Initiiert wurde der Radiofrequenzwechsel in Berlin-Brandenburg von einer Insolvenz. Wegen des starken Rückgangs der Werbeeinnahmen war das vielfach preisgekrönte JazzRadio (u.a. New York Radio Award) in die Bredouille geraten. Zwar wurde der Sendebetrieb nicht eingestellt, aber die Vermarktungsgesellschaft von JazzRadio musste am 20. Mai 2010 Insolvenz beim Amtsgericht Charlottenburg anmelden. Damit war für die mabb (Medienanstalt Berlin-Brandenburg) als Aufsicht des Privatfunks in der Region das Signal gegeben, die Frequenz von JazzRadio neu ausschreiben zu müssen.
Aber auch der BBC ging (und geht) es finanziell nicht besonders gut. Sie muss sparen. In London überlegte man bereits, den Radiobetrieb in Berlin-Brandenburg einzustellen. Ein Grund: Die reichweitenstarke Frequenz 90,2 MHz, über die BBC World News in der Region seit 60 Jahren ausstrahlt, und mit der man im Kalten Krieg sogar große Teile von Osteuropa mit West-Nachrichten versorgte, war ihr zu teuer geworden. Tatsächlich will die BBC heute in der Region lediglich Zielgruppen in den Metropolen Berlin und Potsdam bedienen.
Andererseits hat Tradition und Geschichte bei der BBC natürlich auch ein großes Gewicht. Was tun? Zufällig war BBC-Repräsentant Michael Kayser ins Gespräch mit Tamer Ergün Yikici, Geschäftsführer von Radyo Metropol FM gekommen, dessen Radio hierzulande auf die Zielgruppe der Deutschtürken ausgerichtet ist. Von Yikici erfuhr Kayser, dass dieser mit der betriebenen Frequenz nicht zufrieden war. Denn genau da, wo sich seine Zielgruppe besonders ballt – in den Berliner Bezirken Neukölln und Kreuzberg – war die Frequenz so gut wie nicht zu empfangen. So entstand die Idee eines Frequenztausches, mit der man die mabb konfrontierte.
Diese verband daraufhin die ohnehin notwendig gewordene Ausschreibung für eine Frequenz mit der Möglichkeit, auch Frequenzen wechseln zu können. Alle knapp 40 Radiosender wurden in die Ausschreibung einbezogen. Darunter war dann auch RadioTeddy, ein Sender, der sich deutschlandweit als Kinder-Radio für die ganze Familie profiliert.
Im Ergebnis sah dann der von der mabb genehmigte Frequenzwechsel folgendermaßen aus: BBC World Service wechselte auf die bisher von Radyo Metropol FM genutzte deutlich kostengünstigere UKW-Hörfunkfrequenz 94,8 MHz. Zur Refinanzierung der Verbreitungskosten darf die BBC obendrein in das Programm künftig Werbung im Umfang von bis zu 2 Minuten pro Stunde einfügen.
Radyo Metropol FM wechselte auf 101,9 MHz, eine zuvor von JazzRadio genutzte UKW-Hörfunkfrequenz, die speziell in Neukölln und Kreuzberg von den Deutschtürken bestens zu empfangen ist. Radio TEDDY erhielt die BBC-Traditionsfrequenz 90,2 MHz und erhöhte seine technische Reichweite damit kräftig. Last but not least erhielt Jazz Radio – in neuer gesellschaftsrechtlicher Zusammensetzung – die 106,8 MHz, die zuvor Radio TEDDY belegt hatte, und eine bessere Reichweite in der Zielgruppe, die sich günstig auf die Werbeinnahmen auswirken kann.
Mittlerweile hat JazzRadio mit Fujairah Media einen neuen Investor gefunden, der 50 Prozent der Gesellschafteranteile hält. Fujairah Media ist ein führendes Medienunternehmen der Vereinigten Arabischen Emirate und besitzt unter anderem etliche Radio- und TV-Sender.
So ist eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten entstanden. Allerdings mussten alle Beteiligten den Mut zum Risiko aufbringen, beim Frequenzwechsel eventuell Stammkunden zu verlieren. Zumal in Berlin-Brandenburg aufgrund der hohen Frequenzdichte der härteste Wettbewerb im deutschen Radiomarkt stattfindet. Neben dem richtigen Marketing im Vorfeld des Frequenzwechsels, war es insbesondere wichtig, dass ihn MEDIA BROADCAST so realisierte, dass technisch alles schnell und reibungslos lief.
Technische Realisierung
Wie Ronald Baer, Key Account Manager Business Unit Hörfunk, MEDIA BROADCAST, erläutert, nahm der Umbau der Sender lediglich zwischen 28 und 48 Minuten in Anspruch (siehe Tabelle). In dieser kurzen Frist fanden alle relevanten Umbauarbeiten statt, wie zum Beispiel Schaltung und Einstellung der Leitungsendgeräte in den Senderhäusern durch Vor-Ort-Monteure, Neukonfiguration der Übertragungsgeräte, Einmessung der Strecke und datentechnische Aufbereitung der Signalwege. Der mit allen Beteiligten abgestimmte Projektplan wurde am 1. Dezember 2010 ab 7.10 Uhr durchgeführt.
„Unsere Teams“, so Baer, „arbeiteten parallel in den Funkhäusern sowie in der zentralen Schaltstelle der MEDIA BROADCAST. Dadurch konnten wir die Sendepausen bei den Live-Signalen auf das absolute Minimum reduzieren“. Wichtige Grundlage des Frequenztauschs war die exakte technische Koordination der zu- und abführenden Signalleitungen zwischen Radiosender und Sendeanlagen. „Weil die Funkhäuser zum Teil unterschiedliche Formate bei der Signalzuführung nutzen, musste die Leitungstechnik an diese diversen Formate der Signalquellen angepasst werden“, erläutert Baer.
Ein Beispiel: „Die Zuführung eines unkomprimierten Digitalsignals erfordert eine andere Hardwarelösung für den Signaltransport als eine komprimierte Analogquelle. Die jeweiligen technischen Anforderungen wurden selbstverständlich im Vorfeld der Umschaltung mit den beteiligten Sendern besprochen“. Wesentlich vereinfacht wurde das Projekt durch die zentrale Schaltstelle der MEDIA BROADCAST in Berlin. Baer: „Mit unserer zentralen Schaltstelle konnten wir den Frequenztausch rasch und aus einer Hand realisieren“. Sicherheitshalber, um Sendeausfälle zu vermeiden wurden Internet-Streams oder vorproduzierte Beiträge zur Überbrückung der Umbauphasen auf den Live-Leitungen benutzt. Mit umfassenden Back-up-Lösungen wurde die Wahrscheinlichkeit eines Komplettausfalls auf ein absolutes Minimum reduziert.
Technisch betrachtet, so Baer, lasse sich ein solcher Frequenzwechsel von MEDIA BROADCAST in beliebigen Regionen ohne geografische Restriktionen durchführen. Voraussetzung sei aber immer die medienpolitische Entscheidung.
Erika Butzek
(MB 02/2011)