Jahrzehntelang arbeiteten Fernsehen und Radio mit getrennten Produktionssystemen. Unterschiedliche Signalwege, unterschiedliche Studios, unterschiedliche Workflows. Der ORF hat diese Trennung nun aufgehoben. Mit dem Projekt „Multimedialer Newsroom“ entstand am MedienCampus Küniglberg eine Infrastruktur, in der TV- und Radioproduktion technisch und räumlich verschmelzen.
Eine Plattform für alle Ausspielwege
Das Konzept folgt einer crossmedialen Logik: Inhalte sollen künftig schneller zwischen den Redaktionen fließen – egal ob für die Fernsehnachrichten, die Radiowellen Ö1 und Hitradio Ö3 oder die Online-Angebote des Senders.
Dafür wurden die bislang über Wien verteilten Radioredaktionen an den Küniglberg verlegt und in unmittelbarer Nähe zur TV-Produktion angesiedelt. „Mit dem Umzug der Radioredaktionen in das neue Zentrum und dem Neubau der Studios wurde die Grundlage gelegt, um Fernsehen, Radio und Online technisch und organisatorisch besser zusammenzuführen“, sagt Christian Weigl, Projektleiter beim ORF in der Abteilung System- und Anlagentechnik.
IP-Technologie als gemeinsame Basis
Technisch ruht das Projekt auf zwei Säulen: einem neuen TV-Studiobereich und einer komplett erneuerten Radioproduktion. Beide nutzen IP-basierte Signalwege nach dem Standard SMPTE ST 2110, der Audio, Video und Metadaten über Netzwerke transportiert und die klassische SDI-Verkabelung ablöst.
Im TV-Bereich ging im Dezember 2022 das Nachrichtenstudio 21 auf Sendung. Drei gebogene LED-Wände mit über 60 Quadratmetern Fläche, fünf Kameras und AR-Funktionen bilden die technische Ausstattung. Im März 2024 folgten zwei neue Regien: Regieplatz 21 (RP21) als erste vollständig IP-basierte Regie des ORF, Regieplatz 22 (RP22) als kompakte Single-Operator-Lösung für kleinere Produktionen.
Die Radioinfrastruktur nahm im Juni 2023 den Betrieb auf. Sie umfasst Produktions- und Abwicklungsregien, Aufnahmestudios und Sprecherkabinen für Ö1 und Ö3. Erstmals kamen dabei neue Systemkomponenten des Herstellers DHD zum Einsatz.






Umbau ohne Sendeunterbrechung
Die größte Herausforderung lag nicht in der Technik selbst, sondern in ihrer Einführung: Der gesamte Umbau musste bei laufendem 24-Stunden-Betrieb erfolgen. Während Ö1 und Ö3 sendeten, wurden Stück für Stück neue Systeme integriert und alte abgelöst.
„Dieses Projekt zeigt, wie technologische Weiterentwicklung und Betriebssicherheit Hand in Hand gehen können“, sagt Peter Dinkel, Geschäftsführer von BFE Wien. Sein Unternehmen verantwortete Planung, Integration und Inbetriebnahme. Die Projektleitung lag bei Lukas Hayden für den TV-Bereich und Leopold Hofmarcher für den Hörfunk.
Hayden beschreibt das Ergebnis so: „Mit dem multimedialen Newsroom konnten wir TV und Radio in einer gemeinsamen Infrastruktur zusammenführen – effizient, modular und zukunftsfähig.“













