Zum Inhalt springen

Dyn nutzt Discounter-Netz für Streaming-Vertrieb

Lidl Plus-Kunden streamen Dyn ab 4,99 Euro. Die Schwarz Gruppe nutzt ihre Beteiligung am Sport-Streamer für eine neue Vertriebsstrategie im Einzelhandel.

Dyn-Abo von Lidl
Lidl Plus-Kunden können das Dyn-Abo je nach Einkaufsumsatz für 4,99 bis 9,99 Euro monatlich buchen – regulär kostet der Sport-Streamingdienst 19,50 Euro. ©Dyn

Die Beteiligung der Schwarz Gruppe an Dyn Media zeigt erste konkrete Auswirkungen im Markt. Ab dem 12. Januar können Nutzer der Lidl Plus-App ein Monatsabo des Sport-Streamingdienstes zu deutlich reduzierten Konditionen abschließen – ein Vertriebsweg, der die Reichweite des Discounters mit Premium-Sportinhalten verbindet.

Das Angebot folgt einer gestaffelten Preislogik: Statt der regulären 19,50 Euro zahlen Lidl Plus-Kunden maximal 9,99 Euro monatlich. Wer über den sogenannten Rabattsammler Plus einen Monatsumsatz von 400 Euro bei Lidl erreicht, kann den Preis auf 4,99 Euro senken. Damit wird das Einkaufsverhalten direkt an die Streaming-Kosten gekoppelt.

Schwarz Gruppe setzt auf Sport als Kundenbindung

Die Konstruktion verdeutlicht die strategische Dimension der Schwarz-Beteiligung an Dyn. Der Mutterkonzern von Lidl und Kaufland hatte sich im Juli 2025 mit 42,5 Prozent an dem Sport-Streamer beteiligt und sieht Sport offenbar als Instrument zur Kundenbindung im hart umkämpften Lebensmitteleinzelhandel.

Das Dyn-Angebot reiht sich in eine neue Strategie ein: Bereits seit November 2024 bietet Lidl über die Plus-App auch Disney+ nach dem gleichen umsatzabhängigen Modell an. Die Partnerschaft fügt sich zudem in das bestehende Sportengagement von Lidl ein, das unter anderem eine bis 2030 verlängerte Kooperation mit dem Deutschen Handballbund umfasst.

Discounter als Distributionsplattform

Für Dyn eröffnet die Vereinbarung Zugang zu Millionen potenzieller Abonnenten. Die Lidl Plus-App verfügt über eine etablierte Nutzerbasis, die nun mit wenigen Klicks zum Streaming-Kunden werden kann. Der zeitliche Rahmen ist dabei kein Zufall: Am 15. Januar startet die Handball-Europameisterschaft der Männer, die Dyn exklusiv überträgt.

Das Modell wirft ein Schlaglicht auf veränderte Vertriebswege im Streaming-Markt. Während klassische Anbieter auf eigene Apps und Websites setzen, nutzt Dyn die physische Präsenz eines Einzelhändlers mit über 3.200 Filialen in Deutschland. Die Verknüpfung von Einkauf und Entertainment-Abo gewinnt damit an Bedeutung.

Ob die Rechnung aufgeht, wird sich zeigen. Die aggressive Preisgestaltung dürfte zunächst auf Kosten der Marge gehen. Langfristig kalkulieren beide Partner offenbar damit, dass regelmäßige Filialbesuche und Streaming-Nutzung sich gegenseitig verstärken.

Niklas Eckstein

Niklas Eckstein

Fachjournalist in der Medien- und Broadcast-Branche mit den Schwerpunkten Live-Produktion und Medientechnik. Chefredakteur von mebucom.de.

Alle Artikel

Weitere in Business & Markt

Alle anzeigen
Moderatorin Eva Schulz spricht mit ProSiebenSat.1-Chef Marco Giordani auf den Medientagen München

Giordanis Plan für ProSiebenSat.1

/
Ein Stück Kulturgut

Ein Stück Kulturgut

/

Weitere von Niklas Eckstein

Alle anzeigen
Prof. Dr. Annette Zimmermann beim Medientage-Gipfel
/ Nur für Mitglieder

KI demokratisieren: Wer bestimmt, was Fortschritt ist?

/
Moderatorin Eva Schulz spricht mit ProSiebenSat.1-Chef Marco Giordani auf den Medientagen München

Giordanis Plan für ProSiebenSat.1

/

Von unseren Partnern