Schnellste Kameradrohne der Welt filmt Formel 1 Rennwagen

In einem spektakulären Test verfolgte die schnellste Kameradrohne der Welt Formel-1-Weltmeister Max Verstappen über die Rennstrecke von Silverstone. mebulive sprach mit dem Erfinder und Piloten der Drohne, Ralph Hogenbrik, über die Technik.

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Die Bilder gingen millionenfach um die Welt: Eine Kameradrohne jagt Weltmeister Max Verstappen in seinem brandneuen Oracle Red Bull Racing RB20 Formel 1-Boliden über die Rennstrecke von Silverstone. Beeindruckende, ununterbrochene First-Person-View (FPV)-Aufnahmen des F1-Rennwagens in noch nie dagewesener Geschwindigkeit. Was steckt dahinter? mebulive sprach mit dem Erfinder und Drohnenpiloten Ralph Hogenbirk aka. Shaggy FPV (hier sein YouTube-Channel) über die Technik der Drohne und seine Pläne für die Formel 1.

Shaggy FPV Ralph Hogenbrik und Max Verstappen in Silverstone
Shaggy FPV Ralph Hogenbrik und Max Verstappen in Silverstone ©Joerg Mitter / Red Bull Content Pool

Need for Speed: Kameradrohne schafft über 350 km/h

Die Drohne ist eine Neuentwicklung der niederländischen Dutch Drone Gods, die in Zusammenarbeit mit Red Bull entstanden ist. Das Ziel war klar: eine Drohne zu entwickeln, die eine ganze Runde lang bei voller Geschwindigkeit mit einem Formel-1-Rennwagen mithalten kann. Mehr als ein Jahr hat die Entwicklung der 985 Gramm leichten und rund 5 PS starken Drohne in der Werkstatt in Eindhoven gedauert. Jetzt ist sie einsatzbereit. Die Drohne beschleunigt doppelt so schnell wie ein Formel-1-Auto, erreicht 300 km/h in nur 4 Sekunden und eine Höchstgeschwindigkeit von über 350 km/h.

Um diese rekordverdächtigen Kennzahlen zu erreichen, musste das Team um Hogenbirk eine Reihe von Analysen und Tests durchführen. Am Ende setzte sich ein aerodynamisches Design in Form einer Rakete durch. Im Kopf der Drohne befindet sich das Kameramodul, dahinter die Elektronik und die Akkus, die die vier Hochleistungsrotoren am Fuß der Drohne antreiben.

Kameratechnik der Rekord-Drohne

Das Kameramodul der Drohne besteht aus einer zerlegten GoPro 12 und einer kleinen analogen Kamera mit geringer Qualität, die für das Videofeedback des Piloten verwendet wird. “Von der GoPro sind nur noch die Platine und das Sensormodul übrig, die mit einem Spezialkabel verbunden sind. Das mussten wir machen, damit es in die seltsame Form der Drohne passt”, erklärt Hogenbirk.

Blick ins innere der Rekord-Drohne ©Joerg Mitter / Red Bull Content Pool

Eine technische Besonderheit der FPV-Drohne ist die Möglichkeit, das Kamerasystem zu neigen. Dies geschieht jedoch nicht wie bei einer normalen Drohne über die Eingabe am Controller, sondern über ein zusätzliches Fußpedal, das Hogenbirk beim Flug zusätzlich bedienen musste. “Wenn wir mit geringerer Geschwindigkeit durch die Kurven fliegen, neigen wir die Kamera leicht nach unten. Und wenn wir auf der Geraden richtig Gas geben, neigen wir die Kamera etwas nach oben, um die Geschwindigkeit des F1-Rennwagens von hinten im Bild einfangen zu können”, erklärt er.

Immer in Kontakt

Damit beim Test in Silverstone nichts schief ging, waren allein für den Drohnenflug sechs Personen im Einsatz. Neben Hogenbirk als Pilot der Renndrohne waren noch drei Spotter an der Strecke. Außerdem überwachte ein Ingenieur die Telemetriedaten während des Fluges. “Schließlich hatten wir noch einen zweiten Drohnenpiloten vor Ort, der mit seiner Drohne über unserer schwebte, um das Kontroll- und Videosignal zu überbrücken. Das war notwendig, damit wir in allen Ecken der Rennstrecke mit der Drohne in Kontakt bleiben konnten”, erzählt Hogenbirk.

Max Verstappen, verfolgt von der FPV-Drohne ©Joerg Mitter / Red Bull Content Pool

Kameradrohne live in der Formel 1?

In einer noch nicht weiter definierten Projektphase zwei sei laut Hogenbirk vorstellbar, ein Live-Streaming-Modul zu integrieren: “Wir werden also definitiv weiter an dieser Plattform arbeiten, das ist sicher. Das Endziel ist natürlich, eine FPV-Drohne in einer Live-Übertragung der Formel 1 einzusetzen.” Doch bis es soweit ist, müssen noch einige Hürden überwunden werden. “Es geht vor allem darum, Sicherheitsanforderungen zu erfüllen – wir müssen zeigen, dass die Drohne zu 100 Prozent betriebssicher ist, um Zuschauer und Sportler zu schützen. Die andere große Herausforderung ist, einen sendefähigen Livestream liefern zu können”, erzählt Hogenbirk.