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Appear testet REMI-Produktion über 5G und Satellit

Appear und Thoroughbred Racing Productions haben einen REMI-Workflow über gebündelte 5G- und LEO-Satellitenverbindungen getestet. Vier HD-Kamerasignale gingen ins Produktionszentrum, zwei Programmfeeds zurück zur Rennstrecke.

Appear X5: Test-Einsatz an entlegenen australischen Pferderennbahnen ©appear
Appear X5: Test-Einsatz an entlegenen australischen Pferderennbahnen ©appear
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Vier HD-Kamerasignale zum Produktionszentrum, zwei Programmfeeds zurück – und keine feste Internetanbindung an der Rennstrecke: Appear und Thoroughbred Racing Productions (TRP) haben in Australien einen bidirektionalen REMI-Workflow über gebündelte 5G- und LEO-Satellitenverbindungen erprobt.

Hinter dem Proof of Concept steht ein konkretes Infrastrukturproblem. TRP, der Produktionsbereich von Racing Victoria, überträgt Pferderennen von 51 regionalen Rennstrecken im australischen Bundesstaat Victoria. Nach Angaben der Unternehmen verfügen lediglich 20 dieser Standorte sowie die Rennstrecken im Großraum Melbourne über eine ausreichend leistungsfähige kabelgebundene Anbindung für bestehende REMI-Workflows. An 31 regionalen Strecken fehlt diese Voraussetzung.

TRP plant, Produktionsressourcen stärker zu zentralisieren. Der Test sollte deshalb klären, ob sich auch diese Standorte per Mobilfunk und Satellit in einen Multikamera-REMI-Workflow einbinden lassen.

X5 bündelt vier Kameras und zwei Rückkanäle

Am Veranstaltungsort setzte Appear eine kompakte X5 ein, im Produktionszentrum eine X20. Die vier HD-Kamerasignale wurden mit HEVC codiert und per SRT über gebündelte 5G- und LEO-Satellitenverbindungen übertragen. Im Produktionszentrum decodierte die X20 die Signale und codierte gleichzeitig zwei HD-Programmfeeds für den Rückweg zur Rennstrecke.

Im Produktionszentrum decodierte eine Appear X20 die Kamerasignale und stellte gleichzeitig zwei HD-Programmfeeds für den Rückweg bereit ©Appear

Damit liefen sechs HD-Feeds gleichzeitig über die gebündelte Verbindung. Anders als bei Contribution-Szenarien mit lediglich einem fertigen Programmsignal wurden die einzelnen Kameras für die eigentliche Produktion zum zentralen Standort übertragen.

Appear nutzt für SRT eine hardwarebeschleunigte Implementierung. Die X5 unterstützt laut aktuellem Herstellerdatenblatt AVC- und HEVC-Encoding und -Decoding sowie SRT für öffentliche und private Netzwerke. Auch SMPTE ST 2022-7 ist vorgesehen. Die X5 ist als 1-HE-Half-Rack-System ausgeführt und für Edge- und Contribution-Anwendungen positioniert.

Der größere X20 ist als modulares 2-HE-System für zentrale Processing- und Netzwerkanwendungen ausgelegt. Appear gibt für die Plattform unter anderem bis zu 72 Gbit/s SRT-Traffic an. Über entsprechende Module unterstützt sie außerdem ST 2110, NMOS, PTP sowie JPEG XS.

Zweiter Test unter schwierigen Wetterbedingungen

Der Proof of Concept fand an zwei Rennstrecken statt. Einer der Tests wurde an einem abgelegeneren Standort bei starkem Regen und schwierigen Wetterbedingungen durchgeführt. Nach Angaben von Appear wurden bei beiden Versuchen alle vier Kamerasignale und beide Rückkanäle übertragen. TRP habe keine Probleme mit der Videoqualität gemeldet; Eingriffe durch Operatoren seien während der Übertragung nicht erforderlich gewesen.

„Remote Production verändert die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen von Live-Übertragungen, ihre Vorteile waren bislang jedoch häufig an eine dedizierte Netzwerkinfrastruktur gebunden“, sagt Thomas Bostrøm Jørgensen, CEO von Appear. „Dieser Proof of Concept zeigt, dass Broadcaster solche Produktionsmodelle mit gebündelten 5G-Mobilfunk- und LEO-Satellitenverbindungen auch auf abgelegene Veranstaltungsorte ausweiten können.“

Appear-CEO Thomas Bostrøm Jørgensen ©appear

Für TRP ist vor allem die mögliche Zentralisierung relevant. „Bei diesem Test ging es für uns nicht nur darum, nachzuweisen, dass die Technologie funktioniert. Wir wollten eine neue Möglichkeit erproben, Live-Rennen von einigen unserer abgelegensten Veranstaltungsorte zu produzieren“, sagt Charles Cole, Engineering and Technical Operations Manager bei Thoroughbred Racing Productions. Die Versuche hätten TRP das Vertrauen gegeben, Multikamera-REMI über gebündelte Mobilfunk- und Satellitenverbindungen als Option für die regionalen Rennstrecken weiterzuverfolgen.

Die X-Plattform ist dabei nicht auf diesen Übertragungsweg festgelegt. Appear sieht die Systeme auch für klassische IP-Infrastrukturen vor; die Plattform unterstützt je nach Konfiguration unter anderem ST 2110 und JPEG XS. Das Unternehmen positioniert damit dieselbe Produktfamilie sowohl für REMI über unmanaged Networks als auch für Produktionsumgebungen mit hoher IP-Bandbreite.

TRP will auf Basis des erfolgreichen Tests nun weiter untersuchen, für welche seiner regionalen Rennstrecken sich der REMI-Ansatz eignet.

Eckhard Eckstein

Eckhard Eckstein

Erfahrener Fachjournalist und langjähriger Chefredakteur der Zeitschrift MEDIEN BULLETIN. Themenschwerpunkte sind Medienpolitik und Rundfunktechnologie.

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