Lizenzen an. Das Abo richtet sich unter anderem an projektbezogene Einsätze und selbstständige Tontechniker, während für dauerhaft installierte Systeme weiterhin ein Kaufmodell verfügbar ist.

WAVETOOL 4 ist erhältlich und kann 30 Tage kostenlos getestet werden.

Niklas Eckstein

Niklas Eckstein

Fachjournalist in der Medien- und Broadcast-Branche mit den Schwerpunkten Live-Produktion und Medientechnik. Chefredakteur von mebucom.de.

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