Nach knapp einjähriger Bauzeit ist der neue HDTV-Ü-Wagen FÜ1 HD des Bayerischen Rundfunks (BR) fertig gestellt worden. Am 11. Januar wurde er zum Probebetrieb und zur Einarbeitung zum BR-Sendezentrum nach Freimann gebracht. Hier gab es verschiedene Trainings und technische Schulungen mit dem Bedienpersonal. Nach der Restmängelbeseitigung und einer kurzen Umrüstphase konnte der BR am 22. Februar seine erste komplette HDTV-Produktionseinheit offiziell in Empfang nehmen. Prof. Hans-Joachim Götz, Hauptabteilungsleiter Technik, erklärt zufrieden: „Das Abnahme- und Übergabe-Prozedere entsprach exakt unserem Zeitplan.“ Jürgen Kreissl, Leiter Außenübertragung des BR, räumte ein: „Um das zu schaffen, waren allerdings einige Kraftanstrengungen nötig.“ Die gute Zusammenarbeit aller am Projekt beteiligten Unternehmen habe am Ende aber für einen fast reibungslosen Projektablauf gesorgt.
„Mit dem neuen Ü-Wagen unterstützt der BR die gemeinschaftlichen Anstrengungen der ARD standardisierte und wirtschaftliche Produktionsmittel zu schaffen, um effizient die Anforderungen des Programms erfüllen zu können“, betont Prof. Götz. Die vielfältigen Programmaufgaben der ARD könnten damit einfacher und kostengünstig abgewickelt werden und bei Koproduktionen könne auf unterschiedliche Aufgabenstellungen schnell reagiert werden.
Der FÜ1 HD wurde nach den Vorgaben einer BR-Projektgruppe und nach einer EU-weiten Ausschreibung von einem Firmenkonsortium im Münchner Raum gebaut. Als Generalunternehmen (GU) zeichnete Sony Solutions in Köln mit Projektleiter Klaus Benz verantwortlich. Für die technische Planung, Innenausbau und Installation der umfangreichen Broadcast-Technik engagierte Sony die Firma VTS Studiotechnik GmbH aus Eglhausen/Allershausen. Diese wiederum holte sich für den Audio-Part die Sono Studiotechnik GmbH aus München mit Projektleiter Stefan Krömer ins Boot. Den Karosseriebau besorgte Josef Halbinger aus Mauern/Moosburg.
Der FÜ1 HD ist der erste Ü-Wagen, den Sony Solutions Köln nach dem HDTV-Standard SMPTE 292M konzipiert hat. SMPTE 292M steht als Norm für das High Definition Serial Digital Interface (HD SDI) zur Übertragung von unkomprimierten Bildsignalen für High Definition im Studio- und Produktionsumfeld. SMPTE 292M erlaubt eine Übertragungsbandbreite von 1,5 Gbit/s für die Videoformate 1080i und 720p. Möglich ist aber auch die Aufschaltung von zwei SMPTE 292M Verbindungen (Dual Link) auf nur einem Kabel (SMPTE 424M Norm). Damit wären dann Übertragungsbandbreiten von 3 Gbit/s (3G-SDI) möglich und die Nutzung von 1080p- und 2k-Formaten.
In alle Belange des Ü-Wagen-Baus involviert war Georg Beyer, der als Sony Key Account Manager unter anderem für die Betreuung des BR zuständig ist. Er lobt die gute, reibungslose Kooperation mit den Partnerunternehmen. „Karosseriebauer Halbinger hat zuvor auch schon bei anderen Projekten mit VTS zusammen gearbeitet. Das hat sich bezahlt gemacht“, berichtet er. Und Audioexperte Grömer sagt: „Auch Sono hat schon sehr gute Erfahrungen mit VTS bei einigen vorher gegangenen Projekten machen können.“ Zudem habe die enge Zusammenarbeit mit den BR-Produktionsingenieuren bei der Entwicklung und Ausarbeitung des technischen Konzeptes ausgezeichnet funktioniert.
Erster Einsatz des neuen FÜ1 HD war die Live-Übertragung des Starkbieranstichs (5. März) auf dem Münchner Nockherberg. Die erste große Wintersportproduktion des FÜ1 HD findet nun vom 10. bis 14. März beim Finale des Ski Alpin Damen-Weltcups in Garmisch Partenkirchen statt. Bereits hier zeigen sich laut Kreissl die Stärken des neuen flexiblen Betriebskonzepts und das Bestreben ökonomische Arbeitsabläufe zu entwickeln. Der neue Ü-Wagen ersetzt den fast 14 Jahre alten FÜ1. Er orientiert sich deshalb auch an den wesentlichen Leistungsmerkmalen des Vorgängermodells. Mit moderner, zeitgemäßer Technik und neuer Raumgestaltung wurden jedoch Einschränkungen des alten Ü-Wagens korrigiert. Aus dem nun ausgemusterten FÜ1 wurden aus Kostengründen einige Gerätschaften zur Weiterverwendung im neuen FÜ1 HD übernommen. „Die Beistellungen betreffen überwiegend die Kommandoanlage von Riedel und Audiogeräte, die sich im HD-Umfeld nicht ändern“, erklärt Gohla.
Beim FÜ1 HD handelt es sich um einen dreiachsigen Sattelaufleger mit Allrad-Zugmaschine von MAN (397 kW). Das Fahrzeug ist 16,5 Meter lang, 2,5 Meter breit, 4 Meter hoch und hat ein Gesamtgewicht von 39 Tonnen. Zusammen mit dem FÜ1 HD konnte der BR auch eine zweiachsigen Sattelaufleger-Rüstwagen (TR1) im Empfang nehmen. Auch er verfügt über eine MAN-Allrad-Zugmaschine.
„Vorteil der Allrad-Zugmaschinen ist, dass die Ü-Wagen-Stellplätze bei Wintersport-Events auch bei schwierigen winterlichen Straßenverhältnissen mit eigener Kraft nun leichter erreichbar sind“, meint Kreissl. Bei dem alten Ü-Wagen habe man oft Traktoren, Unimogs oder Raupen als zusätzliche Zugmaschinen vorspannen müssen. Der Antrieb der MAN-Zugmaschine mit dem „Hydrodrive“ genannten zuschaltbaren hydraulischen Allrad ist eine Besonderheit, die man bis dato bei keinem anderen Ü-Wagen findet. Da unter der Sattelkupplung die hydraulischen Motoren für den Allrad-Antrieb sitzen, ist sie höher als bei normalen Sattelschleppern. Daraus ergab sich die Notwendigkeit, ein neues Raumkonzept für den Aufleger zu entwickeln. Ein durchgehendes Raumniveau wie bei anderen Sattelzügen war nicht zu realisieren. Die über der Sattelkupplung befindliche Tonregie liegt gegenüber den anderen Arbeitsbereichen deshalb etwas erhöht. Gohla: „Das fällt im Grunde aber gar nicht auf.“
Karosserie und Schubladen
Der FÜ1 HD verfügt auf beiden Seiten des Aufbaus über hydraulisch ausfahrbare Schubladen. Auf der Beifahrerseite existiert eine Schublade für Bildregie A und B und auf der Fahrerseite drei Schubladen für Bildtechnik, Regie A und B und Tonregie. Auf der Fahrerseite ragen die Schubladen 80 cm aus dem Aufbau heraus, auf der Beifahrerseite einen Meter. Die Schubladen müssen zur Produktion grundsätzlich ausgefahren werden. Die Gesamtbreite des Fahrzeugs beträgt dann 4,30 Meter.
„In einer halben Stunde haben wir den Ü-Wagen einsatzbereit“, meint Kreissl.
Die Hydraulik zum Ein- und Ausfahren der Schubladen lässt sich bequem per Funkfernbedienung, per Bedienfeld im Unterflurbereich des Fahrzeugs oder im Notfall, sollte einmal die Elektrik ausfallen, auch per Handpumpe bedienen.
„Aus statischen, akustischen und klimatechnischen Gründen wurden bewusst kurze Schubladen gewählt, die in den Aufbau hinein geschoben werden“, sagt der AÜ-Leiter. Der Wagen zeichne sich nicht zuletzt deshalb durch eine sehr gute akustische Dämmung aus. Die kurzen Schubladen auf beiden Seiten, haben nach Angaben von Gohla auch den Vorteil, dass der Ü-Wagen sich auf seinen spezifischen Einsatzorten in Bayern einfacher aufstellen lässt. „Man kommt damit noch an alle Drehorte hin“, sagt er. Ein „Riesenschlachtschiff“ mit einseitiger großer Schublade sei für die BR-Produktionsleute nicht praktikabel gewesen.
Im Karosserie-Bereich wurde der FÜ1 HD des BR mit einigen weiteren innovativen Details ausgestattet. Dazu gehören zum Beispiel die so genannten Wetterschutzklappen, die sich beim Ausfahren der Schubladen automatisch wie ein Schrägdach darüber legen und verhindern, dass Schnee direkt auf den Schubladen liegt und die Gefahr des Eindringens von Feuchtigkeit verhindern. Auch der Steckfeld-Bereich am Heck ist mit einer Dachklappe und seitlichen Klappen geschützt. An ihnen lässt sich zusätzlich noch ein Wetterschutzzelt anbringen. Wetterschutzklappen finden sich auch über den beiden Eingangsplattformen auf der Beifahrerseite. Alle Klappen sind mit Gasdruckdämpfern versehen.
Die Geländer der Eingangsplattformen müssen beim Ü-Wagen-Abbau nicht wie bei anderen Fahrzeugen komplett demontiert werden sondern lassen sich komplett in die Schubladenwand hinein schieben.
Über die Größe des neuen Ü-Wagens gab es laut Prof. Götz im Vorfeld der Projektentwicklung lange Diskussionen. „Die einen wollten möglichst viele Kameras und die Ausstattung möglichst umfangreich, die anderen eine eher reduzierte Variante“, sagt er. Letztendlich habe man sich ganz bewusst für zweiteres entschieden. „Am Ende muss sich ein Ü-Wagen-Konzept schließlich an den tatsächlichen Produktionsmöglichkeiten und –zielen orientieren. Es macht wirtschaftlich keinen Sinn, einen Ü-Wagen über zu dimensionieren, wenn die Produktionen dafür gar nicht vorhanden sind“, erklärt Prof. Götz. Man habe sich aber trotzdem noch eine Hintertür offen gelassen, um vielleicht später einmal den Wagen weiter ausbauen zu können. Prof. Götz: „Im Augenblick sehe ich aber nicht die finanziellen Möglichkeiten dazu.“
Kameratechnik und Verkabelung
Der FÜ1 HD ist derzeit mit zehn HDC 1400R-Kameras von Sony (Optiken von Fujinon) ausgerüstet. „Der Wagen ist so eingerichtet, dass der Ausbau für 16 aussteuerbare Kameras möglich ist“, berichtet Key Account Manager Beyer. Das Aufzeichnungsformat ist XDCAM 4:2:2. Das Fahrzeug ist umschaltbar zwischen 720p/50- und 1080i/25-Produktion. Beyer: „Theoretisch kann der Wagen auch 1080p/50 aufzeichnen. Dazu hat er unter anderem auch eine HDCAM MAZ HDW-D2000 von Sony an Bord.“
Im MAZ-Bereich kann der Ü-Wagen mit insgesamt 20 Maschinen ausgestattet werden. Neben der HDCAM MAZ verfügt er aktuell über acht Sony XDCam PDW HD 1500 und drei DigiBeta DVW 500.
Beim BR ist man von der hohen Leistungsfähigkeit der HDC 1400R-Kameras von Sony überzeugt. „Sie ist mittels Upgrade 3G-fähig und sowohl mit Triax als auch mit Glasfaser-Kabel einsetzbar“, meint Projektingenieur Gohla. Neben der positiven technischen Bewertung habe auch die Wirtschaftlichkeit und Zukunftssicherheit der erst zu NAB 2009 auf den Markt gekommenen HDC 1400R den Ausschlag zur Wahl dieser Kamera gegeben. Eingesetzt werden die Sony HDC 1400R-Kameras in Kombination mit SMPTE-Kabel. Das sind Hybridkabel mit Glas und Kupfer. Für den Einsatz mit reinen Triax-Kabeln müssen Konverter beschafft werden. Und das wird auch künftig noch oft der Fall sein. „Allein 15 der wichtig-sten bayerischen Veranstaltungsorte, an denen wir produzieren, sind mit einer Triax-Festverkabelung ausgestattet. Deshalb können wir auf die Konverter nicht verzichten“, sagt AÜ-Leiter Kreissl.
Die vom BR genutzten SMPTE-Kabel werden nicht nur bei den Kamerasystemen sondern auch bei zwei abgesetzten AV-Boxen eingesetzt. Sie sind für 22 Videoquellen mit Embedded Audio ausgerüstet und wurden speziell für den FÜ1 HD entwickelt. Die Boxen werden über Flashlink-Systeme des norwegischen Herstellers von Netzwerktechnik Nevion (ehemals Network Electronics) mit den SMPTE-Kabeln verbunden. „Dass für Kameras und Stageboxen die gleichen Kabel eingesetzt werden können, ist bei anderen Ü-Wagen meines Wissens nach nicht der Fall“, meint der AÜ-Leiter des BR. Für seine SMPTE-Stecker hat der BR Lemo als Lieferanten gewählt. „Damit sind wir bislang gut gefahren“, sagt Kreissl. Im Triax-Bereich wird mit Damar & Hagen-Steckern gearbeitet.
Im Heckbereich des Ü-Wagens finden sich bereits 16 SMPTE-Anschlüsse plus zwei weitere für die AV-Boxen. „Derzeit verfügen wir aber nur zehn Sony-Konverter, um von den SMPTE-Anschlüssen auf Triax zu gehen“, berichtet Kreissl.
„Im FÜ1 HD setzen wir auf eine ganz normale HD-Verkabelung, die ebenso wie die Video-Gerätschaften 3G-fähig ist“, sagt Projektingenieur Gohla. Man gehe beim BR jedoch nicht davon aus, dass man in nächster Zeit im Dual-Link-Verfahren 3G-Produktionen machen werde. Dabei würden sich schließlich auch die verfügbaren Eingänge des Bildmischers halbieren. „Das geht nicht. Wir haben bei unseren Produktionen in der Regel keinen Bildmischer-Eingang übrig“, sagt Gohla.
Für den Innenausbau und die Video-Installationen im FÜ1 HD zeichnete, wie schon erwähnt, die VTS Studiotechnik verantwortlich. „VTS-Prokurist Thomas Drexler war als Projektierer und Ideengeber in den Details, für uns sehr wichtig“, betont Gohla. Aufgeteilt ist der Wagen vom Heck bis zur Fahrerkabine in die Bereiche Bildkontrolle, Regie A und B und Tonregie.
Tonregie
Herzstück in der Tonregie ist ein mc266 Audiomischer von Lawo. „Es handelt sich hierbei um eines der ersten Lawo mc²66 MK II in der Version 32-8-16. In dieser Bauform wurde es auch schon beim BR im Studio 1 in Unterföhring verbaut“, berichtet Krömer. Im Zuge der Standardisierung seiner technischen Systeme setzt der BR in letzter Zeit verstärkt Lawo-Audio-Mischpulte ein. „Die Kollegen vom Hörfunk haben gute Erfahrungen mit Lawo gemacht und uns die Pulte des Unternehmens schmackhaft gemacht“, sagt Kreissl. Deren Einsatz in einem BR-Ü-Wagen ist eine Innovation. Als Audiokreuzschiene wurde im FÜ1 HD eine Lawo Nova 73 HD mit 8000 x 8000 Koppelpunkten verbaut. Als Audio-Abhören werden im gesamten Wagen vorwiegend eingemessene Geithain-Lautsprecher eingesetzt. Es gibt allerdings auch einige Klein+Hummel- bzw. Genelec-Lautsprecher an Bord.
In der Tonregie finden sich unter anderem auch ein Yamaha DM-1000 als Back-up-Pult, ein Mehrspur Digital-Recorder Sadie PCM-H64, Drenkelfort EventDriver 5.1 Audio-Zuspieler, Magix Sequoia für den Tonschnitt, Jünger Audio Lautstärkenkontrolle, sowie MAYAH Audio Codecs (C1141) und AVT magic. Im Interkom-Bereich wird eine große Riedel Matrix (kombinierte Artist-M und Artist 128 Frame) mit insgesamt 36 Externe Riedel Panelports, teilweise über LWL und CWDM abgesetzt, verwendet.
Kreissl lobt die gute Zusammenarbeit mit Sono bei der Audio-Installation. „Das liegt insbesondere an Stefan Krömer. Der hat sich hier sehr engagiert eingebracht hat“, betont er.
Regie A und B
Die beiden Regie-Räume können als Großraumregie genutzt werden oder lassen sich durch Schiebetüren voneinander abtrennen. Das macht zum Beispiel Sinn, wenn Regie A zur Produktion eines internationalen Signals und Regie B zur Produktion eines nationalen benötigt wird. Die Schalldichtigkeit der Schiebetüren hat das Institut für Rundfunktechnik (IRT) gemessen. „Man hat sich dabei gewundert, wie gut der Schallschutz hier funktioniert. Das ist laut IRT in kaum einem anderen Ü-Wagen so gut gelungen“, sagt Kreissl.
Beide Regiebereiche verfügen neben den Regieplätzen an den Sony-Mischpulten in der ersten Reihe über Multifunktionsarbeitsplätze unter anderem zur Nutzung durch Slomo-Operator oder Avid-Editor in der zweiten Reihe. Das Besondere ist, dass sich die Arbeitstische der zweiten Reihe entriegeln, von der Außenwand abrücken und frei im Raum verschieben lassen. So ist es möglich, dass das Personal dort auch in Blickrichtung mit den Regieplätzen in der ersten Reihe sitzen kann. Dann hat es allerdings die eigenen jeweils vier LCD-Monitore im Rücken, die dann entsprechend geschützt werden müssen.
Die Bildtechnik ist bislang zur Kontrolle von bis zu zehn Systemkamerazügen sowie von zwei Drahtlos-Kamerazügen ausgelegt. Der Kontrolltisch hier bietet jedoch ausreichend Platz, um weitere Bedienteile zu integrieren. Zur Bildkontrolle dienen hier fünf Sony- (Klasse 1) und drei VTS-Displays. Im Bereich der Bildtechnik finden sich unter anderem auch die akkustisch abgeschotteten Geräteschränke für die Trinix Grass Valley-Kreuzschiene und die Mainframes für die Multiformat-Bildmischer MVS-8000G von Sony, die in den beiden Regien des FÜ1 HD eingesetzt werden.
Die 3G-fähige Trinix-Kreuzschiene bietet 384x384 Koppelpunkte, lässt sich aber auch auf 512x512 erweitern.
Zur Bildkontrolle werden Monitore von VTS (Eigenbau) und Sony (Klasse 1 Monitore) verwendet, als Multiviewer drei KaleidoX-Systeme von Miranda.
Außerdem kommen vier Sechs-Kanal-Video-Server von EVS zum Einsatz, Clean Edit Xedio von EVS (neue Software wird noch geliefert) und ein nonlinearer Avid-Mediacomposer-Schnittplatz. „Wir können im Ü-Wagen also sowohl auf Xedio als auch auf Mediacomposer schneiden“, erklärt Kreissl. Xedio ist eine auf der IBC 2009 vorgestellte Applikationssuite zur Nachrichtenproduktion, die von EVS rund um das Clean Edit-Schnittsystem gebaut wurde. Im Zusammenspiel mit den XT2-Servern von EVS lassen sich damit laut EVS viele Aufgaben für Media Management, Ingest, Playout, Vorschnitt, aktueller Schnitt etc. erledigen.
Im Bereich der Up-/Down-/Cross-Konverter kommen Systeme von Lynx und Snell zum Einsatz. Darunter ist auch der mit einem Emmy-Award ausgezeichnete HDTV-Up-Konverter Quasar Ph.C von Snell. „Der ist für uns wichtig, weil wir bei vielen Produktionen sicherlich noch eine Weile SD-Signale zuspielen und hoch konvertieren müssen“, meint Gohla. Snells Quasar Ph.C sei vom IRT Anfang 2009 getestet worden und habe dabei durch sein großes Leistungsvermögen beeindruckt.
Steuersystem
Die Steuerung und Kontrolle der meisten Systeme übernimmt im FÜ1 HD das Virtual-Studio-Manager-System (VSM) der L-S-B Broadcast Technologies GmbH.
BR-Projektingenieur Gohla: „Die VSM-Steuerung haben wir ge-
wählt, weil ihre enge Integration in die eingesetzten Lawo-Systeme entscheidende Vorteile bietet.“
Die Controller-Integration in den Ü-Wagen realisierte LSB-Ge-
schäftsführer Wilfried Luff. „Er hat auch die Vorplanung organisiert und die Ausführungsplanung mitgemacht. Um den Controller für unsere Anforderungen richtig programmieren zu können, hat er eng mit Sono und VTS zusammen gearbeitet“, sagt Gohla. Da der VSM Controller so viele Schnittstellen zu Lawo habe, sei insbesondere die Kommunikation mit Audio-Integrator Sono wichtig gewesen.
„Wir freuen uns, dass wir den Auftrag von Sony Solutions erhalten haben, den ersten HDTV Ü-Wagen des BR mit dem Virtual Studio Manager auszurüsten. Mit Sono Studiotechnik verbindet uns eine lange vertrauensvolle Zusammenarbeit, der wir zahlreiche erfolgreiche Projekte verdanken. VTS hat bei diesem Projekt erstmals mit unserem Steuerungssystem gearbeitet und war von der Leistungsfähigkeit und von der Schnelligkeit, mit der der VSM innerhalb weniger Tage alle Schnittstellen für den Betrieb zur Verfügung stellt, begeistert“, betont LSB-Chef Luff.
VSM habe in dem BR-Projekt erneut seine Integrationsleistung bei herstellerübergreifenden Equipment-Einsatz bei Audio- und Bildmischer, Audio- und Timecode-Kreuzschienen, Video-Router, Monitore und Multiviewer unter Beweis stellen können. „So können nicht nur sämtliche Geräte, sondern auch zahlreiche Funktionen wie Tally-, GPI-, Tie-Line- und Label-Management zentral an einer individuell konfigurierbaren Benutzeroberfläche überwacht und gesteuert werden“, sagt er. Das IP-basierte Steuerungssystem stelle so die flexibelste kundenspezifische Lösung für sich verändernde Produktionsanforderungen im Ü-Wagen dar.
Der neue HDTV-Ü- Wagen des Bayerischen Rundfunks zeigt in gelungener Weise, dass es einerseits möglich ist ein zukunftsfähiges innovatives Konzept in die Praxis umzusetzen und andererseits standardisierte und wirtschaftliche Lösungen für die Investition zu entwickeln. Damit wurde, so Prof. Götz, für das Programm ein multifunktionales Produktionsmittel geschaffen, das die ARD unterstützt und dem BR hohe Flexibilität ermöglicht.
Eckhard Eckstein
(MB 03/10)