Auf der IBC geht es bei BCE weniger um die nächste große KI-Vision als um die Frage, wie sich vorhandene und neue Technologien im Produktionsalltag sinnvoll zusammenbringen lassen. Dafür baut das Unternehmen seine Media-as-a-Service-Plattform weiter aus – mit zusätzlichen Anwendungen, stärkerer Integration und einem neuen Gateway, das auch die Nutzung von KI-Diensten kontrollierbarer machen soll.
„Die Gespräche, die ich hier geführt habe, waren sehr praxisorientiert“, sagt Stefan Weidner, Managing Director BCE Germany. Die Kunden suchten Lösungen für konkrete Aufgaben und einen Partner, „der zuverlässig liefert, was sie brauchen, damit sie ihren Job zu einem vernünftigen Preis machen können“.
Die Plattform von BCE ist als Portal angelegt, über das Kunden auf einzelne Teile der Media Supply Chain zugreifen können. Playout und Remote Commentary gehören schon länger dazu. Beim Media Management arbeitet BCE mit Perfect Memory zusammen und übernimmt die Integration. Für den Content-Austausch bindet BCE zudem seine NxP-Technologie ein, die unter anderem im Umfeld von ENEX (European News Exchange) eingesetzt wird. Das internationale Nachrichtennetzwerk nutzt eine gemeinsame Plattform, über die seine Mitglieder Video- und News-Material austauschen.
Neu hinzugekommen ist das Media Control Center. Es bündelt unterschiedliche Vorgänge in einem Dashboard und soll vor allem dort Übersicht schaffen, wo viele parallele Produktionen oder Feeds zusammenkommen.
FIBA Europe als konkreter Anwendungsfall
Wie das aussehen kann, zeigt ein neuer Auftrag von FIBA Europe. BCE hat mit dem Basketballverband ein mehrjähriges Agreement geschlossen und soll pro Jahr mehr als 1.600 Spiele aufzeichnen und archivieren. In Spitzenzeiten laufen laut Weidner bis zu 50 Spiele parallel.
Über das Media Control Center lässt sich verfolgen, welche Produktionen gerade laufen. Dahinter kann Perfect Memory das Material analysieren, Spielsituationen und Spieler erkennen und Metadaten erzeugen. Auch ein automatisiertes Logging ist vorgesehen. Aus erkannten Szenen können anschließend Clips erstellt werden.
Das lässt sich als Self-Service nutzen, muss es aber nicht. „Viele unserer Kunden wollen gar nicht selbst in solchen Oberflächen arbeiten“, sagt Weidner. „Sie wollen, dass wir das für sie übernehmen oder dass unsere Technologie es erledigt.“
Für BCE liegt der nächste Schritt deshalb weniger darin, immer weitere Einzelwerkzeuge in das Portal zu stellen, sondern sie stärker miteinander arbeiten zu lassen. Eine Playlist im Playout soll etwa direkt auf das Media Asset Management zugreifen und benötigtes Material bereitstellen können. Für die Orchestrierung arbeitet BCE mit Embrace zusammen.

BCE baut ein eigenes AI-Gateway
Parallel zum Ausbau der MaaS-Plattform entsteht ein AI-Gateway. Darüber sollen KI-Dienste nicht jeweils einzeln aus den Anwendungen heraus angesprochen werden. Kunden könnten stattdessen externe Services oder gegebenenfalls eigene KI-Systeme über eine gemeinsame Instanz anbinden.
Das Gateway soll dabei auch sichtbar machen, welche Dienste aktiv sind, wie intensiv sie genutzt werden und welche Kosten dadurch entstehen. Weidner nennt als Beispiel eine Gesichtserkennung, die sich über die Oberfläche zu- oder abschalten ließe. Wird derselbe KI-Dienst von mehreren Anwendungen genutzt, soll dessen Verbrauch ebenfalls zentral erfasst werden.
Für Weidner passt dieser Ansatz zu einer IBC, auf der viele Gespräche wieder näher am Tagesgeschäft geführt würden. „Die Frage ist nicht: Was ist besonders fancy? Sondern: Was bringt mir wirklich etwas, was spart mir Geld oder Personal, und welche Technologie kann das leisten?“
Dazu gehört für BCE inzwischen auch die Frage, wo Anwendungen und Daten betrieben werden. Weidner berichtet von Unternehmen, die Cloud-Workloads wieder On-Premises holen, und von Kunden, die bei KI neben den eigentlichen Nutzungskosten zusätzlichen Aufwand für Security einkalkulieren. Datenhoheit und technologische Souveränität würden deshalb stärker diskutiert. BCE hat in diesem Zusammenhang auch Partnerschaften mit Scaleway und Gcore für europäische CDN-Angebote angekündigt.
Weidner sieht darin keine Abkehr von neuen Technologien. Eher eine andere Erwartung an sie. Wenn Innovation bei „Lösung sucht Problem“ lande, werde es für Kunden schwierig, mit der Entwicklung Schritt zu halten. Sein Eindruck von der IBC fällt entsprechend nüchtern aus: „Praktisch und pragmatisch sind momentan die Zeichen der Zeit.“