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SportsInnovation 2026: Wenn das Stadion zum Labor wird

Was hier als Pilot beginnt, wird anderswo zum Standard – so lautet das unausgesprochene Versprechen der SportsInnovation. Die vierte Ausgabe in Düsseldorf hat es einmal mehr eingelöst.

Dr. Steffen Merkel bei den SportsInnovation
DFL-Geschäftsführer Dr. Steffen Merkel eröffnete die SportsInnovation in Düsseldorf.

Düsseldorf hat sich zur festen Adresse für alle entwickelt, die die technologische Zukunft des Sports nicht nur diskutieren, sondern anfassen wollen. Zum vierten Mal luden D-Live und die DFL zur SportsInnovation in die Merkur Spiel-Arena – und zum vierten Mal war das Ergebnis mehr Klassentreffen als Konferenz, mehr Testlabor als Messebetrieb.

Zwei Tage, drei Stages, vollbesetzte Ausstellerflächen und eine Gästeliste aus über 20 Ländern: Die SportsInnovation 2026 hat sich als Europas führendes Sporttech-Event endgültig etabliert. Neben der Bundesliga waren in diesem Jahr NBA, NHL, NFL, FIFA und UEFA vertreten – ein Signal dafür, dass die Veranstaltung längst über den deutschen Fußball hinausstrahlt.

Eindruck von der SportsInnovation 2026: Hauptbühne
Ein wesentlicher Teil des Konzepts sind die Live-Demos während der sogenannten Innovationsspiele, die Technologien direkt im Einsatz zeigen.

Zwischen Prototyp und Praxiseinsatz

Den Ton setzten Kim Lachmann, Geschäftsführer von D-Live, und Dr. Steffen Merkel von der DFL in der Opening Keynote. Lachmann erinnerte daran, was diese Veranstaltung von anderen unterscheidet: „Was manchmal hier als Pilot und Live-Demonstration begann, ist heute Standardelement in Broadcast, Match Operations und Fan Experience." Genau das gilt den Veranstaltern als eigentlicher Maßstab des Erfolgs.

Merkel rückte das übergeordnete Thema ins Zentrum: „Embracing a Connected Future." Für die DFL ist Konnektivität keine Metapher, sondern Infrastruktur. Mobilfunknetze, Cloud-Computing, Echtzeit-Datenanalyse und KI-gestützte Produktionsprozesse bilden die Grundlage für nahezu jede Anwendung, die in der Arena zu sehen war. Dabei mahnte er zur Differenzierung: Technologie sei kein Selbstzweck. „Sie muss echten Mehrwert liefern – für Clubs, Partner und letztlich für die Fans."

Eindruck von der SportsInnovation 2026: Stadion
Eindrucksvolle Kulisse: Die Merkur Spiel-Arena in Düsseldorf war bereits zum vierten Mal Austragungsort der SportsInnovation.

Tag eins: Fußball im Fokus

Der erste Veranstaltungstag gehörte dem Fußball – auf der Bühne und auf dem Rasen. Das Herzstück der SportsInnovation sind die Innovation Games: echte Sportproduktionen in der Merkur Spiel-Arena, in denen neue Technologien unter realen Bedingungen zum Einsatz kommen. Was anderswo als Folie in einer Präsentation erscheint, erlebt das Publikum hier live – mit Spielern, auf echtem Rasen, in einem Bundesliga-Stadion.

Eindruck von der SportsInnovation 2026: Vortragsprogramm
Erstmals wurden auf Ebene 0 zwei zusätzliche Bühnen für ein erweitertes Programm eingerichtet. Die Resonanz der Besucher fiel durchweg positiv aus.

Einen starken Eindruck hinterließen die FPV-Drohnen von theis.media und Skynamic, die dicht über die Spieler flogen und Perspektiven lieferten, die klassische Kameratechnik nicht ermöglicht. Ebenfalls zu sehen: eine neue Eckfahnenkamera mit integriertem Gimbal von PMT, die den ausführenden Spieler direkt frontal erfasst – eine Einstellung, die den Zuschauer optisch in die Szene zieht. Muybridge zeigte ein kamerabasiertes Schienensystem, das viele Einzelkameras per Software zu einer Einheit zusammenfügt. Das Ergebnis wirkt wie eine Kamera auf einem Dolly – ist aber vollständig softwaregesteuert und damit deutlich flexibler als jede mechanische Lösung.

TRACAB lieferte mit seinem Limb-Tracking ein weiteres Highlight. Das System erfasst Spielerbewegungen so präzise, dass es Szenen mit wenigen Sekunden Verzögerung aus beliebigen Perspektiven rekonstruiert – auch aus der Sicht des Spielers selbst. Coaching, Analyse und Broadcast gewinnen damit völlig neue Möglichkeiten. Die DFL ergänzte das mit konkreten Anwendungen ihres 3D-Trackings: automatisierte Ereigniserkennung und die weiterentwickelte semi-automatische Abseitserkennung.

Eindruck von der SportsInnovation 2026: TVN Ü-Wagen
TVN gewährte Einblicke in die Ü-Wagenproduktion der Veranstaltung. Der technische Aufwand war beachtlich und erreichte ein Niveau, das man sonst eher von Bundesliga-Topspielen kennt.

Tag zwei: Andere Sportarten, neues Spielfeld

Über Nacht verwandelte sich die Arena buchstäblich. ASB GlassFloor baute einen animierbaren Glasboden auf, der das Spielfeld optisch neu definierte – und der zweite Tag thematisch gleich mit. Auf diesem Untergrund fanden die Bühnenvorträge statt, Basketball-Demos zeigten das System in Aktion. NBA, NHL und NFL brachten internationale Perspektiven ein und machten deutlich, dass die Herausforderungen rund um Broadcast, Daten und Fan-Erlebnis sportartübergreifend dieselben sind.

Eindruck von der SportsInnovation 2026: ASB GlassFloor
Zu den technischen Highlights des zweiten Tages gehörte der ASB GlassFloor, auf dem Vorträge und Demonstrationen stattfanden.

Thematisch blickte der zweite Tag auch zurück. Erfahrungen aus den Olympischen Spielen lieferten konkrete Anschauungsbeispiele dafür, wie weit Technologien bereits in der Praxis angekommen sind. Einen starken Eindruck hinterließ ein Case von France Télévisions, den EVS vorstellte: Interviewgäste wurden dabei virtuell ins Studio teleportiert – nicht als statische Kameraperspektive, sondern über zwei absolut synchron gesteuerte Roboterarme, einer beim Gast, einer im Studio, beide aus identischer Perspektive. Der remote zugeschaltete Gast wirkte schlicht so, als säße er neben den Moderatoren. Ein Use Case, der die Grenze zwischen Präsenz und Virtualität neu verhandelt.

Düsseldorf als Testlabor

Eindruck von der SportsInnovation 2026: AGITO Kameradolly
Egal wohin man blickte: Überall waren neue Technologien zu sehen – etwa der Kameradolly AGITO, der auf dem Gelände im Einsatz demonstriert wurde.

Was der Case von France Télévisions exemplarisch zeigt, gilt für die SportsInnovation insgesamt: Die stärksten Momente entstehen dort, wo Technologie aufhört, Technologie zu sein, und anfängt, Erfahrung zu werden. Dieses Versprechen löst die Veranstaltung seit 2018 konsequent ein. Lachmann brachte es in seiner Keynote auf den Punkt: „Innovation ist kein einmaliges Ziel. Sie ist ein kontinuierlicher Prozess."

Die nächste Ausgabe dürfte 2028 folgen – bis dahin werden einige der Technologien, die hier getestet wurden, längst zur Normalität gehören.

Niklas Eckstein

Niklas Eckstein

Fachjournalist in der Medien- und Broadcast-Branche mit den Schwerpunkten Live-Produktion und Medientechnik. Chefredakteur von mebucom.de.

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