Timeline Television hat mit RoutePilot One eine neue Produktionslösung für kleinere Live- und Sportproduktionen vorgestellt. Das System bündelt zentrale Funktionen wie Routing, Bildmischung, Audio, Talkback, Tally und Playout in einer gemeinsamen Steuerungsumgebung und soll damit kompaktere Produktionen mit kleineren Teams ermöglichen.
Nach Angaben von Timeline richtet sich RoutePilot One vor allem an Produktionen, bei denen der Einsatz eines klassischen Ü-Wagens technisch oder wirtschaftlich nicht sinnvoll ist. Das Unternehmen überträgt dafür Funktionen aus seinen größeren Broadcast-Infrastrukturen auf ein deutlich kleineres Setup.
„Wir haben große Ü-Wagen und Flyaway-Systeme und produzieren auf sehr hohem Niveau. Wir wollten denselben technischen Support auch für kleinere Produktionen verfügbar machen“, erklärt Timeline-Gründer und CEO Daniel McDonnell.
Timeline hat dafür ein eigenes Control-System entwickelt. Über eine zentrale Oberfläche lassen sich unter anderem Routing, Tally, Playout und weitere Produktionsfunktionen steuern. Ziel ist es, Arbeitsabläufe stärker zu automatisieren und mehrere Aufgaben an einem Arbeitsplatz zusammenzuführen.
Dadurch sollen Produktionen mit weniger spezialisierten Operatoren auskommen können. „Wir versuchen, stärker mit Mitarbeitern zu arbeiten, die mehrere Bereiche beherrschen“, sagt McDonnell. Ein wesentlicher Kostenfaktor bei kleineren Produktionen sei häufig nicht die Hardware, sondern das benötigte Personal.

Blackmagic-Hardware als Teil des Systems
In der gezeigten Konfiguration setzt Timeline unter anderem auf einen Blackmagic-Bildmischer, der zugleich Routing-Aufgaben übernimmt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die flexible Audioverarbeitung.
Audiosignale lassen sich direkt aus SDI-Signalen herauslösen und beispielsweise über MADI an ein Audiopult weiterreichen. Zusätzliche Embedder und De-Embedder können dadurch in vielen Fällen entfallen.
„Wir können Audiosignale aus unterschiedlichen Quellen im System dort verfügbar machen, wo sie benötigt werden“, erklärt McDonnell. Dadurch könne Timeline Funktionen, die sonst größere technische Infrastrukturen erfordern, in einem kompakteren Setup abbilden.
RoutePilot One ist dabei nicht grundsätzlich an die auf dem Messestand eingesetzte Hardware gebunden. Laut Timeline können auch andere Geräte integriert werden, sofern entsprechende Schnittstellen beziehungsweise APIs zur Verfügung stehen.

Talkback, Tally und Steuerung integriert
Zum Funktionsumfang gehört auch eine eigene Talkback-Lösung. Das System unterstützt unter anderem Gruppen und Party Lines. Stream Decks können sowohl für Steuerungsfunktionen als auch als Kommunikationspanel eingesetzt werden.
Auch Tally-Funktionen sind direkt in RoutePilot integriert. Timeline will dadurch zusätzliche Einzelkomponenten vermeiden und den technischen Footprint der Produktion reduzieren.
Nach Angaben des Unternehmens stößt insbesondere die integrierte Talkback-Funktion bereits auf Interesse. Kunden hätten sich auch danach erkundigt, ob dieser Teil der Plattform unabhängig von einer vollständigen RoutePilot-Produktion eingesetzt werden könne.
Zwei Mac minis als Main- und Backup-System
Die präsentierte RoutePilot-Konfiguration läuft auf zwei Mac minis, die als Haupt- und Backup-System eingesetzt werden. Die Rechner übernehmen zusätzlich Aufgaben für Clip-Playout, Replay und Audio.
Zur weiteren Infrastruktur gehören unter anderem ein Netzwerk-Switch, Firewall sowie Dante- und MADI-Anbindung. Das Grundsystem verteilt sich auf zwei Transport-Cases, die laut Timeline jeweils weniger als 32 Kilogramm wiegen.
„Man stellt die beiden Cases übereinander, verbindet sie miteinander und hat damit im Prinzip seine komplette Produktionseinheit“, sagt McDonnell.
Netzwerk und weitere technische Einstellungen werden vorkonfiguriert ausgeliefert. Damit soll das System am Produktionsort innerhalb vergleichsweise kurzer Zeit einsatzbereit sein. Für Produktionen mit Replay kann eine zusätzliche Einheit ergänzt werden.

Für Live- und Studioproduktionen
RoutePilot One ist sowohl für Außenproduktionen als auch für Studioanwendungen vorgesehen. Timeline hat vergleichbare Systeme bereits bei den Commonwealth Games in Glasgow eingesetzt. Dort kamen mehrere Einheiten für Produktionen im Pressebereich zum Einsatz.
Tom Gehring sieht einen wichtigen Einsatzbereich insbesondere bei kleineren Sportproduktionen. Für Produktionen unterhalb der großen nationalen und internationalen Broadcast-Kategorien sei ein voll ausgestatteter Ü-Wagen häufig überdimensioniert.
Die auf der Messe gezeigte RoutePilot-Konfiguration ohne zusätzliche Slow-Motion-Einheit beziffert Gehring auf rund 750 britische Pfund pro Produktionstag. Kameras und weiteres produktionsspezifisches Equipment sind darin nicht enthalten.
Start zunächst als Serviceangebot
Timeline will RoutePilot One zunächst vor allem als Service anbieten. Kunden können Produktionszeitraum und technische Anforderungen angeben, auf deren Basis Timeline ein passendes Setup zusammenstellt. Das Unternehmen kann dabei auch die technische Crew stellen.
Perspektivisch ist laut McDonnell auch ein Softwaremodell denkbar, bei dem Kunden RoutePilot auf eigener Hardware einsetzen.
„Aktuell starten wir im Wesentlichen mit einem Serviceangebot“, sagt McDonnell. Eine eigenständige Softwarelösung könne später hinzukommen.
Mit RoutePilot One positioniert Timeline damit eine kompakte Produktionsplattform zwischen klassischen Broadcast-Infrastrukturen und einfacheren Software-Setups. Der Schwerpunkt liegt auf der Integration mehrerer Produktionsfunktionen in einer gemeinsamen Steuerungsumgebung und auf einem geringeren Hardware- und Personalbedarf.