
RTL News streicht im Rahmen einer umfassenden Neuausrichtung rund 230 Arbeitsplätze. Der Stellenabbau ist Teil des bereits im vergangenen Jahr angekündigten Abbaus von insgesamt 600 Stellen bei RTL Deutschland. Das Unternehmen begründet die Maßnahmen mit einem „herausfordernden Marktumfeld“ und einem „sich rasant wandelnden Mediennutzungsverhalten“.
Mehrere Sendungen werden eingestellt
Konkret betroffen sind die TV-Magazine „Gala“ bei RTL und „Prominent“ bei VOX sowie das Kurzformat „#VOXStimme“ – sie werden komplett eingestellt. VIP- und People-Themen sollen künftig in der Sendung „Exclusiv“ gebündelt werden, die ab dem 17. Januar sieben Tage die Woche ausgestrahlt werden soll.
Auch das Morgenprogramm von RTL wird umgebaut: Die Sendungen „Punkt 6“, „Punkt 7“ und „Punkt 8“ verschwinden aus dem Programm. Ab Frühjahr 2026 sollen RTL und der Nachrichtensender ntv stattdessen werktags zwischen 6 und 9 Uhr ein gemeinsames Morgenprogramm ausstrahlen. In der Primetime will sich RTL News nach eigenen Angaben verstärkt auf investigative Formate wie „Team Wallraff“ und „stern investigativ“ sowie das Magazin „Extra“ konzentrieren.
Zentraler Newsroom in Köln geplant
Teil der Neuausrichtung ist auch eine organisatorische Zusammenlegung: RTL News will einen zentralen, plattformübergreifenden Newsroom in Köln einrichten, ergänzt durch einen weiteren Standort in Berlin. Sogenannte Inhalte-Desks sollen die Zusammenarbeit zwischen den Online-Portalen ntv.de, stern.de und rtl.de koordinieren.
Die Redaktionen von ntv, stern, GEO und Capital seien vom Stellenabbau „nicht direkt betroffen“, teilte das Unternehmen mit – eine Formulierung, die Spielraum für indirekte Auswirkungen lässt.
Konzern setzt auf Digitalisierung und KI
RTL Deutschland präsentiert die Einschnitte als notwendige Investition in die Zukunft. „Wir stellen auch bei RTL News die Weichen verstärkt Richtung Digital“, sagte Inga Leschek, Chief Content Officer von RTL Deutschland. Man wolle „gezielt in digitale Strukturen sowie KI-gestützte Prozesse“ investieren, um „Qualitätsjournalismus für eine digitale Medienwelt nachhaltig weiterzuentwickeln“.
Geschäftsführer Martin Gradl räumte ein, dass die Entscheidungen „sehr schmerzhaft“ seien: „Hinter jeder Kollegin und jedem Kollegen stehen persönliche Geschichten, Engagement und viele Jahre Loyalität.“ Das Unternehmen kündigte an, betriebsbedingte Kündigungen vermeiden zu wollen und die Veränderungen in Abstimmung mit dem Betriebsrat umzusetzen.
Branchenweiter Trend
Die Umstrukturierung bei RTL News reiht sich ein in eine Entwicklung, die derzeit zahlreiche Medienhäuser betrifft. Angesichts rückläufiger Werbeeinnahmen im klassischen Fernsehen und veränderter Nutzungsgewohnheiten – insbesondere bei jüngeren Zielgruppen – bauen viele Unternehmen ihre linearen Angebote zurück und verlagern Ressourcen in digitale Kanäle. Die expliziten Verweise auf „KI-gestützte Prozesse“ deuten zudem darauf hin, dass RTL auch auf Automatisierung setzt, um Kosten zu senken – ein Ansatz, der in der Branche zunehmend verbreitet ist, aber unter Journalisten kontrovers diskutiert wird.














